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Briefmarkenfreunde verraten: Das macht das Sammeln interessant

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Von: Michael Koll

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Vereinsvorsitzender Norbert Witte mit einem Sonderstempel des Altenaer Kreisblattes.
Vereinsvorsitzender Norbert Witte mit einem Sonderstempel des Altenaer Kreisblattes. © Koll, Michael

Die Briefmarkenfreunde Altena sind ein kleiner Verein. Das macht die Leidenschaft für die Mitglieder interessant.

Altena – „Das hat mich ja noch keiner gefragt.“ Norbert Witte ist irritiert und gesteht: „Und in der Tat habe ich auch noch nie darüber nachgedacht.“ Lange schweigt der Diplom-Informatiker und geht in sich. Der 58-Jährige ist der 1. Vorsitzende der Briefmarkenfreunde Altena. „Seit ich sechs oder sieben Jahre alt bin, sammle ich die Marken“, berichtet er. „Doch Briefträger zu werden, das war irgendwie nie eine Option.“ Er zuckt mit den Schultern und schiebt hinterher: „Warum, weiß ich auch nicht.“ Dann ziehen seine Mundwinkel nach oben und er hat augenscheinlich eine Idee: „Als die ersten Computer kamen, hat mich das gepackt. So bin ich ein Informatik-Nerd geworden. Und Sammler sind ja auch irgendwo Nerds.“ Das immerhin verbinde seinen Beruf mit seinem Hobby.

An diesem Mittwochnachmittag sitzt er im Café zur Burg in der Altenaer Innenstadt zusammen mit sieben weiteren Briefmarkenfreunden. Eine stolze Quote – hat der Verein, der 2021 sein 50-jähriges Bestehen feiern konnte, doch gerade einmal noch 16 Mitglieder. An jedem ersten Mittwoch im Monat kommen sie zusammen und tauschen sich aus über ihre Leidenschaft, die der Vorsitzende Witte so umschreibt: „Es ist wie bei jedem anderen Hobby auch: In erster Linie soll es doch Spaß machen.“ Dann hebt er den Zeigefinger und unterstreicht: „Und schon Goethe hat ja gesagt: ‘Sammler sind glückliche Menschen.’“

Vereinsvorsitzender Norbert Witte mit einem Sonderstempel des Altenaer Kreisblattes.
Vereinsvorsitzender Norbert Witte mit einem Sonderstempel des Altenaer Kreisblattes. © Koll, Michael

Wobei jeder der anwesenden Postwertzeichen-Sammler eine andere Spezialisierung sein Steckenpferd nennt. Dabei geht es etwa um die Motive, die auf den Briefmarken abgebildet sind. Auch die Länder, aus denen die kleinen, klebrigen Bildchen stammen, können eine solche Sammel-Sparte begründen. Wieder andere beschränken ihre Aufmerksamkeit auf Druckfehler.

Bei Witte, der gar nicht in Altena wohnt, ist es der Lokalpatriotismus, der ihm seine ganz eigene Aufgabe stellte: „Ich sammle hauptsächlich alle Iserlohner Poststempel mit ihren Verwendungszeiten. Das allein sind mehrere Tausend.“

Sein Augenmerk richtet sich also gar nicht auf die Briefmarken, sondern auf deren Entwertung. Wobei Witte weiß, „dass es in der Historie zunächst auch gar keine Marken gab“. Anfangs wurden Briefe und Karten nur abgestempelt. Handschriftlich wurde vermerkt, dass das Beförderungsentgelt auch wirklich entrichtet wurde.

„Ein weiteres Fachgebiet von mir sind Bogenrand-Signaturen“, fügt Witte seinen Ausführungen noch hinzu. Briefmarken werden in großer Menge auf Bögen gedruckt. Versehen sind die bunten, gezackten Bildchen mit einem Rand, der meist entfernt und achtlos entsorgt wird. „Darauf sind Farbverläufe zu sehen, die zur Qualitätskontrolle dienen“, erläutert der Vereinsvorsitzende. „Oder es kann anhand von Buchstaben-Zahlenkombinationen nachvollzogen werden, wer gerade der Schichtleiter in der Druckerei war. Diese Information wurde allerdings irgendwann ab den 70er-Jahren nicht mehr mit auf den Bogenrand gedruckt“, klagt Witte.

