Fuelbecker Talsperre

Manganverschmutzung: Der warme Winter war’s

Die Fuelbecke von oben: Zweimal im Jahr „dreht“ sich die Talsperre. Weil das wegen des warmen Winters in diesem Jahr nicht passierte , herrschte in den tieferen Wasserschichten Sauerstoffmangel. Das führte zu der erhöhten Manganbelastung.

Altena -  Zersetzungsprozesse von Mikroorganismen führten zu der erhöhten Manganbelastung der Fuelbecker Talsperre. Das teilten die Stadtwerke am Mittwoch unter Berufung auf die Untersuchungsergebnisse des Hygieneinstitutes mit.

Von Thomas Bender

Gleichzeitig dementierten sie erneut einen Zusammenhang mit dem Auftrag von Gülle im Raum Rosmart.

Zweimal im Jahr „dreht“ sich die Talsperre - einmal im Frühjahr, wenn sich das Wasser an der Oberfläche erwärmt und dann im Winter, wenn es kälter wird. Wegen der warmen Witterung habe diese Umwälzung im vergangenen Winter nur eingeschränkt stattgefunden, erklärte Bunse gestern. Folge: Am Talsperrengrund kippte das Wasser um.

Der damit verbundene, geringe Sauerstoffgehalt bereitete Bakterien Probleme, die eigentlich die Algen in der Talsperre abbauen. Dass das nicht mehr funktionierte, merkten die Industrietaucher, als sie etwa im untersten Viertel der Sperre eine ungewöhnlich starke Algenschicht vorfanden. Darunter sei teilweise kaum noch Sauerstoff nachzuweisen gewesen, schreibt das Hygieneinstitut. Das führte dazu, dass die Organismen das Manganoxid im Wasser als alternative Energiequelle nutzen. Dadurch wurde das im Gestein gebundene Mangan gelöst und die Konzentration im Wasser deutlich erhöht.

Dass in der Tiefe im Wortsinne etwas faul war, wurde übrigens auch deutlich, als die Stadtwerke die Turbine am Fuße der Staumauer auf Volllast laufen ließen: Das Wasser roch nicht gut.

Dieses Ergebnis der Analysen von Chemikern und Biologen bestätigt den Verdacht, den Stadtwerke-Geschäftsführer Marc Bunse bereits vor drei Wochen geäußert hatte, als der erhöhte Mangangehalt auffiel und die Talsperre vom Netz genommen wurde. Er ging schon damals davon aus, dass Prozesse innerhalb der Sperre dafür verantwortlich waren und kein Manganeintrag von außen erfolgte.

Die Fachleute gehen davon aus, dass sich das Problem von selbst erledigen wird. Die Abkühlung der vergangenen Tage und der durch die Regenfälle bedingte erhöhte Zulauf in die Talsperre zeigen nach Darstellung der Stadt werke bereits Wirkung, der Mangangehalt geht zurück.

Um in Zukunft für solche Phänomene gerüstet zu sein, nutzt das Unternehmen die Gelegenheit und führt gleichzeitig Revisionsarbeiten im Filterwerk durch. In den kommenden Tagen werden die Filter der Wasseraufbereitung abgesaugt und erneuert. Anschließend kann der Probebetrieb gestartet werden. Außerdem wird die Wasseraufbereitung für solche extremen Wetterverhältnisse wie im vergangenen Winter optimiert und um ein weiteres Kontrollinstrument erweitert. Die neue Technik soll es ermöglichen, den Sauerstoffgehalt im Talsperren-Wasser stets im Blick zu behalten und bei ähnlichen Problem demnächst schneller reagieren zu können. Denkbar sei auch, das Wasser der Fuelbecke-Talsperre mit zusätzlichem Sauerstoff zu belüften.

„Erst wenn wir unseren Kunden wieder Trinkwasser in gewohnter Qualität liefern können, geht die Fuelbecke-Talsperre wieder ans Netz. Dies wird vermutlich im November erfolgen“, sagt Bunse. Er rechnet damit, dass die bislang durchgeführten Maßnahmen samt Revision eine sechsstellige Summe kosten werden.

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