Inszenierte Entführung

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Marcus Glock simuliert eine Entführung. ▪

ALTENA ▪ Ein Kind wird gewaltsam gepackt und ins Auto gezogen. Marcus Glock will dieses Szenario öffentlich nachstellen und Reaktionen der Passanten testen. Er selbst hat es ausprobiert: Eine Entführung auf diese Art dauert sieben Sekunden. Befreien könnte sich ein Kind gerade mal auf drei bis vier Metern.

Im Training mit seinen Schülern hat Marcus Glock es seit Januar geübt, sich aus dem Griff eines Entführers zu befreien. Die Situation war gestellt und die Kinder auf den Angriff vorbereitet. Jetzt will er sie ins kalte Wasser werfen und eine ungeplante Situation simulieren. „Der Entführer ist den Kindern nicht persönlich bekannt. Das Szenario wirkt wie eine echte Straftat.“

Marcus Glock will testen, ob seine Schützlinge die Regeln beachten, die er ihnen beigebracht hat. Sie sollen sich nicht zerren lassen, sondern die Kraft des Gegners nutzen, um sich aus dem harten Griff zu befreien. Das muss schnell gehen, da ist Geistesgegenwart gefragt. Auch auf die der umliegenden Passanten setzt Marcus Glock dabei: Er fragt sich, ob sie eingreifen würden. Entweder aktiv oder in der Form, dass sie die Polizei rufen.

Glock nennt weder den Zeitpunkt, noch den Ort der Testaktion. Auch teilt er nicht mit, welche Kinder in die ungewohnte Situation geschickt werden. Nur die Polizei will er vorab informieren, damit der Entführer-Darsteller nicht von einem Passanten angezeigt und später polizeilich gesucht wird.

Glock hat in Selbstverteidigungskursen oft mit Kindern und Jugendlichen geübt, wie sie sich in bedrohlichen Situationen zu verhalten haben. Wichtigste Vokabel ist „Hilfe!“. Nur auf dieses Signalwort würden umstehende Menschen reagieren. „Wenn Kinder ,Feuer’ schreien, reagiert niemand. Erwachsene denken dann, die Kinder spielen Feuerwehr.“

Auch eine „Abzocksituation“ will Marcus Glock simulieren: Einem Kind soll das Handy unter Drohgebärden weggenommen werden. Glock setzt in so einem Fall zuerst auf Deeskalation. „Wichtig ist zunächst, heil aus so einer Situation herauszukommen. Leib und Leben stehen im Vordergrund.“ Trotzdem will Glock seinen Schützlingen grundsätzlich ein selbstbewusstes Auftreten empfehlen. Auch das sei hilfreich, eine Situation zu entschärfen. Beobachtern von Straftaten auf offener Straße will Glock ans Herz legen, im Sinne der Zivilcourage Krach zu machen und andere Passanten aufmerksam zu machen – auch, wenn man selbst nicht mit den eigenen Händen eingreifen kann. ▪ Von Ina Hornemann

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