Geld veruntreut: Bewährungsstrafe für Hausverwalter

Altena - Zehn Monate auf Bewährung wegen geschäftsmäßiger Untreue in drei Fällen: Mit diesem Urteil endete im Amtsgericht Altena ein Strafverfahren gegen einen Hausverwalter aus Evingsen, der sich mehrfach aus der ihm anvertrauten Kasse einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) bereichert hatte.

Der 73-Jährige gab zu, dass er seine Verfügungsgewalt über deren Rücklagenkonto in den Jahren 2012 und 2013 genutzt hatte, um insgesamt 32 000 Euro auf sein eigenes Konto zu überweisen. 10 000 Euro habe er allerdings kurz nach der Umbuchung auf das WEG-Konto zurücküberwiesen.

Zur Verschlankung des Prozesses stellte das Schöffengericht das Strafverfahren hinsichtlich weiterer 20 Fälle von Untreue vorläufig ein. Vorgeworfen wurden dem Angeklagten kleinere Überweisungen zwischen 70 und 1000 Euro auf sein Privatkonto in den Jahren 2014 und 2015. Außerdem sollte er zwischen Ende 2013 und Juni 2016 zahlreiche private Rechnung von dem Rücklagenkonto bezahlt haben. Laut Anklage war der WEG durch die Vielzahl der Taten ein Gesamtschaden von knapp 42000 Euro entstanden.

Rechtsanwalt Carsten Hoffmann schilderte die Umstände: Seit 1985 sei sein Mandant Verwalter der Wohnanlage gewesen. Weil die WEG bis 2008 kein eigenes Konto bei einem Geldinstitut führen konnte, lief das WEG-Konto unter dem Namen des Angeklagten. Auch als sich die Rechtslage 2008 änderte, blieb es bei dieser Konstruktion, die ihm umfassenden Zugriff auf die vorhandenen Mittel ermöglichte. Die faktisch nicht vorhandene Kontrolle seiner Transaktionen durch die Wohnungseigentümer ermöglichte die zunehmende Vermischung von privatem und anvertrautem Geld.

Allerdings war die Faktenlage in den eingestellten Fällen von Untreue nicht immer eindeutig: Manche Anschaffungen wie jene von teuren Datenverarbeitungsgeräten konnten für verschiedene Zwecke genutzt werden. Und einiges sprach dafür, dass der Angeklagte Privates und sein Engagement für einen heimischen Verein immer mehr mit seiner Verwaltertätigkeit vermischt hatte. Umgekehrt hatte er eine ihm zugesicherte schrittweise Erhöhung seiner Verwaltervergütung nicht in Anspruch genommen, was eine Summe zwischen 4000 und 5000 Euro ergab. „Er hat die Erhöhung in eigenwilliger Form durchgesetzt“, bemerkte Verteidiger Carsten Hoffmann. Als Motiv für die Taten seines Mandanten nannte er dessen Mindereinnahmen aufgrund des Übergangs aus dem Hauptberuf in den Ruhestand. Der 73-Jährige leide sehr unter dem Verfahren und habe jüngst einen Schlaganfall erlitten. „Es tut ihm sehr leid.“

Richter Dirk Reckschmidt fand in seiner Urteilsbegründung dennoch starke Worte der Kritik: „Sie haben da Vertrauen massiv missbraucht“, warf er dem 73-Jährigen vor. „Sie haben altgediente Weggefährten getreten, die Ihnen vertraut haben.“ Hoffnung auf den Rücklauf eines Teils der Gelder können die Wohnungseigentümer nur aufgrund eines ergangenen Zivilurteils haben: „Den Rest Ihres Lebens werden Sie mit der Pfändung beschäftigt sein.“

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