Die Lindenstraße ist nicht mehr das, was sie mal war

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In der Lindenstraße in Altena hat sich vieles zum Nachteil verändert. ▪

ALTENA ▪ Die „Lindenstraße“, die erste Seifenoper des deutschen Fernsehens, feiert heute ihren 25. Geburtstag. Nach wie vor zieht sie jeden Sonntag ein großes Publikum in ihren Bann. Ob bei den Beimers, beim Bäcker, beim Griechen, beim Arzt oder beim Friseur – in der „Lindenstraße“ pulsiert das Leben.

Das sieht in der Lindenstraße in Altena so ganz anders aus: „Die Lindenstraße ist tot.“ Dr. Klaus Holthaus lebt seit seinem sechsten Lebensjahr an der Lindenstraße. Seine Eltern kauften damals das Haus mit der Nummer 47. Er habe dort eine schöne Kindheit erlebt, erzählt der heute 73-Jährige. Mit zehn Jungen aus der Nachbarschaft spielte er entweder hinterm Haus auf dem Obstplatz oder im Garten der Familie Winter nebenan. Doch von den vielen Geschäften, wo es Gemüse, Fleisch, Wurst, andere Lebensmittel, Schuhe, Drogerieartikel und sogar Schreibmaschinen gab, ist nichts übrig geblieben. Zudem ist die Lindenstraße durch den Bau von Pott-Jost-Brücke und Lenneuferstraße von einer Nebenstraße zu einer Hauptverkehrsader geworden. Trotzdem wohnen der Mediziner und seine Frau Birgit gerne dort. Sie haben sich ein hübsches Kleinod geschaffen und: „Wir haben Lärmschutzfenster“, sagt Dr. Holthaus und lacht.

Dennoch, das Ehepaar war sehr traurig, als 1984 die Häuser abgerissen und die Linden gefällt wurden. „Damals wurde versprochen, es würden mehr Linden als zuvor gepflanzt. Naja, da warten wir heute noch drauf“, bedauert der 73-Jährige.

Traurig war auch Klaus Knipping, Hauptmann der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, als sein Elternhaus dem Abrissbagger zum Opfer fiel. „Ich kann mir noch genau vorstellen, wie es damals ausgesehen hat. Tja, und jetzt sitzt Pott Jost im Schlafzimmer meiner Eltern“, verdeutlicht der 63-Jährige, denn das Knippingsche Reidemeisterhaus stand dort, wo heute die Bronzestatue ihren Platz hat. Sein Vater, Lebrecht Knipping, wehrte sich zwar gegen den Abriss, merkte aber schnell, dass es keinen Sinn hatte und fügte sich der Obrigkeit. Lebrecht Knipping kaufte das Haus an der Freiheitstraße 32. Als Erinnerung an die Lindenstraße nahm er damals ein Rundbogenfenster, die Haustür und das Außentreppengeländer mit und verbaute es im neuen Haus.

Im Altbau an der Lindenstraße 1 wohnt seit mehr als 50 Jahren Waltraud Kemper. „Hier hat sich sehr viel verändert“, berichtet die 73-Jährige. „Es ist doch nichts mehr“, sagt sie und meint: „Keine Geschäfte und links und rechts nur Bauzäune.“ Neben ihrem Haus wurden marode Häuser abgebrochen. Seitdem hat sich nichts mehr getan. Doch Waltraud Kemper, deren Söhne aus dem Haus sind und deren Mann vor elf Jahren gestorben ist, bleibt. Sie ist Miteigentümerin des Hauses und: „Die Bushaltestelle ist gleich da vorne. Ich bin schnell in der Kirche und in der Stadt.“ ▪ Ilka Kremer

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