Alle Kinder willkommen

Lockerungen für Kitas: Die Reaktionen in Altena und Nachrodt 

In Altenas Kitas wird hervorragende Arbeit geleistet.
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Zurück in der Kita: Ab Montag (22. februarr) dürfen alle Kinder wieder kommen.

Die Freude ist groß in den Kitas: Die Erzieher in Altena und Nachrodt freuen sich, dass wieder alle Kinder ab Montag (22. Februar) kommen können. Sie wissen aber auch um das Risiko und haben einen großen Wunsch.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – „Für mich und meine Frau ist es sehr wichtig, dass wir unsere Tochter, wenn auch seit einiger Zeit mit zehn Stunden weniger als eigentlich gebucht, in die Kita bringen können“, sagt der Altenaer Daniel Behrendt. Der 40-Jährige ist wie seine Frau voll berufstätig, die fünfjährige Tochter besucht die Kindertagesstätte St. Katharina, der eineinhalbjährige Sohn wird von einer Tagesmutter betreut.

Auch in den vergangenen Wochen hatte Familie Behrendt die Tochter weiterhin in die Kindertagesstätte gebracht, weil Homeoffice und Kinderbetreuung sich schlichtweg nicht Tag für Tag vereinbaren ließen. „Das geht einfach nicht“, sagt der Steuerfachwirt. Für die Tochter wurde ein wöchentlicher Betreuungsumfang von 45 Stunden gebucht, der um zehn auf 35 Stunden reduziert ist. „Das funktioniert bei uns so gerade eben“, betont Daniel Behrendt. L

Awo-Kita in Nachrodt: Planung mit 60 Kindern

„Ich bin gespannt und wir freuen uns alle sehr auf die Kinder“, sagt Katrin Bormann, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte in Nachrodt. Es gibt sogar ein kleines Karnevalsfest zum Re-Start. Mit Kostümen und Helau, aber unter Coronabedingungen in den einzelnen Gruppen. „Das geht“, ist Katrin Bormann sicher.

Ab Montag dürfen wieder alle 71 Mädchen und Jungen in die Kita kommen. Ob wirklich alle kommen werden? „Ich schätze etwa 60. Aber bis Freitag bekommen wir eine Rückmeldung von den Eltern“, so die Leiterin. Sie weiß, dass Eltern alles möglich machen, um Kinder auch weiterhin wie empfohlen zu Hause zu betreuen. Aber für viele sei die Öffnung auch eine große Erleichterung. Die 14 Vorschulkinder werden nun eine eigene Gruppe bilden, „sodass wir Projekte mit ihnen machen können“.

Kontakt halten per Video, Telefon und Whatsapp

Der Neubeginn mit bewährten Hygiene- und Verhaltenskonzepten aus dem vergangenen Jahr ist seit Wochen vorbereitet. Direkt nach Bekanntwerden der Lockerungen gab es Post für alle Eltern. Vorerst bleibt das Betreuungs-Angebot pauschal um zehn Wochenstunden gekürzt, die Kinder bleiben zudem in festen Gruppen. Für einige Kinder dürfte das Wiedersehen auch erst einmal etwas befremdlich sein. So lange haben sie ihre Freunde und Erzieher nicht mehr sehen können.

Um den Kontakt zu halten, gab es Telefon- und Videokonferenzen mit den Kindern zu Hause und alle zwei Wochen Post mit Basteltipps und anderen schönen Dingen, die man zu Hause machen kann. Zwischen 25 und 32 Kinder kamen in die Notbetreuung. „Das war ein guter Schnitt“, sagt Katrin Bormann, die mit den Eltern auch oft telefonierte. Jetzt also ab Montag ein bisschen Normalität.

Corona-Tests: Organisatorisch fordernd

Die engmaschigen Corona-Tests für Erzieher, geplant zwei Mal wöchentlich, findet die Kita-Leiterin begrüßenswert, empfindet es als persönliche Sicherheit für die 17 Erzieherinnen, Erzieher und Azubis und schickt ein Aber hinterher: „Wir haben ja feste Stammgruppen. Wenn dann immer Erzieher zum Test fahren müssen, ist das organisatorisch nicht so leicht umzusetzen. Einmal wöchentlich wäre sicher auch okay.“

Und die Impfung? „Es ist wünschenswert, wenn wir in der Impfreihenfolge etwas nach vorne rutschen, aber ich sehe das für mich eher gelassen“, so Katrin Bormann. An den Diskussionen rund um den Impfstoff Astrazeneca möchte sie sich nicht beteiligen. „Ich vertraue darauf, was man uns gibt und bin froh darum.“

