Landhaus ist ein weiter Begriff

Traumhäuser sehen anders aus als das am Kohlhagener Weg.

ALTENA ▪ „Europas schönste Häuser“ hat nach eigenen Angaben die blueHome AG mit Sitz in München im Programm. Da darf ein Angebot in Altena natürlich nicht fehlen: Für knapp 130 000 Euro preist die Maklerfirma in allerlei Internetportalen ein Objekt in der Burgstadt als „Landhaus“ und „Bauernhaus“ „in einer ruhigen Gegend“ an.

Realistischer Wert

bei höchstens 50000 Euro

Angesichts dieser Offerte kann sich vor allem Baugesellschafts-Vorstand Joachim Effertz ein Schmunzeln kaum verkneifen: Sein Unternehmen ließ das in den Inseraten angepriesene Sechsfamilienhaus am unteren Kohlhagener Weg (und damit in direkter Nachbarschaft zu den Firmen in der Nette) 1950 bauen und war rund 60 Jahre später froh, dass sich für schmales Geld ein privater Käufer dafür fand. Was Mehrfamilienhäuser in dieser Lage wirklich wert sind, zeigte sich zuletzt im Herbst 2012. Damals ließ die Baugesellschaft das völlig identische – aber augenscheinlich besser erhaltene – Nachbarhaus Kohlhagener Weg 54 versteigern. Damit wurde die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG beauftragt, die ein Mindestgebot von 39 000 Euro aufrief. Effertz war höchst zufrieden, als dieses Haus am Ende für 49 000 Euro wegging.

Firma antwortet

nicht auf Anfragen

Nach welchen Kriterien die blueHome AG den Preis für das Objekt ermittelte, bleibt unklar: Entsprechende Anfragen unserer Zeitung ließ das Unternehmen unbeantwortet. Offen bleibt damit auch, wie die im Exposé aufgeführten monatlichen Mieteinnahmen von 1280 Euro zustande kommen sollen. Das entspräche 3,85 Euro pro Quadratmeter – wenn denn alle Wohnungen vermietet wären, was aber bei weitem nicht der Fall ist. Außerdem liegt dieser Preis rund zehn Prozent über dem, was die Baugesellschaft für realistisch hält.

blueHome ist kein Einzelfall: Auf dem schwierigen Immobilienmarkt der Burgstadt tummeln sich neben den örtlichen Maklern längst auch solche, die weit weg vom örtlichen Geschehen sind. So sucht eine Maklerin aus Drensteinfurt im Moment einen Käufer für ein Haus am Markaner – mit 340 000 Euro eins der teuersten Objekt auf dem Markt. Auch von Solingen und Münster aus wird versucht, Häuser in Altena zu vermakeln.

Übertriebene Erwartungen geweckt

Den ortsansässigen Maklern bereitet es gelegentlich Probleme, wenn Kollegen von auswärts bei den Verkäufern übertriebene Erwartungen wecken. Es komme vor, dass potenzielle Kunden sich dann an die Konkurrenz wenden würden, berichtet Friedrich Wilhelm Kraus von Kraus und Opitz Immobilien. Er warnt davor, dass überzogene Kaufpreisvorstellungen dem Objekt letztlich schaden: „Wenn man mit dem Preis immer weiter runtergehen muss, drückt das am Ende auf den Wert.“

„Unseriös“ – auf diesen knappen Nenner bringt Wolfgang Maasch, bei der Volksbank im Märkischen Kreis für Immobilien und Baufinanzierung zuständig, das Angebot aus München. Er und seine Kollegen betreiben viel Aufwand, um ihre Angebote mit einem möglichst realistischen Preis auf den Markt zu bringen: „Dazu gehört eine Begehung, die Pläne werden eingesehen, Vergleichsangebote hinzugezogen.“

Wie auch Kraus berichtet Maasch, dass es häufig nicht einfach sei, den Verkäufer davon zu überzeugen, dass seine Immobilie nicht so viel wert sei wie gedacht. Kraus erinnert sich an Fälle, in denen er während solcher Gespräche mit Annoncen wie der aus München konfrontiert wurde.

Von Thomas Bender

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