Lutherkirche wird zum „Theatrum sacrum“

Karsten Wolfewicz begeisterte das Publikum in der Lutherkirche in Altena als Troubadour.

ALTENA - Im „Theatrum sacrum“, zu dem wurde die Lutherkirche, fand am späten Pfingstsonntag-Abend eine ganz besondere Vorstellung statt. Zur 4. „Nacht der offenen Kirchen“ hatte die Lutherkirche nämlich ihre Türen bis Mitternacht weit geöffnet. Und zu „WortLichtKlang – Kultur trifft Kirche“ wurden die rund 60 Besucher mit interessanten Programmpunkten überrascht.

Carsten Menzel, Presbyter der Gemeinde und mit Tobias Haarmann auch in diesem Jahr verantwortlich für die Lichtinstallation, begrüßte die Gäste und erläuterte den weiteren Ablauf des Abends. Zunächst wies Dr. Dietmar Kehlbreier auf den Zusammenhang zwischen Pilgern und Pfingsten hin. Der Pilger lasse sich aus dem Alltag herausrufen wie die Jünger am Pfingstfest, man solle Altes ablegen und bereit sein für neue Erfahrungen. Kehlbreier zitierte aus dem bekannten Buch von Hape Kerkeling über dessen Erfahrungen als Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostella. Kerkeling verglich Gott mit einem Film und die Kirche mit dem Kino. Zitat: Nicht immer seien die Rahmenbedingungen für einen Kassenschlager die Besten, im Dorfkino knarren die Sitze, die Leinwand hänge schief und die Lautsprecher knistern. Aber das ändere nichts an der Größe des Films.

Dann informierte Ulla Rinke die Besucher über die Entstehung der Lutherkirche und schickte sie auf Bildersuche. Details der Deckenmalereien oder der Skulpturen sollten gefunden und erklärt werden. Zentrale Symbole waren unter anderem die Lutherrose und das Bild der heiligen Katharina, der die Kirche in ihrer Gründungszeit geweiht war. Anschließend ging es hinüber ins Lutherhaus, dass als „Lounge“ geöffnet war und dort konnten die Gäste bei Getränken und kleinen Knabbereien eine kleine Pause einlegen.

Pfarrer Kehlbreier bat die Anwesenden danach hinaus zur „Premiere“: Die Besucher bestaunten die neue Außenbeleuchtung, die an diesem Abend erstmalig eingeschaltet wurde. Kehlbreier dankte in diesem Zusammenhang Lothar Dickel und den ausführenden Handwerkern für die geleistete Arbeit, aber auch den vielen Gemeindemitgliedern, die durch Spenden die Beleuchtung erst ermöglicht hätten.

Mit Karsten Wolfewicz begab sich das Publikum in der Kirche dann auf eine Wort-Klang-Reise, auch die Lichteffekte im Innenraum änderten sich nochmals. Ein selbst verfasster Text von Wolfewicz, wortgewaltig vorgetragen, beschrieb die Mühen der langen Pilgerreise von Köln bis nach Santiago und „über das heilige Grab hinweg bis ans Ende der Welt – Finisterre“.

In der romanischen Sprache der Troubadoure, auf „Longue d`oile“, verzauberte Wolfewicz das Publikum mit Psalter, Harfe, Gemshorn, Fidel und einer Zaompagna, dem Urahn des Dudelsacks. Er spielte Lieder von Walther von der Vogelweide und anderen Dichtern des Hochmittelalters. „Weite Wege muss man gehen im Leben“, antwortete der vielseitige Künstler einem begeisterten Besucher auf die Frage, wie er sich all das Wissen um die Geschichte angeeignet habe.

Nach der gemeinsamen Wanderung auf dem „Sternenweg“ standen Lutherhaus und Kirche weiter offen, um den Besuchern Gelegenheit zu geben, sich über Worte, Lichter und Klänge des Abends in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen.

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