Massive Schäden vom Becken bis zum Kweller

Massive Schäden: Es steht schlecht ums Schwimmbad in Altena

Das ist der Kern des das Problems: Der kleine Bach im Bereich der Liegewiese im Altenaer Freibad schwoll so stark an, dass das Rohr nicht ausreichte und das Wasser erst ins Außenbecken und dann auch ins Hallenbad schoss.
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Das ist der Kern des das Problems: Der kleine Bach im Bereich der Liegewiese im Altenaer Freibad schwoll so stark an, dass das Rohr nicht ausreichte und das Wasser erst ins Außenbecken und dann auch ins Hallenbad schoss.

Kein Strom, massive Schäden und hohe Sanierungskosten: Es steht schlecht um das Dahler Bad, seitdem das Hochwasser Außenbereich, Hallenbad und Keller samt Technik geflutet hat. Wann es wieder öffnen kann, ist unklar.

Altena – Noch brennt kein Licht im Keller des Dahler Frei- und Hallenbades: Erst wenn die Elektrik von Fachleuten überprüft und für sicher befunden worden sei, werde Enervie die Stromversorgung wieder herstellen, sagt Hendrik Voß, der Leiter des Bäderbetriebes. Und dann schlägt die Stunde der Wahrheit ...

Was ist alles kaputt gegangen, als am 14. Juli der kleine, im Bereich des Freibades weitestgehend verrohrte Bach über die Ufer trat und erst das Frei- und dann das Hallenbad flutete? In dessen Keller befindet sich nahezu die gesamte Technik des Schwimmbades. Deckenhoch standen dort Schlamm und Wasser, Reste der braunen Brühe stehen noch in den Deckenlampen.

Erster Eindruck von außen trügt

Er gehe im Moment davon aus, dass viele der Pumpen, Schaltschränke, das Blockheizkraftwerk und andere Aggregate irreparabel beschädigt wurden, sagt Thorsten Wattenberg, der beim Immobilienmanagement der Stadt arbeitet und im Bäderbetrieb für technische Fragen zuständig ist.

Von außen sieht das Bad aus, als sei nichts gewesen, wenn man mal von ein bisschen Geröll auf der Liegewiese absieht. „Neben dem Außenbecken hat kniehoch der Schlamm gestanden“, blickt Wattenberg zurück und lobt wie auch Voß in den höchsten Tönen das Engagement von Dutzenden ehrenamtlichen Helfern, die mit Schippen, Schaufeln, Schläuchen und Hochdruckreinigern im und am Bad klar Schiff machten.

Freibad-Becken: Schäden möglich

Der meiste Schlamm ist jetzt weg, sogar das Außenbecken ist schon wieder gefüllt. „Aber das will nichts heißen“, bremst Voß voreilige Hoffnungen. Das Wasser ist wichtig, weil das Becken Schaden nehmen könnte, wenn es längere Zeit leer ist. Wobei Voß und Wattenberg befürchten, dass es ohnehin schon einen Schaden an der Edelstahlwanne gibt: „Es kann sein, dass sie an einer Stelle unterspült worden ist“, sagt Voß und deutet auf eine Absenkung im Verbundsteinpflaster neben dem Beckenrand.

Gleich nebenan: der Quell allen Übels. Oberhalb des Außenbeckens gibt es einen kleinen Bach, der mitten auf der Liegewiese in einem Rohr verschwindet – normalerweise jedenfalls. Bis etwa 13 Uhr ging am Tag des Unwetters noch alles gut. Zwar trat der Bach über die Ufer, die Situation schien aber beherrschbar.

Damm als Notbehelf

Dann nahm der Regen noch deutlich zu, gegen die Wassermassen war nichts mehr auszurichten. Mittlerweile bilden massive Betonelemente eine Art Damm – ein Notbehelf. Über kurz oder lang müsse nach einer anderen Lösung gesucht werden, meint Voß. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass der Bach Probleme macht. So schlimm wie diesmal war es aber noch nie.

Ab ins Hallenbad: Auch da ist alles blitzblank, weil das Schwimmbad eben ein Schwimmbad ist und die Fliesen sich auch dank großzügiger Abflüsse gut reinigen ließen. „Da mussten wir im Prinzip nicht mehr machen als bei der wöchentlichen Grundreinigung“, erklärt Voß.

Schwimmbad-Techniker sollen Schaden ermitteln

Und dann geht es im Licht von Taschenlampen in den Keller: Nass ist es dort, auf allen Rohren, Pumpen und auf den Sicherungen und Relais der vielen Schaltschränke liegt eine feine Schlammschicht. Mit Eigenmitteln sei hier nichts mehr zu machen, sagt Voß. „Hier müssen externe Dienstleister ran“, meint er und ist heilfroh, dass sich bereits eine Lösung abzeichnet.

Mehrere solcher Schaltschränke gibt es im Keller des Hallenbades in Altena. Sie standen alle unter Wasser.

Anfang des Jahres habe er ein auf Schwimmbadtechnik spezialisiertes Ingenieurbüro damit beauftragt, sich mal mit der Technik des Frei- und Hallenbades auseinanderzusetzen, Defizite aufzuzeigen und darüber nachzudenken, was wie optimiert werden könne, berichtet er. Dieses Büro möchte Voß jetzt darum bitten, den genauen Umfang des Schadens zu ermitteln und Vorschläge zur Sanierung zu machen.

Bäderchef hofft auf Geld von Land und Bund

Was das alles kostet? Voß und Wattenberg zucken mit den Schultern. Als die Stadt ihre Flutschäden an die Bezirksregierung melden sollte, fragten Bürgermeister Uwe Kober und Kämmerer Stefan Kemper auch beim Bäderbetrieb an. Voß und Wattenberg nannten einen Betrag von 750 000 Euro.

Das sei aber nur eine erste, grobe Schätzung, betont Voß. Zu viele Fragen sind noch ungeklärt. Zum Beispiel nach dem Schwallbehälter, in dem das Wasser aus den Überläufen der Becken landet, bevor es weitergeht in die Filteranlage. Jede Menge Schlamm dürfte in dem Behälter gelandet sein. „Ob man den reinigen kann, wissen wir noch nicht“, sagt Voß. Übrigens: Eine Elementarschadenversicherung gibt es nicht für das Dahler Bad. Voß hofft deshalb jetzt auf die von Bund und Land zugesagten Aufbauhilfen.

Wiedereröffnung: Termin unklar

So lange die Schäden nicht feststehen und es kein Sanierungskonzept gibt, könne er natürlich auch keine Angaben darüber machen, wann das Bad wieder in Betrieb gehen könne, sagt Voß. Das hänge auch davon ab, wie schnell das benötigte Material beschafft werden kann. „Da sind auch Halbleiter verbaut. Dass es da Lieferschwierigkeiten gibt, ist ja bekannt.“ Auch Handwerker hätten im Moment oft eine erhebliche Vorlaufzeit. Das klingt ganz so, als müssten Bürger, Schulen und Vereine noch Monate aufs Dahler Bad verzichten …

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