„Mal sehen, was heute unter den Nägeln brennt“

Dr. Dietmar Kehlbreier nagelt die 95 Thesen Luthers an die Tür der Lutherkirche in Altena.

ALTENA ▪ Zurück in die Zeit Martin Luthers: Ein gewisser „Mönch Ulrikus“ Weißpfennig zieht beim Mittelalterfest durch die Gassen der Burgstadt und verteilt gegen eine Spende Ablassbriefe. Klar, dass sich die Protestanten das nicht einfach gefallen lassen. Schließlich sagte Luther bereits, dass allein der Glaube die Menschen vor dem Fegefeuer schütze. „Wir werden mit Ulrikus in eine öffentliche Disputation gehen. Helfen werden uns dabei die 95-Thesen Martin Luthers“, erklärt nun Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier.

Die Freunde der Stadtbücherei, die Frauengeschichtswerkstatt, die Buchhandlung Katerlöh und die evangelische Kirchengemeinde eröffnen am Wochenende am Lenneufer die „Universitas Populi“ – die Schule des Volkes. „Uns vereint das Thema Bildung. Die Frage nach diesem Thema war der Motor der Zeit, der letztendlich die Epoche überwandt“, so Kehlbreier weiter. Kirchengeschichtlich sei die mittelalterliche Reformation rund um den berühmten Reformator Martin Luther bis heute aktuell. Selbst im modernen Zeitalter bildeten oftmals Luthers Lehren den Mittelpunkt. „Das Mittelalter war nicht immer nur romantisch. Es gab damals auch harte Themen, um die gekämpft wurde“, erläutert der Pfarrer die Idee. Am Stand der „Universitas Populi“, werden die 95 Thesen Luthers, die er einst an die Tür der Klosterkirche zu Wittenberg genagelt haben soll, angeschlagen. „Die Thesen haben nicht nur die Kirche, sondern die Welt verändert – mal sehen, welche Themen den Menschen heute unter den Nägeln brennen.“ Denn am Stand können Besucher ihre eigenen Thesen für das 21. Jahrhundert formulieren und anschlagen. Zusätzlich wird es an beiden Tagen um 16 Uhr eine Disputation zwischen Ablasshändler „Ulrikus“ und dem Protestanten geben. „Wir werden angeregt diskutieren und hoffen auf Unterstützung aus den Zuschauerrängen“, so Kehlbreier.

Weiterhin gibt es an dem Stand folgendes zu entdecken: Die Besucher können ihr Geschick als Schreiberlinge unter Beweis stellen. Das Schreiben mit Feder und Tinte will schließlich gelernt sein. Außerdem können Lesezeichen gebastelt werden. In der Dichterklause am anderen Ende des Standes werden von Zeit zu Zeit Märchen und Sagen vorgetragen. Hier können die Gäste dem Getümmel entfliehen und eintauchen in die Welt von Feen, Hexen, Rittern und Burgfräulein. Eine echte Rarität ist die historische Waage aus der Markt-Apotheke. Sie stammt noch aus der Zeit des Mittelalters. Kornelia Weißpfennig wird zudem Heilsträuße binden.

„Wir hoffen, dass möglichst viele Leute Spaß an unserer Schule des Volkes haben und natürlich, dass zahlreiche Menschen die öffentliche Disputation am Samstag und Sonntag um 16 Uhr verfolgen“, erklärt Dr. Dietmar Kehlbreier voller Vorfreude auf das Mittelalter-Spektakel.

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