Mehr Kontakte, höheres Risiko

Neben der großen Freude über die Kita-Öffnung schwingt ein wenig Besorgnis in ihrer Stimme mit. Denn für jeden Haushalt werden sich nun auch wieder mehr Kontakte ergeben. Katrin Bormann spricht aus eigener Erfahrung. „Meine drei Kinder gehen teilweise wieder zur Schule, zwei verschiedene Klassen. Das macht 30 Kontakte, die wir vorher nicht hatten.“ Und so sei bei aller Begeisterung besondere Vorsicht und Weitsicht angesagt.

Inge Harneid, die für die evangelischen Kindergärten Knerling und Drescheider Berg sowie für die Waldgruppe in Altena zuständig ist, war vom Vorstoß Joachim Stamps am Dienstag nicht überrascht, im Gegenteil. „Ich hatte damit gerechnet, dass eine Lockerung kommt“, betont Harneid. Dass auf Forderungen aus dem offenen Brief von 49 Einrichtungen der Evangelischen Kirchenkreise Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg an Minister Joachim Stamp, in dem Erzieherinnen aus Kindertagesstätten auf ihre Situation unter Lockdown-Bedingungen aufmerksam gemacht hatten, nun zum Teil eingegangen worden sei, freute Inge Harneid sehr.

Berufsgruppe, „die ungeschützt arbeitet“

„Ich bin sehr froh darüber, dass wir jetzt zwei Schnelltests pro Woche bekommen“, sagt die Kita-Leiterin, die sich nun noch eine Höherstufung von Erzieherinnen bei den Impfungen wünschen würde. Denn: „Wir sind eine Berufsgruppe, die mit am ungeschütztesten arbeitet.“ Die Nähe zum Kind, das keine Maske trägt, sei ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit, Abstand halten zu den Mädchen und Jungen gehe schlichtweg nicht. Und einige Kita-Beschäftigte zählen, das sollte keineswegs vergessen werden, selbst zur Risikogruppe.

Dass ab Montag wieder alle Kinder in die Kita kommen können, freut Inge Harneid und ihre Kolleginnen sehr. „Für die Familien ist es eine große Entlastung, für die Kinder und deren Sozialverhalten ist es wichtig, wieder in die Kita zu kommen. Und auch wir freuen uns, die Kinder wiederzusehen“, so Harneid. Zwar sei der Kindergärten Knerling in den vergangenen Wochen richtig gut frequentiert gewesen, „aber einige Kinder haben wir schon wirklich sehr lange nicht mehr gesehen.“

Katholische Kitas: Höherstufung bei Impfungen wird begrüßt

Beim Kita-Zweckverband des Bistums Essen, der in Altena die Einrichtungen St. Katharina und St. Matthäus sowie in Nachrodt die Kita St. Elisabeth betreibt, werden die zwei Schelltests pro Woche für Kita-Beschäftige ebenfalls überaus begrüßt. „Wir sind für alles, das Schutz und Sicherheit für die Kollegen vor Ort erhöht, sehr dankbar. Diese Kollegen sind täglich dem Infektionsgeschehen ausgesetzt“, sagt Iris Diedenhofen vom Kita-Zweckverband.

Die Gebietsleiterin für den Märkischen Kreis würde es daher – nicht zuletzt auch wegen der Verbreitung der Coronavirus-Mutanten – sehr begrüßen, wenn es tatsächlich bei den Impfungen eine Höherstufung für Erzieherinnen und Erzieher, die das System in der Vergangenheit mit dem Notbetrieb mit aufrecht erhalten hätten, geben würde.

Feste Gruppen: Einhaltung schwierig

Die Rückkehr zum eingeschränkten Regelbetrieb ab Montag kommt für Iris Diedenhofen keineswegs überraschend. „Das war zu erwarten, der Druck von den Eltern wurde zuletzt größer.“ Man habe beim Kita-Zweckverband in den vergangenen Tagen festgestellt, dass Eltern ihre Schützlinge wieder „vermehrt“ in die Kita gebracht hätten.

Je nach Gegebenheit der Räumlichkeiten sei es teilweise aber eine Herausforderung, dass sich die festen Gruppen nicht doch über den Weg laufen. Beispielsweise an der Garderobe. Mit viel Einsatz und Kreativität aber werde alles dafür getan, um die Vorgaben einzuhalten. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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