Der Lennepegel sinkt - Uferstraße wieder frei

Straßenmeister Detlef Kalupka (r.) mit einem Kollegen vom Baubetriebshof. Von Hand wird das Geländer gereinigt.

ALTENA ▪ Mit Schwamm und Bürste ging Günter Hanisch zu Werke. „Ich habe von Samstag auf Sonntag nicht geschlafen. Man weiß ja nie, wie schnell das Wasser kommt“, sagt der Rentner, der an der Linscheidstraße 22 wohnt. Dass er nur vergleichsweise wenig zu tun bekam, „ist gut so, wir sind mit dem Schrecken davon gekommen“, urteilt er. „Bei uns stand das Wasser nur etwa 25 Zentimeter hoch im Hof.“ Von Johannes Bonnekoh

Schwamm und Bürste werden einer 46-Jährigen nicht viel helfen. Sie fuhr trotz deutlicher Hinweisschilder, Absperrgitter und Warnleuchten in der Sonntagnacht gegen 1.35 Uhr bewusst mit ihrem Geländefahrzeug auf die überspülte Lenneuferpromenade. Vor den Augen der verdutzten Rettungskräfte von Polizei, Wehr und Ordnungsamt kam sie aber nur etwa 500 Meter weit. Dann ging nichts mehr. Der Motor ging aus und Pkw und Fahrerin mussten von der Wehr wegen des hohen Wasserstandes und der starken Strömung geborgen werden. Eine teure Angelegenheit, denn Auto kaputt, Bergungskosten von knapp 200 Euro und ein saftiges Bußgeld warten auf die Dortmunderin, die das Abenteuer suchte, „weil sie entsprechend gewettet“ hatte.

Ebenfalls uneinsichtig zeigte sich ein 61-jähriger Pkw-Fahrer. Auch er fuhr Samstag auf Sonntag gegen 23.56 Uhr über die Linscheidstraße in Richtung Markaner, missachtete die Absperrungen und blieb im Hochwasser liegen. Diagnose: Motorschaden.

Bereits Freitagabend hatten drei alkoholisierte Jugendliche gegen 21.37 die Absperrungen am Zögerplatz beiseite geräumt. Sie wateten fröhlich durch die Fluten – auch sie erwarten jetzt Bußgeldverfahren.

Nach dem fast regenlosen Sonntag normalisiert sich das Hochwasser der Lenne aktuell, es geht zurück. Die Hände im Spiel hat dabei der Ruhrverband. Er hält durch eine gezielte Wasserabgabe aus dem gut gefüllten Bigge-Stausee den Lennepegel aber noch einige Zeit höher, als er jetzt normalerweise wäre.

Seit Montag 17 Uhr ist die Lenneuferpromenade wieder für den Verkehr freigegeben. Mit Hochdruck hatte ein Team des Baubetriebshofes die Straße gesäubert. Und sich dabei auch als Angler betätigt. Denn in diversen Pfützen schwammen Fische, die entweder per Hand gefangen und zurück in die Lenne geworfen wurden, oder durch die Gullis in ihr Element zurück kamen.

Das die Säuberung länger dauerte als in der Vergangenheit, führte Rainer Hoffmann vom Ordnungsamt auf bauliche Veränderungen an der neuen Promenade zurück. Auch die hölzernen Schutzschotten wurden noch abgebaut. Sie waren laut Auskunft von Straßenmeister Detlef Kalpuka erst einmal bewusst stehen geblieben, „weil wir bei der Straßenreinigung keine Neugierigen gebrauchen konnten.“

Rainer Hoffmann dankte Wehr und Polizei für die „ganz hervorragende Zusammenarbeit.“ Allein die Feuerwehr, so Udo Winter, hatte über 800 Sandsäcke und hunderte so genannter Big Packs ans Lenneufer gebracht.

Nach Ansicht von Sebastian Jülich, Ordnungsamt, hat die neue Lenneuferpromenade die Überflutung schadensfrei überstanden. „Nur drei erst kürzlich gepflanzte Bäume und Straßenbegleitgrün wurden ausgeschwemmt.“ Es gab offensichtlich aber doch einige Absenkungen von Platten direkt am Geländer.

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