Prozess geht in die Verlängerung

Litauer und Russen sollen Jungunternehmer erpresst haben: Jetzt ist das BKA gefragt

Schwere Vorwürfe erhebt die Anklage gegen einen 45-jährigen Iserlohner.

Altena – Der Prozess gegen einen 45-jährigen Iserlohner, dem die Staatsanwaltschaft einen erpresserischen Menschenraub in Altena vorwirft, geht in die Verlängerung. Denn der Angeklagte behauptet, andere hätten sich Kleidung von ihm ausgeliehen und dadurch belastendes Erbmaterial in der Wohnung des Opfers hinterlassen.

Verteidiger Andreas Trode stellte mehrere Beweisanträge auf der Grundlage verschiedener Namen, die der Angeklagte als mutmaßliche Alternativtäter genannt hatte.

Nach dessen Angaben hatten die angeblichen Täter sich nämlich unter einem Vorwand Kleidung von ihm ausgeliehen und dadurch belastendes Erbmaterial in der Wohnung des Tatopfers hinterlassen. 

Das Opfer, ein 21-jähriger Jungunternehmer, war bis zu vier Stunden lang von zwei Tätern erpresst und unter anderem mit dem Abschneiden eines Fingers bedroht worden, wenn er den Standort eines angeblich vorhandenen Tresors nicht preisgebe und die verlangten 200.000 Euro nicht zahle.

Spuren führen weit nach Osten

Die vom Angeklagten genannten Namen und Spuren führen weit nach Osten und zu drei Personen: einem um 1971 geborenen Litauer und zwei Russen, von denen einer zusammen mit dem Litauer in der Wohnung gewesen sein soll. Angeblich sind sie zwischen 45 und 55 Jahre alt. 

Das Tatopfer hatte vor Gericht auch berichtet, dass einer der beiden Männer mehrfach mit einem weiteren Mittäter telefoniert haben soll. Das könnte erklären, dass entsprechend drei Namen genannt wurden. Das Bundeskriminalamt soll nun seine internationalen Verbindungen spielen lassen, um von den litauischen und russischen Strafverfolgungsbehörden Informationen über die genannten Personen und mögliche Einreisedaten nach Deutschland zu bekommen. 

Täterbeschreibung passt laut Verteidiger zu genannter Person

Das Tatopfer hatte recht genaue Angaben zu einem bisher unbekannten Täter gemacht, die nach Auffassung des Verteidigers gut zu der Beschreibung einer der genannten Personen passen. Bei seiner Vernehmung war sich das Opfer sicher, dass es sich bei dem Angeklagten um jenen Mann handelte, der ihn in der Tatnacht vom 10. auf den 11. Dezember 2016 stundenlang mit einer Pistole in Schach gehalten hatte. 

Bei seiner ersten Vernehmung bei der Polizei nannte er eine Warze als ein Kennzeichen des Täters. Der Angeklagte hat aber keine Warze im Gesicht. Tatsächlich wollte der Zeuge vor Gericht von einer Warze nichts mehr wissen. Es sei dunkel gewesen. Er habe sich wohl geirrt, was die Wahrnehmung eines solchen Merkmals angeht. 

Indizien und Ungereimtheiten in Bezug auf mögliche Täterschaft

Verteidiger Andreas Trode unterstellte dem Zeugen, daraufhin, dass dieser nach der Lektüre der Anklageschrift seine Aussage verändert habe. So gibt es weiterhin starke Indizien für die Täterschaft des Angeklagten, aber auch einige Ungereimtheiten, die die 1. große Strafkammer veranlassten, den offenen Fragen nachzugehen.

Da die weiteren Ermittlungen wohl einige Zeit in Anspruch nehmen werden, ist mit einem Urteil frühestens Ende Mai zu rechnen. Zuvor werden die Prozessbeteiligten einige nur karg mit Programm gefüllte Sprungtermine einlegen müssen, damit der Prozess nicht platzt. Ein Strafprozess darf nämlich maximal für drei Wochen unterbrochen werden.

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