Am Nettenscheid in Altena

Schandfleck im MK: Bald sollen neue Mieter in Hochhaus-Komplex ziehen 

Müllberge lagern vor dem Hochhaus-Komplex am Nettenscheid in Altena nach dem Entrümpeln.
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Müllberge lagern vor dem Hochhaus-Komplex am Nettenscheid in Altena nach dem Entrümpeln.

Es tut sich was am Nettenscheid in Altena: das erste Haus im Hochhaus-Komplex wird gerade entrümpelt. Schon bald sollen wieder Mieter einziehen, wo es jahrelang nur bergab ging.

Altena – „Das Haus Blackburner Straße 22 ist besenrein“, erklärt Ercan Topal, der sich im Hochhaus-Komplex auf dem Nettenscheid finanziell engagiert. Er hat dort bereits etliche Wohnungen gekauft und will weitere erwerben. Der Immobilien-Mann aus Ostfildern hat aufräumen lassen, das kann man sehen.

An drei Stellen in der Anlage lagern große Mengen Sperrmüll. „Da war ein Hausmeisterdienst zwei oder drei Wochen mit beschäftigt“, präzisiert Topal. Was jetzt noch zu sehen sei, „ist vielleicht die Hälfte“ dessen, was aus der Immobilie alles herausgeschafft worden sei. Möbelteile und ein großer Haufen blauer Säcke wirken derzeit nicht schön, zeugen aber davon, dass sich tatsächlich etwas getan hat am Schandfleck.

Wohnungen bis August 2021 fertig: „Haufen Arbeit“

Ercan Topal hat sich offenbar einiges vorgenommen und berichtet von einem ehrgeizigen Zeitplan. „Das Haus Nummer 22 möchten wir im August in Betrieb nehmen.“ August 2021 wohlgemerkt. Damit blieben dem Immobilienprofi noch etwa acht Monate, um aus der stark heruntergekommenen Immobilie ein bewohnbares Objekt zu machen. Topal: „Es ist klar, dass das ein Haufen Arbeit wird.“

Der Verwalter berichtet von Anfeindungen, insbesondere aus dem Umfeld von Haus Nummer 28. Dieses sei aus der „Rockerszene“ praktisch besetzt gewesen. Dieser Personenkreis habe auch einen hohen Schaden im Gebäude angerichtet. Ercan Topal stellt aber zugleich klar: „Ich werde mich nicht zurückziehen. Der Plan geht weiter.“

Alte Wohnungsbesitzer mit im Boot

Derzeit ist er nach eigenen Angaben beurkundeter Eigentümer von 64 Wohnungen in dem Komplex, „aber es werden 97“, sagt er mit Blick auf die nächste Zeit. „Die sind mit im Boot“, sagt der Verwalter mit Blick auf die 33 weiteren Eigentümer, mit denen er in Gesprächen stehe.

Der Hochhaus-Komplex auf dem Nettenscheid in Altena

Schandfleck Blackburner Straße
Schandfleck Blackburner Straße
Schandfleck Blackburner Straße
Schandfleck Blackburner Straße
Der Hochhaus-Komplex auf dem Nettenscheid in Altena

Der Eigentumsübergang gestalte sich teils hakelig, die Verhältnisse an der Blackburner Straße seien eben kompliziert. Ercan Topal nennt Beispiele: Einige der Eigentümer seien verstorben, andere schlicht „verschwunden“. Und es gebe auch Fälle von Ehepaaren, die sich einst gemeinsam eingekauft hatten, nun aber getrennt seien. Solche Umstände erhöhten natürlich den Schwierigkeitsgrad, berichtet der Immobilienprofi.

Eigentumswohnungen: Finzielle Falle für viele

„Aber“, ergänzt Topal, „viele sind froh, wenn sich die Angelegenheit für sie erledigt hat.“ Die Noch-Wohnungsbesitzer seien froh, wenn sie finanziell nicht mehr in der Pflicht stünden.

Die Eigentumswohnungen auf dem Nettenscheid waren für viele zu einer finanziellen Falle geworden. Es gab viele Insolvenzen. Die damaligen Besitzer, die Immobilienhändler Rösch und Jackels hatten unter anderem mit einer „Vermietungsgarantie“ geworben – ein Versprechen, das sie nicht einhalten konnten.

Anwohner beobachten Vorgehen mit Argusaugen

Manche Anwohner des Nettenscheids sehen das neue Geschehen im Hochhaus-Komplex mit Skepsis. Es könne sich hier ein sozialer Brennpunkt entwickeln, befürchten sie. Der Bereich an der Blackburner Straße befindet sich ohnehin seit Jahren in der Diskussion. Seit die Anlage zum größten Teil leer steht, gab es immer immer wieder Fälle von Vandalismus, weil Unbekannte in die Gebäude eingedrungen waren und Zerstörungen angerichtet hatten.

Das hielt auch das Ordnungsamt immer wieder auf Trab, denn es musste für eine Sicherung der Eingänge sorgen. Zuständig waren aber eigentlich die Eigentümer. Und davon gibt es viele.

Mieten ab 400 Euro

Ercan Topal schwebt vor, „eine ganz normale Wohnanlage“ zu schaffen. Die Wohnungen sollen „ganz normal vermietet“ werden. „Wir sind keine Geldmachmaschine“, betont der Mann aus Ostfildern mit Blick auf die Befürchtungen am Nettenscheid. . Es sei nicht so, dass er Wohnungen für einen Euro kaufe. „Wir übernehmen auch die Grundschulden“, sagt Topal. Die Mieten in der neu entstehenden Anlage würden günstig ausfallen. Ercan Topal nennt eine Summe von 400 Euro.

Die Stadtverwaltung möchte natürlich auch wissen, was dort geschieht. „Natürlich haben wir ein Auge darauf“, sagt Roland Balkenhol, Abteilungsleiter für Planen und Bauen. Was derzeit im Komplex geschehe, sei in Ordnung. Entrümpeln sei nicht genehmigungspflichtig, auch der Einbau neuer Fenster oder die Renovierung der Wohnungen bedürfe keiner gesonderten Erlaubnis.

Natürlich werde man sich aber Unterlagen und Berichte vorlegen lassen und diese prüfen, wenn es zum Beispiel um die gesperrte Parkpalette oder den im Gebäude vorhandenen Aufzug geht. „Es werden viele Berichte sein“, erwartet der Stadtplaner.

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