Pflegeintensive Plantage – zur Ernte kam es nicht

ALTENA ▪ Marihuana-Pflanzen gedeihen nur mittelmäßig gut in Evingsen. Doch diese Erkenntnis spielte nur eine nebensächliche Rolle im Verfahren gegen einen 35-jährigen Dortmunder, der gemeinsam mit einem Altenaer Mittäter in einem Wohnhaus eine Marihuana-Plantage mit 81 Pflanzen angelegt hatte.

„Aus einem kleinen Scherz wurde Ernst“, gestand er am Dienstag im Amtsgericht den Anbau, der eine Ernte von bis zu zwei Kilogramm Marihuana abgeworfen hätte. Nach einer ersten Wachstumsperiode in der Zeit von Mai bis Ende Juli 2011 wurde die Plantage jedoch von der Polizei gerodet. Das für „800 bis 1000 Euro“ angeschaffte Zubehör wurde ebenfalls beschlagnahmt.

Die beiden Männer hatten die Pflanzen bei ihrem ersten landwirtschaftlichen Großversuch aus Hanfsamen „selber großgezogen“. Lampen halfen den Pflänzchen über die schwierige Anwuchsphase hinweg. Eine Bewässerungsanlage hatte die Plantage nicht. „Es wurde gegossen“, erklärte der Angeklagte die eher traditionelle Bewässerungstechnik. „Das Haus ist auch so feucht genug“, scherzte Richter Dirk Reckschmidt mit Blick auf die Lage des Anwesens.

Der Grund für die Bemühungen um die verbotene Ernte konnte niemanden überraschen: „Ich dachte mir, man kann sich eine finanzielle Spritze gönnen“, erklärte der Angeklagte und nannte das Ganze eine „Eselei“.

Doch dann wurde es ernst: „Das war kein exorbitant hochwertiges Marihuana“, stellte Staatanwalt Axel Nölle fest. „Semiprofessionell“ sei der Anbau gewesen. Das änderte nichts daran, dass der Anbau der Droge den Tatbestand des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln erfüllte – auch wenn es sich aufgrund des frühen Scheiterns des Projektes „nicht um einen klassischen Fall handelte“. Im Spektrum zwischen der Mindeststrafe von einem Jahr und der Höchststrafe von 15 Jahren Haft siedelte der Staatsanwalt das Verbrechen bei einem Jahr und sechs Monaten auf dem unteren Ende der Skala an, so dass eine Bewährungsstrafe möglich wurde – auch, weil das Marihuana nicht in den Verkehr gelangt war.

Richter Dirk Reckschmidt folgte diesem Strafantrag und mahnte, dass die „Eselei“ strafrechtlich gesehen ein Verbrechen war. „Das Zeug macht dumm und lethargisch.“ Der Angeklagte tat sich etwas schwer mit dem Urteil, weil dieses als Bewährungsauflage 250 Sozialstunden beinhaltete. ▪ thk

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare