Ein Projekt nimmt Formen an:

Lennestein erstrahlt in neuer Schönheit

+
Murat (l.) und Mehmet Karakus haben den historischen Schriftzug am Eingang modern inszeniert.

Altena - Mehmet Karakus erinnert sich gut an eine Begegnung mit einem älteren Herren auf dem Parkplatz des Hauses Lennestein. Der Mann sagte: „Ihr wisst nicht, was Ihr Euch da angetan habt.“ Tatsächlich barg das Haus einige Überraschungen, als die Brüder Mehmet und Murat es durchstreiften, um die Entrümpelung zu planen. Aber bereut haben sie den Kauf keine Minute lang.

Murat Karakus sind unter den aufgetauchten Skurrilitäten vor allem die alten Böhrer-Prospekte in Erinnerung geblieben. „Das Kaufhaus gibt es doch schon ewig nicht mehr, aber hier waren die Angebote noch lebendig...“ 

Auch eine Wohngarnitur von Familie Kiesewalter befand sich noch unter den Sperrmüllresten. Und auch manche Unappetitlichkeit, denn die letzten Pächter vor dem Verkauf des Hauses hatten es in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen. „Unser erster Gedanke war erst mal aufzuräumen, uns einen Überblick verschaffen. Unmengen von Containern haben wir abtransportieren lassen. Die unten freigewordene Stellfläche haben wir genutzt, um uns auf die Renovierung des Saals zu konzentrieren“, schildern die neuen Besitzer. 

„Den wollten wir flott fertig kriegen, denn mithilfe der Einnahmen, die durch Saal-Feiern reinkommen würden, wollten wir die weitere Sanierung vorantreiben.“ Das hat funktioniert und Murat und Mehmet Karakus sind froh und dankbar, dass ihnen Altenaer Firmen und Privatpersonen von vornherein die Treue zugesagt und gehalten haben.

Die Gebrüder Karakus am Zapfhahn bei der Apres Ski Party.

Beliefert wurden die Festgesellschaften von der Küche des Festsaals Hohe Steinert aus, den Familie Karakus schon eine Weile länger betreibt als den Lennestein. Die oben eingerichtete Gastroküche, eine mobile Bar und transportable Heizmöglichkeiten sorgten dafür, dass es lief. Im Erdgeschoss setzten derweil die Handwerker ein und auch die Außenfassade nahm zunehmend Gestalt an. Mit Tischlerei Harte und Denkmalpfleger Jürgen Wagner wurden mehrere Entwürfe für die Gestaltung der historischen Eingangstür gesichtet. „Probleme hat es keine gegeben, obwohl uns die viele prophezeit hatten.

Von matschig-beige zu rot

Und so wechselte der Lennestein von matschig-beige zu rot. Und auch der historische Schriftzug ist als Leuchtelement erhalten geblieben. Nur eben in modern.“ Rustikalen Charme und moderne Akzente zu vereinen war ein Spagat, den die neuen Inhaber öfters schlagen mussten. „Da haben wir uns ordentlich den Kopf zermartert. Aber dann haben wir in die Geschichte zurückgeblickt und uns an Lennestein-Gründervater Gustav Selve orientiert.“ Der blickt aus einem riesigen schwarzen Rahmen auf die Gäste herab und ihm ist ein besonderer Platz auf dem Zeitstrahl gewidmet. Mit historischen Fotos und Kurzinfos wird die Geschichte des Lennesteins erzählt, der in den Kriegsjahren auch als Lazarett herhalten musste. „Gustav Selve ist uns Vorbild. Er wollte mit dem Bau des Lennesteins etwas für die Altenaer tun.

Ein Zeitstrahl zeigt den Werdegang des Hauses.

Das wollten wir als Altenaer Kinder auch.“ Also haben sie gesucht: Eine Gastro-Einrichtung, die sowohl eine jüngere, als auch eine ältere Generation anspricht und auch viel von Altena widerspiegelt. Als Lampen wählten die Brüder schicke Drahtkugeln, entschieden sich für braune Waschledersofas, setzten Akzente mit Metall und Industriemotiven. Ein gläsernes Ornament über der Theke hat Peter-Wilm Schmidt gestiftet. Die beiden Gastronomen haben es mit Licht versehen. Das alte Gemälde, das eine Fabrikhallenszene von VDM zeigt, hat einen Ehrenplatz erhalten. So dürften sich junge Leute, die einen trendigen Cocktail trinken möchten, ebenso wohlfühlen, wie ältere Gäste, die nachmittags an der Kaffeetafel Platz nehmen.

Das Glaskunstwerk ist ein Geschenk von Peter-Wilm Schmidt.

Auch die Gaststättenküche soll für jeden Geschmack etwas bieten. Noch gibt es keinen Eröffnungstermin. Der Küche fehlt noch der letzte Schliff und es fehlt noch an Küchen- und Servicepersonal. „Das suchen wir mit Bedacht aus, weil wir ein Team haben wollen. Denn unser Bestreben ist, eine Traditionsgaststätte zu werden, wo der Gast nicht nur am Essen und am Ambiente, sondern auch an den Menschen hängt, die ihn versorgen. Nach Möglichkeit wird der Lennestein ein Generationenprojekt. Murat Karakus wird im Sommer erstmals Vater. „Vielleicht hat der Junior ja mal Lust...“

Umwege zum Gastronom

Die Gebrüder Karakus haben sie. Beide sind erst einen beruflichen Umweg über ein Wirtschaftsingenieursstudium, beziehungsweise eine Industriemechanikerausbildung gegangen, bevor sie sich gänzlich der Gastronomie und der Selbstständigkeit verschrieben. „Es war unser Traum. Und wir haben ihn verwirklicht.“ Vollendet ist er, wenn eines Tages auch das Parkett im Saal erneuert und der Vorplatz gepflastert ist. „Ein Zehn-Jahres-Plan“, mutmaßen die Karakus’ lachend. Glücklich sind sie über den bisher erfolgten Zuspruch. Auch der ältere Herr vom Parkplatz hat den Brüdern mittlerweile anerkennend auf die Schulter geklopft. „Das hat echt gutgetan!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare