Lesung auf der Burg: "Münte" macht Lust aufs Altern

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Franz Müntefering sprach mit 120 Gästen auf der Burg Altena.

Altena – "Ich fühle mich nicht alt, ich bin alt": Franz Müntefering (80) findet das gar nicht schlimm. Er machte mit seinem Buch  auf der Burg Mut fürs Älterwerden.

Auf Burg Altena war Franz Müntefering, ehemaliger Vizekanzler und in Sundern (Sauerland) geboren, „zuletzt in den 1960er Jahren“. Nun war er wieder da. 

Der 80-Jährige warb im Rahmen einer Autorenlesung aus seinem 2019 erschienenen Buch „Unterwegs – Älterwerden in dieser Zeit“ für ein erfülltes Seniorenleben. Dabei zog er mit einer spannenden Lesung, mehr aber noch dem Vortragen von zahlreichen Anekdoten aus seinem Leben, die mehr als 120 Gäste in seinen Bann.

"Ich weiß doch, dass ich 1940 geboren bin"

„Wie alt sind Sie, Herr Müntefering?“ Diese Frage werde ihm immer wieder gestellt, witzelte er. Und wenn er dann ehrlichen Herzens antworte, komme immer und immer wieder die Nachfrage: „Und wie alt fühlen Sie sich wirklich?“ Müntefering: „Ich weiß doch, das ich 1940 geboren bin. Ich fühle mich nicht alt. Ich bin alt.“ 

Erste Lacher im Publikum bestärkten ihn in seiner Einschätzung, sein Alter nicht wegzudiskutieren, sondern offen dazu zu stehen. Und so ermutigte er auch spontan einige Zuhörer in teils persönlicher Ansprache – die meisten waren in der Lebensmitte oder älter – sich wie er mit dem Älterwerden und seinen Herausforderungen zu befassen und sie als Chance zu erkennen. 

Der Schatz der Älteren

Müntefering präsentierte als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (zwölf Millionen Mitglieder) dazu Zahlen und Fakten. Kernaussage: Bereits heute sind in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen älter als 80 Jahre, Tendenz steigend. „Der Schatz der Älteren ist die freie Zeit. Daraus müssen wir etwas machen.“ 

Sein Rat: Gutes tun, sich engagieren in Politik und im Ehrenamt. Aber auch für sich selber solle man sorgen, etwas für den eigenen Körper tun, sich fit halten, soziale Kontakte knüpfen, Pläne schmieden und ständig für geistige Beschäftigung sorgen. Das seien, so räumte er ein, möglicherweise Binsenweisheiten. 

Aber der Gast aus Herne, der noch mit dem Zug zurück nach Hause fuhr, untermauerte diese Selbstverständlichkeiten mit Anekdoten aus seinem Privat- und Politiker-Leben. 

Drei L gegen das Altern

Und so plauderte er über seine Erziehung, das Fehlen von Büchern zu Hause, den Umgang im katholischen Sauerland mit den „Evangelischen“, der SPD, eine fehlende, kritische Betrachtung der NS-Diktatur mit dem fast vollständigen Ausbleiben einer Aufarbeitung und Einordnung. 

Er sprach aber auch über Sturzprophylaxe und Demenzdiagnosen. „Wir haben im Jahr mehr als 3000 Verkehrstote zu beklagen, leider. Aber im Haushalt sterben weit über 9000 Menschen pro Jahr. Sie fallen über Teppiche, rutschen in der Wanne aus oder stürzen vom Stuhl.“ 

Dagegen stellte er ein dreimaliges L: Lernen, Lehren und Lachen. Auch unsere Gesellschaft müsse erkennen, dass es für Frauen wie Männer im Rentenalter noch genügend Aufgaben gebe. 

Emotionale Momente

Emotional wurde die Lesung, als er das vom Bundesverfassungsgericht gesprochene Urteil zur Sterbehilfe kritisch hinterfragte. „Wir sollten nicht alle Türen öffnen.“ 

Ein Gast ergriff spontan das Wort und erzählte mit tränenerstickter Stimme die Geschichte eines Angehörigen, der sich auch im Saal befand. „Herr Müntefering, für Ihr so klares Eintreten in dieser Sache danke ich sehr.“ 

Müntes Antwort fiel mitfühlend und anrührend aus – vielleicht auch deshalb gab es im Anschluss an die Lesung neben einer Signierstunde noch persönliche Begegnungen und Gespräche. Müntes Versprechen: „Wir sehen uns in Altena wieder – - in zehn Jahren, wenn ich 90 geworden bin."

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