Zurück ins Leben!

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Marlies Rechenberg von der gleichnamigen Boutique Marlies aus der Lennestraße 28 kämpft sich nach einem überstandenen Schlaganfall zurück ins Geschäftsleben. Noch müssen ihr aber Verwandte und Freunde im Geschäftsalltag ein wenig helfen.

Altena -  Am Donnerstag sind Tränen geflossen. Tränen der Rührung, der Anteilnahme, aber auch Tränen des Glücks und der Freude: Zum ersten Mal seit Monaten stand Marlies Rechenberg wieder in ihrer Boutique „Marlies“ an der Lennestraße 28 hinter dem Verkaufstisch.

„Ich bin noch ein bisschen wackelig und es ist noch ein weiter Weg zurück ins Leben“, sagt sie etwas leise und langsam. „Doch ich blicke nach vorn. Es geht weiter. Arbeiten ist mein Lebenselixier!“

Im Juni – kurz vor dem 20. Geburtstag ihres kleinen Geschäftes in der Innenstadt – ereilte die couragierte Frau ein Schlaganfall. Notarzt, Krankenhaus, Anschlussheilbehandlung. „Mit allem, was man sich darunter vorstellen muss“, sagt sie und lächelt tapfer. Sie musste wieder sprechen, laufen, sich bewegen lernen. Langsam, ganz langsam sei das gegangen. „Und ich bin noch nicht am Ende des Weges. Meine Therapie geht weiter“, sagt sie. Doch jetzt, jetzt war alles anders: „Dank der Hilfe von Verwandten, Freundinnen und Bekannten bin ich wieder da“, sagt sie und da schießt doch ein kleines Glücks-Tränchen ins Auge.

Modisches für Frauen in den Größen 34 bis 52 veräußert Marlies Rechenberg. Sie setzt dabei auf ihren eigenen Geschmack, fährt grundsätzlich selbst zum Einkaufen nach Düsseldorf und der Erfolg gibt ihr recht. „Ich habe schon Stammkundinnen hier, das muss ich sagen“, erzählt sie ein wenig aus dem Nähkästchen. Die hat sie auch – sofern bekannt – informiert. Angerufen, angemailt oder angesprochen: „Ich komme wieder!“

Donnerstagfrüh und den Tag über war es ein Kommen und Gehen im kleinen, aber feinen Geschäft an der Lennestraße 28. „Viele haben etwas gekauft, andere mir nur Mut zugesprochen und mich gedrückt. Das tut einfach gut“, sagt die Frau, die einst in Menden die Boutique Papillon selbständig führte und dann an die Lenne kam.

Altena ist für sie eine Stadt, in der „etwas geht, man muss es nur wagen“. Und eine Kundin, die das Gespräch zufällig verfolgt, sagt: „Marlies ist eine Stehauf-Frau. Es gibt doch nicht nur Stehauf-Männchen!“ Beide lachen und es klingt befreit, fröhlich.

Ihre Schwägerin hat versucht, während der krankheitsbedingten Abwesenheit den Laden weiter zu führen. „Aber mit drei Kindern ist das nicht so einfach“, sagt Marlies Rechenberg. „So haben wir manchmal nur einmal die Woche geöffnet gehabt.“ Es habe sie verrückt gemacht, nicht zu wissen, wie es weitergehe. „Ich bin doch so gerne in der Boutique.“ Fragen wie, vermissen dich die Altenaer? Werden Sie wiederkommen? Schaffst du es?, habe sie sich immer wieder gestellt.

Dann steht Marlies Rechenberg auf, geht zu einem Verkaufsständer mit neu eingetroffener Kleidung und sagt: „Ich blicke jetzt vorwärts, nicht zurück. So was kann depressiv machen. Das kommt für mich nicht in Frage.“

Die Ware, die ihre Partner in Düsseldorf dieses Mal noch auf dem Postweg nach Altena gesandt haben, mag auch die Modefachfrau. „Schöne Sachen dabei, einige sind schon verkauft!“

Zurück ins Leben. Das sei zwar noch ein weiter Weg, aber überschaubar, sagt die Einzelhändlerin. Und im Fenster hängt derweil eine Veranstaltungsankündigung: „Hoffnung ist grenzenlos! “ – Marlies Rechenberg lebt die Aussage. Irgendwie real. Toi.toi.toi!

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