Digital am Leben teilhaben

Von wegen einsam durch Corona: Seniorin entdeckt mit 80 das Internet für sich

Am Tablet: Olga Stuwe (83) bei einem Kurs in der Begegnungsstätte „Freiheit24“. Jetzt finden die Schulungen online statt.
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Am Tablet: Olga Stuwe (83) bei einem Kurs in der Begegnungsstätte „Freiheit24“. Jetzt finden die Schulungen online statt.

Wozu ein Urlaub auf Mallorca so alles führen kann. Olga Stuwe (83) führte er ins Internet – und damit in die komfortable Situation, spielend leicht auch in der Corona-Zeit digital am Leben teilhaben und Kontakte halten zu können.

Altena – Die Altenaerin war auf der Mittelmeerinsel unterwegs, um ein paar Tage im Sonnenschein zu verbringen. Das sollte natürlich dokumentiert werden. Mit einer geliehenen Digitalkamera.

Es hätte zwar die Möglichkeit bestanden, die Speicherkarte der Digitalkamera anschließend in ein Geschäft zu bringen und dort die Fotos ausdrucken zu lassen. Olga Stuwe reichte das aber nicht: Sie wollte sich die Fotos schön bequem zuhause ansehen – auf dem Computer. „Das ist aber nichts für Euch“, hörte sie mehrfach aus dem Familienkreis. Von wegen. „,Jetzt erst recht‘, habe ich mir gesagt“, erinnert sich die 83 Jährige

Für 1000 Euro erwarb sie ihren ersten eigenen Laptop. „Aber den habe ich erst einmal gar nicht angerührt“, gibt sie zu. Es gab dann doch Berührungsängste. Das änderte sich, nachdem Olga Stuwe erfahren hatte, dass es Kurse gibt, die genau auf sie zugeschnitten waren: „Umgang mit dem PC für Senioren“. Die ersten Schritte ging die Altenaerin allerdings in Iserlohn, bei Schulungen der Arbeiterwohlfahrt.

Nach jedem Kursabend an den Rechner

Olga Stuwes Interesse war geweckt. „Nach jedem Kursabend habe ich mich zuhause vor den Rechner gesetzt, um das neu Gelernte umzusetzen.“ Heute besitzt sie neben einem Laptop, es ist mittlerweile das dritte, auch ein Smartphone und ein Tablet. Kontaktlose Kommunikation ist für sie kein Problem. Corona macht die Seniorin nicht einsam. Die Daten speichert sie in einer Cloud, ihre Geräte sind synchronisiert. „Dann hat man überall die gleichen Daten“, setzt die Seniorin zum einen auf Sicherheit im Falle eines Geräteausfalls und zum anderen auf Aktualität. Olga Stuwe nutzt das Internet, schreibt E-Mails und druckt gerne Karten für verschiedenste Anlässe aus. Die gestaltet sie natürlich selbst am PC. Und Videochats gehören mittlerweile auch zu ihrem Alltag.

Die 83-Jährige setzt darüber hinaus auf Whatsapp, um täglich mit ihrer vier Jahre jüngeren Schwester in Norddeutschland und mit ihrer Tochter zu kommunizieren. „Wir schreiben uns, wie das Wetter ist und was wir gekocht haben.“ Zu den täglichen Gerichten werden natürlich auch Fotos verschickt. „Man muss einfach dranbleiben, sonst verlernt man das“, sagt die 83-Jährige zu ihrem Leben in der digitalen Welt. Die vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten erlebte Olga Stuwe erst spät. „Ich bin ohne Telefon aufgewachsen“, berichtet sie.

„Viele trauen sich da nicht dran“

Viel Wissen verdankt die Seniorin den Computerkursen, die das Stellwerk in Altena veranstaltet. Sie fanden zuletzt in der Begegnungsstätte „Freiheit24“ statt, doch das geht wegen Corona gerade nicht. Jetzt gibt es stattdessen Videochats per Zoom. Geleitet werden die virtuellen Treffen von Informatiker Dennis Becker und Dorothee Isenbeck. Jeden Mittwoch kommt man zusammen. „Wir unterhalten uns, aber wir lernen auch viel“, fasst Olga Stuwe zusammen. Bis zu zwölf Teilnehmer machen mit. „Man sieht sie alle. Wer gerade spricht, hat einen grünen Rand“, schildert die Seniorin ihre Online-Erfahrungen mit Zoom.

Was ihr auffällt: „In meinem Alter sind nur wenige online. Viele trauen sich da nicht dran.“ Die 83-Jährige geht mit gutem Beispiel voran. „Ich habe mich eben nach und nach da reingefuchst.“

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