Allgemein gesehen ist dem Iserlohner klar: „Wer sich beim Briefmarkensammeln nicht spezialisiert, dem wird das schnell langweilig. Durch die Beschränkung auf einen speziellen Sektor aber wird das Sammeln schwieriger und das erhöht dann wieder den Reiz.“

Besonders schön ist dieser Bogen mit Dinosaurier-Motiven: Am Rand des Bogens sind Farbpunkte zu erkennen, die die Druckqualität überprüfen lassen.
Besonders schön ist dieser Bogen mit Dinosaurier-Motiven: Am Rand des Bogens sind Farbpunkte zu erkennen, die die Druckqualität überprüfen lassen. © Koll, Michael

Als kleiner Junge habe er selbst durch die Beschäftigung mit den Postwertzeichen „zunächst einmal gelernt, wie viele Länder es überhaupt auf der Welt gibt“. Witte erinnert sich, „dass ich mir manche Marke von meinem Taschengeld abgespart habe“.

Diese Leidenschaft weiter zu geben, sei kaum möglich. Wie bei vielen anderen Vereinen auch, fehlt den Briefmarkenfreunden Altena der Nachwuchs. Doch nicht nur das Sammeln an sich gehört schon längst nicht mehr zu den trendigen Freizeitbeschäftigungen, haben doch mittlerweile alle bemerkt, „dass das gar nicht die Aktie des kleinen Mannes ist“, wie Witte weiß. Postwertzeichen sind keine Wertanlage, gibt es doch einfach viel zu viele davon, was ihren monetären Wert schmälert.

„Der Sammlerwert ist gleichwohl vorhanden“, betont Witte zugleich. „Ich habe etwa mal einen Stempel gefunden, den ich 30 Jahre gesucht habe. Der kostete vielleicht nur zwei Euro. Aber der individuelle Wert war für mich ungleich höher.“

Er geht sogar noch einen gedanklichen Schritt weiter: „Wenn ich eine Briefmarke wie die berühmte Rote oder Blaue Mauritius hätte, ich würde sie verkaufen.“ Das begründet Witte folgendermaßen: „Ich würde es nicht einsehen, so viel Geld in einem Stückchen Papier zu binden.“ Diese Marken gelten als die wertvollsten der Welt. Je nach Beschaffenheit zahlen Sammler dafür bis zu mehreren Millionen Euro.

Einst wurden Briefe ohne Umschläge verschickt: Auf der Rückseite dieser handschriftlichen Grüße aus dem Jahr 1869 befindet sich daher eine abgestempelte Marke.
Einst wurden Briefe ohne Umschläge verschickt: Auf der Rückseite dieser handschriftlichen Grüße aus dem Jahr 1869 befindet sich daher eine abgestempelte Marke. © Koll, Michael

Aber auch die Marken an sich segnen nach und nach das Zeitliche. Online erzeugte und ausgedruckte Strichcodes ersetzen sie. „Island ist das erste Land, welches jetzt die Ausgabe von Briefmarken bereits ganz eingestellt hat“, bedauert Witte. Das hat die nordische Nation 2019 angekündigt, zugleich aber mitgeteilt, dass sie noch einen Vorrat für vier, fünf weitere Jahre besäße.

Jahreshauptversammlung

Die Briefmarkenfreunde Altena führen am Mittwoch, 1. Februar, ab 19 Uhr ihre Jahreshauptversammlung im Café zur Burg durch. Und sie suchen weitere Mitstreiter: Interessierte, die noch zum Verein stoßen möchten, melden sich bei Heinz-Gerd Rump, Tel. 0 23 52/3 08 69.

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