Leichenfund in Altena: Chafic Itani ist Opfer eines Gewaltverbechens

[UPDATE 17.02 Uhr] ALTENA - Tötungsdelikt am Winkelsen: Am Mittwochabend fanden Leichenspürhunde in einem ehemaligen Ofen der Industriebrache am Winkelsen einen stark verkohlten Leichnam.

Von Thomas Bender

„Zu 99 Prozent“ sei sicher, dass es sich dabei um den seit dem Wochenende vermissten 65-jährigen Geschäftsmann Chafic Itani handelt, sagte Staatsanwalt Bernd Haldorn bei einer Pressekonferenz.

Als dringend tatverdächtig wurde praktisch zeitgleich mit dem Auffinden der Leiche der 25-jährige Sohn des Opfers verhaftet. Als die Polizei am Mittwoch eine öffentliche Suchmeldung an die Medien gab, war auf der Polizeiwache Altena bereits eine Mordkommission des Polizeipräsidiums Hagen am Werk – zu viele belastende Indizien hatten sich angehäuft, seit Itani von der Geschäftsführerin seiner Firma als vermisst gemeldet worden war. Vor allem ein Unfall auf der A 45 ließ die Ermittler aufhorchen. Am Sonntagnachmittag war Itanis Sohn dort verunglückt – „unter mysteriösen Umständen“, wie Haldorn gestern während einer Pressekonferenz erklärte. Die Autobahnpolizei stellte das Fahrzeug wegen des ungeklärten Unfallhergangs sicher, die Mordkommission konnte es untersuchen – auch hier schlugen die Leichenspürhunde an.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass der Tatverdächtige sich nach dem Unfall zum Flughafen Frankfurt begeben hatte und von dort nach Beirut geflogen war, wo seine Mutter lebt. Am Mittwochabend kehrte er zurück und wurde direkt am Flughafen festgenommen.

Feuerwehreinsatz am Sonntagmittag: Die Ermittler gehen davon aus, dass Chafik Itanis Leiche zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe des Kleinbrandes am Winkelsen lag.

Im Zuge der Ermittlungen sah sich die Polizei auch jenen Teil der Industriebrache am Schwarzenstein an, an dem es am Sonntag gebrannt hatte. Dort seien Gegenstände gefunden worden, die mit der Wohnung des Opfers in Verbindung gebracht werden könnten, erklärte Ralf Eickler, der Leiter der Mordkommission. Außerdem fand man eine Kofferraumabdeckung aus dem Auto des Tatverdächtigen. Offensichtlich sei am Sonntag versucht worden, diese Gegenstände zu verbrennen, sagte Haldorn. Er geht davon aus, dass Itanis Leiche zu diesem Zeitpunkt bereits in dem nur wenige Meter entfernten Ofen lag. Dabei handelt es sich um eine Öffnung in der Bodenplatte; sie war für die Einsatzkräfte der Feuerwehr am Sonntag nicht einsehbar gewesen.

Mit der Enge des Fundortes und der einsetzenden Dunkelheit hatten die Ermittler auch am Mittwoch Probleme – per „stillem Alarm“ wurde der Zug Innenstadt der Feuerwehr alarmiert, der das Gelände sicherte und für die Spurensicherung ausleuchtete, wofür sich die Staatsanwaltschaft gestern ausdrücklich bedankte.

Gestern wurde die Leiche im Rechtsmedizinischen Institut in Dortmund obduziert. Dabei sei festgestellt worden, dass der Tod „durch Gewalteinwirkung“ eintrat, erklärte der Staatsanwalt, ohne sich näher über die Art der vorgefundenen Verletzungen zu äußern. Klar zu sein scheint damit, dass Itani in seiner Wohnung getötet wurde und anschließend versucht wurde, seine Leiche am Winkelsen zu verbrennen.

„Einen gefassten Eindruck“ habe Itanis Sohn gemacht, als er am Flughafen festgenommen worden sei, schilderte Ralf Eickler gestern den Vertretern der Presse. Ein direktes Geständnis habe er noch nicht abgelegt, wohl aber angekündigt, dass er sich nach Rücksprache mit einem Anwalt äußern werde. Deswegen hat der Staatsanwalt auch noch keine Hinweise auf das Motiv des mutmaßlichen Täters. Den Antrag auf Haftbefehl begründete er mit dem Tatverdacht des Totschlags.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare