„Man kann sich nicht alles gefallen lassen“

Auch bei Ernstings liegen die Listen aus.

ALTENA ▪ Von Johannes Bonnekoh

ALTENA J Seit ein paar Tagen liegen in vielen Geschäften entlang der Kirchstraße und den anliegenden Straßen Protest-Unterschriftslisten aus. Bürger der Stadt sollen sich dort eintragen, um eine Bebauung des jetzigen freien Platzes zwischen Antek und Overbeck zu verhindern. Er wird als Parkplatz bewirtschaftet und ist täglich gut frequentiert. Eine Bebauung hat unter Umständen die Fritz-Berg-Stiftung ins Auge gefasst. Sie kann sich vorstellen, an dieser Stelle eine Seniorenwohnanlage zu errichten (wir berichteten).

Initiator der Protestbewegung ist Textilkaufmann Klaus Neuhaus. Er hat nach eigenen Angaben mit allen Anwohnern und Gewerbetreibenden des „Viertels“ persönliche Gespräche geführt und auch die Protest-Unterschriftslisten formuliert und weitergegeben. Darin heißt es wörtlich: „Ich bin für eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt, ausreichend Parkfläche und kurze Wege. Mit der Bebauung des jetzigen Platzes zwischen Antek und Overbeck bin ich nicht einverstanden. Ich möchte, dass der Platz weiterhin als Parkplatz und Veranstaltungsort zur Verfügung steht.“

Klaus Neuhaus weiß, dass es für diesen Bereich sehr wohl einen Bebauungsplan gibt, der der Erbengemeinschaft Berg, die den Platz besitzt, ermöglicht, dort auch zu bauen. Aber der Geschäftsmann sagt auch: „Wir haben doch das generelle Problem, dass die Menschen überhaupt erst in die Stadt kommen. Wer hier aber nicht zentral parken kann, macht gleich einen Bogen um die Innenstadt.“

Er befinde sich, so sagt er weiter, mit dieser Auffassung in guter Gesellschaft. Die Betreiber der Ritterschänke oder des Café Santos hätten ihm klar signalisiert, dass bei ihnen die Lichter ausgingen, sollte der Platz mit Seniorenwohnungen bebaut werden.

Neuhaus erinnert sich auch an persönliche Gespräche mit Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. So weit ihm in Erinnerung sei, habe der immer angedeutet, sich für den Erhalt dieses Platzes als City-Parkplatz stark zu machen.

Neben dem wegfallenden Parkraum ärgert Neuhaus auch, dass „hier in die Straße dann wohl kaum noch Sonne reinfällt.“ Man müsse sich das mal vorstellen, das könne doch nicht ernsthaft im Interesse einer guten Stadtentwicklung liegen.

Zudem – auch das ist für den Kaufmann ein zwingendes Argument – fiele viel Raum für Veranstaltungen weg. Beispielhaft nannte er die Alwewo oder den Mittelaltermarkt. „Wo soll das denn dann laufen?“

Noch einmal geht er weit zurück in die Historie. Es habe einmal Pläne gegeben, von Seiten der Händlerschaft das Areal selbst zu erwerben und dann als Parkfläche zu bewirtschaften. Das habe sich zerschlagen. Aus heutiger Sicht müsse er feststellen, „das hätte sich schon gerechnet.“

Ute Bourdoncle vom Café Santos stützt Neuhaus-Einschätzung. „Ich habe schon einige Listen voller Unterschriften hier liegen“, sagt sie. Besonders Kurzzeitgäste seien betroffen, wenn sie nicht mal eben kurz reinspringen könnten, um zum Beispiel einen Kaffee zu trinken.

Für Monika Gerstäcker von Ernstings-family an der Kirchstraße ist die Idee, Altenwohnungen an dieser Stelle zu errichten, fast schon absurd. „Für mich ist das gegen den Trend. Es passiert so viel in Altena. Die Terrassen im Fluss, die Aufwertung der Unterstadt und dann an dieser Stelle nur Wohnungen ohne Handel, dass kann es nicht sein.“

Listen liegen aus bei Radio-Fernseh Schmitz, dem Hotel am Markt, im Reisebüro, bei Antek, Ernstings-family, Café Santos, im Eiscafé, im griechischen Imbiss, der Ritterschänke, der Pizzeria und bei Mode Neuhaus.

Klaus Neuhaus wird sie wieder einsammeln und dann Rat und Verwaltung überreichen. Kämpferisch sagt er: „Man kann sich ja nicht alles gefallen lassen!“

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