Loks aus Lego: Bastler im MK mit besonderem Hobby

Tobias Kirchner baut historische Loks aus Lego.
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Tobias Kirchner baut historische Loks aus Lego.

Tobias Kirchner ist ein großer Lego-Fan. Und ein Fan von Loks. Beide Hobbys verbindet er auf besondere Weise.

Altena – Eigentlich war dieses Hobby eingeschlafen, aber das Coronavirus und der Winter als dunkle, trübe Jahreszeit haben es wieder hervorgebracht. Tobias Kirchner ist 43 Jahre alt und baut Modelleisenbahnen. Historische. Aus Lego. Ohne Bauplan.

Schon im Grundschulalter habe Kirchner gerne mit Lego gebaut. „Als ich zehn Jahre alt war, habe ich gerne mit Modelleisenbahnen gespielt.“ Da vor rund 30 Jahren die Auswahl an Radgrößen aber kleiner war als heute, sei beim Modellbau einiges nicht möglich gewesen.

Neue Radgrößen entfachen das Feuer neu

„Dampfloks konnte ich deshalb nicht so detailgetreu bauen, wie ich es mir vorgestellt hatte“, sagt Kirchner, der aus beruflichen und familiären Gründen von München nach Altena zog. „Dann kam die Teenager-Zeit und andere Dinge waren auf einmal viel wichtiger.“ Das Hobby schlief ein.

Als Lego 2009 neue Radgrößen auf den Markt brachte, sei das Interesse aber schnell wieder da gewesen. Kirchner hatte inzwischen die Schule abgeschlossen, eine Lehre zum Autosattlermeister gemacht und geheiratet.

In den Herbstmonaten, so erzählt er, habe er damit angefangen wieder gelegentlich Lego zu bauen, um sich an trüben Tagen bei Laune zu halten. Und jetzt, im Corona-Jahr, in dem man sich möglichst alleine beschäftigen und nicht zu viele Kontakte haben soll, war natürlich mehr Zeit denn je für das besondere Hobby.

Lego bauen, drei Fragezeichen hören

„Ich mache es mir abends gemütlich, mache zum Beispiel eine Hörspielfolge der ,Drei Fragezeichen’ an, und dann baue ich an einer Lok“, beschreibt Kirchner. Die Detektivgeschichten mit Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews höre er bis heute gerne, denn sie erinnerten ihn an seine Kindheit. „Wenn ich so sitze und baue, ist die Welt in Ordnung. Corona interessiert mich in dieser Zeit nicht, da kann ich total abschalten.“

Beim Zusammensetzen der Lego-Steine geht Kirchner nicht nach Bauplan vor, denn einen Bauplan gibt es für die Modelle nicht. „Es ist ein bisschen so wie bei einem Puzzle. Man muss ein passendes Teil finden, hat allerdings keinen festen Teilesatz“, sagt er. Sein Vorgehen sieht daher so aus: Zuerst schaut sich der Altenaer im Internet nach einer Dampflok um, die ihm gefällt. „Ich suche mir ein Foto mit einer Seitenansicht heraus. Dann schaue ich, welche Räder von der Größe her ungefähr passen könnten“, erklärt der Hobby-Modellbauer.

Hier gibt es Fotos von den Lego-Loks

Altenaer baut historische Loks aus Lego

Tobias Kirchner aus Altena baut historische Loks aus Lego.
Tobias Kirchner aus Altena baut historische Loks aus Lego.
Tobias Kirchner aus Altena baut historische Loks aus Lego.
Tobias Kirchner aus Altena baut historische Loks aus Lego.
Altenaer baut historische Loks aus Lego

Auch beruflich ist Kirchner übrigens mit dem Bauen und Rekonstruieren beschäftigt, denn er arbeitet in Menden als Restaurator für Oldtimer. Dieser Job und die Beziehung zu seiner neuen Ehefrau aus Bochum, die er im Sommer unter Corona-Bedingungen heiratete, haben ihn nach seiner Scheidung nach Altena gezogen, erzählt er. „Nach Menden ist es nicht weit und die Strecke ist gut zu fahren.“

Bauen in alle Richtungen

Mit der Seitenansicht der Lok suche er schließlich einen Copy-Shop auf und skaliere die Darstellung so, dass sie mit den Lego-Rädern übereinander passt. Andere Maße wie Höhe, Breite und Tiefe, könne man dann anhand der Radgröße und Schienenbreite herleiten.

Die spannende Arbeit geht aber danach erst richtig los. Denn die Legosteine, die Kirchner noch aus Kindheitstagen besitzt, wurden nie speziell für derartige Bauprojekte zusammengestellt. Deshalb muss er kreativ sein. „Ich baue in alle Richtungen: Nicht nur von unten nach oben, sondern auch von oben nach unten oder von links nach rechts.“ Gebaut wird immer mit dem großen Ziel: „Am Ende soll man keine Lego-Noppen mehr sehen“, sagt Kirchner.

Hand wird zum Türgriff

Gerade bei Rundungen wie dem Kessel der Dampflok ist das eine Herausforderung. „Hin und wieder muss man auch in die Trickkiste greifen oder einen Kompromiss eingehen, sonst wird es anstrengend und es soll ja ein Hobby bleiben.“ Häufig komme es vor, dass Teile zweckentfremdet werden.

„Dann wird die Hand eines Legomännchens zum Beispiel zu einem Türgriff.“ Hauptsache, die Lok sieht am Ende so realitätsnah wie möglich aus. Und: Sie kann auch fahren, denn auf den Legoschienen können die Modelleisenbahnen elektrisch bewegt werden.

Bis eine Dampflok fertig ist, benötigt Kirchner etwa zwei Wochen reine Bauzeit, schätzt er. „Die Modelle bestehen am Ende aus 1200 bis 1800 Teilen“, sagt Kirchner. In der Regel baue er zusätzlich aber noch eine Umgebung für die Lok, um sie schön in Szene zu setzen, zum Beispiel in einer verschneiten Winterlandschaft.

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