Schlimmer Wohnen mit Amir Shaheen

Amir Shaheen schildert die Tücken des Zusammenziehens.

ALTENA - Zusammenziehen ist schön. Der hoffnungsvolle Start in eine gemeinsame Zukunft - er wird jäh gebremst von den Tücken, die Amir Shaheen in seinem neuen Buch „Noch zweimal einpacken bis Südterrasse” schildert.

So brutal wie ein Baumarktbesuch, so launig sind die Episoden über ein besonderes Umzugserlebnis geschrieben. Bei seiner Lesung in der Stadtbücherei konnten am Freitag 40 Gäste nicht genug bekommen.

„Eine Geschichte noch bitte”, quengelte Büchereileiter Antonius Gusik immer wieder, nachdem Amir Shaheen seine eingeplante Lesezeit schon längst überschritten hatte. Es war nicht der Heimvorteil des ehemaligen Altenaers, der beim Zuhörer den Wunsch nach einer Zugabe weckte, sondern vor allem der geschickte Erzählstil und die humorvolle Vortragsweise des Autors, die einfach Lust auf mehr machten.

„Noch zweimal einpacken bis Südterrasse“ schildert die Umzugsodyssee einer Redaktionsleiterin und eines Verlagsleiters, die das Paarsein in getrennten Wohnungen satt haben. Ein geschickt verfasstes Inserat mit der Überschrift „Bücher machen weder Dreck noch Krach”, soll potenziellen Vermietern signalisieren: Anständige Leute mit akademischem Hintergrund und ohne nervigen Anhang suchen ansprechenden Wohnraum mit Balkon und Keller. Eigentlich sollten Vermieter sich doch um solche Kunden reißen. Angeboten werden allerdings nur grenzwertige Objekte wie das „Schmuckstück mit Oberlicht“. Die Kündigungsfristen für die alten Wohnungen laufen ab und das große Aussortieren beginnt.

Was Amir Shaheen im Folgenden beschreibt, das ist jedem, der schon mal Umziehen musste, bestens bekannt: Die schöne Altpapiersammlung muss weg, die Plattensammlung gehört entrümpelt und die Zeit der Trennung vom Lieblings-Schlafzimmerschrank naht. Da blutet nicht nur dem Protagonisten das Herz. Es verkrampft sich auch beim Leser, wenn er die Hilflosigkeit im Baumarkt vor Augen geführt bekommt oder die schlimmen Episoden mit Handwerkern, die an der Gastherme schrauben.

Amir Shaheen hat es selbst in diesem Jahr noch mal gewagt und ist umgezogen. Wie viel biografische Erfahrungen er in sein Buch hat einfließen lassen, ließ er am Freitagabend offen. In seinem Kopf, so viel gab er preis, sei jedoch noch genug Stoff für eine Fortsetzung.

Gespickt wurde der Abend durch thematisch passende Kolumnen aus Shaheens Band „Schließlichter”, wo er sich unter anderem einst dem Thema Renovierung gewidmet hatte. Zum Schluss, weil’s so schön war, legte der Autor noch ein klein wenig Lyrik oben drauf. Mit der hat er sich bundesweit einen so großen Namen gemacht, dass auch der berühmteste deutsche Lyrikband, Der Große Conrady, Shaheens Werk aufgenommen hat.

Diese große Sammlung von Gereimtem und Ungereimtem hatte Gerlinde Fuhrmann als Gastgeberin der Lesung und Inhaberin der Buchhandlung Katerlöh nicht mit auf ihrem Büchertisch ausgestellt. Dafür jedoch Amir Shaheens aktuellste Bände, die der Autor nach dem Kauf gern mit einer Widmung versah. - iho

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