Markus Glock in höchster Not

Glock ist überall – auch in Kochshows. Nun muss er den Kundenkreis in seinem Fitnesstreff erheblich steigern, um über die Runden kommen zu können.

ALTENA - Sportfreunde, Fitnesstreff, Einsatz für sozial Benachteiligte, Komparse in Vorabend-Fernsehshows, Ausrichter von allerlei Meisterschaften – Markus Glock ist ein Hansdampf in allen Gassen. Eins allerdings hat er über sein ganzes Engagement aus dem Blick verloren: Das Geldverdienen.

„Faktisch bin ich pleite“, gibt der 41-Jährige zu – wie schlecht es um seine Finanzen tatsächlich bestellt ist, musste ihm erst eine Steuerberaterin klar machen. Jetzt weiß Glock: Entweder schafft er es in den nächsten sechs Monaten, das Ruder herumzureißen – oder er muss seinen Laden dicht machen. Etwas Luft verschafft ihm im Moment ein Minijob als Sporthelfer an der Förderschule.

Das alte Fahrrad, mit dem Glock durch die Stadt radelt, zeigt seit eh und je: Richtig viel Geld hat der Diplom-Sportlehrer mit seinem Fitnesstreff noch nie verdient. Dass die Lage erst jetzt wirklich prekär wird, liegt am Umzug in den ehemaligen Kindergarten im Mühlendorf. Der gehört inzwischen dem SPD-Ratsherrn Kay Kürschner – 1600 Euro müsse er dem monatlich für Miete und Nebenkosten zahlen, schildert Glock. Und: „Ich habe mich da schlicht und einfach verrechnet“ – erst mit der Zeit sei klar geworden, dass er sich dieses Domizil eigentlich nicht leisten kann.

Zweites Problem: Sein großes Herz. Glock ist Idealist, manchmal liest er Jugendliche von der Straße auf und lässt sie („damit sie nicht auf die schiefe Bahn geraten“) in seinem Studio zum Nulltarif trainieren. Ein nicht unerheblicher Teil seiner Kunden (die er selbst wahrscheinlich nie so nennen würde) zahle nicht oder nur einen Teil des eigentlich fälligen Beitrags, gibt Glock zu. Auch das ist natürlich alles andere als gut für das Geschäft.

Auf die Idee, mal eine Fachfrau auf die Zahlen gucken zu lassen, ist Glock erst kürzlich gekommen. „Die war entsetzt“, sagt der 41-Jährige. Ihr Rat: Wenn es ihm nicht innerhalb kürzester Zeit gelingt, von jetzt 85 auf 140 zahlende Kunden zu kommen, dann ist der Fitnesstreff am Ende.

Für Glock hieße das auch: Ein Lebenstraum wäre geplatzt. „Ich liebe diesen Sport“, sagt er und verweist stolz auf die Erfolge, die die Sportfreunde Altena e.V. unter seiner Regie einfahren konnten.

Nach seinem Studium arbeitete Glock zunächst in Bielefeld. 1997 begannen dann vier Wanderjahre mit interessanten Begegnungen – so arbeitete Glock mit dem Trainer der russischen Gewichtheber zusammen. Nach Altena verschlug es ihn vor zehn Jahren, er mietete sich zunächst in der ehemaligen Berg-Fabrik ein. Weil die Bedingungen dort nicht die besten waren, war Glock froh, als er sich vor einem Jahr im Mühlendorf einmieten konnte. Dass er sich das nicht leisten konnte, realisierte er erst später.

von Thomas Bender

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