Lehrstellen-Abbrecher sind in Altena kein Thema

Azubis werden in Altena bestens betreut – nur selten brechen sie ihre begonnene Lehre später ab.

ALTENA - Die Firmen der Burgstadt leisten Vorbildliches in Sachen Berufsausbildung. Dieses Lob kommt aus berufenem Munde, nämlich von Andreas Lux. Der Geschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, SIHK, hat in der beruflichen Bildung einen seiner Arbeitsschwerpunkte bei der Kammer.

Und deshalb fügt er an: Von den kürzlich durch alle Medien gegangenen Zahlen, das mehr als 25 Prozent aller Neu-Auszubildenden ihre Lehre abbrechen würden, sei Altena weit entfernt.

Zwar liegen ihm keine konkreten, auf die Burgstadt heruntergebrochenen Zahlen vor, „doch möchte ich anmerken, es sind kreisweit vielleicht zehn Prozent von aktuell 5289 Azubi-Verhältnissen, die sich gleich zu Beginn beruflich umorientieren.“ Altena liege – das könne er nach vielen Gesprächen einschätzen, noch deutlich darunter.

Holger Koopmann im Haus Fr. und H. Lüling für den Bereich Ausbildung verantwortlich, teilt die Einschätzung. Sein Unternehmen wurde in den vergangenen Jahren immer wieder ausgezeichnet, weil Azubis beste Prüfungsergebnisse erzielten. Bei Lüling setzt man auf berufsvorbereitende Praktika, Gespräche, das Vor-Ort-Gehen in Schulen und Einrichtungen. Besonders die Schul-Patenschaften hätten sich ausgezahlt, so Koopmann.

Auch Britta Hölper, Geschäftsführerin von Möhling, Altena, kann in ihrem Hause große Ausbildungserfolge vorweisen. Und sie teilt die Meinung von Koopmann, geht ähnliche Wege. Allerdings sagt sie auch: „Heute Azubis zu finden, die mit den Händen arbeiten wollen, ist sehr schwierig.“ So finde man im gewerblich-technischen Bereich, etwa in Ausbildungsgängen wie Industriemechaniker oder Maschinen-Anlagenführer, kaum noch Bewerber. Und wer sich dann doch vorstelle, falle leider häufig durch das Raster, weil er nicht ausbildungsfähig sei. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Berufe rund um den Computer die Jugendlichen nach wie vor magisch anzögen. Bei Möhling gibt es deshalb auch die Möglichkeit, eine Berufsausbildung und ein Studium zu verbinden. „Duale Ausbildungsgänge sind bei uns schon häufig erfolgreich abgeschlossen worden.“

Karl-Friedrich Spelsberg vom gleichnamigen Hotel am Großendrescheid bildet in seinem Haus Restaurantfachkräfte und Köche aus. Gemeinsam mit Ausbilder und Küchenchef Hartmuth Veith „habe er schon alles erlebt“, sagt der Gastronom. Allerdings ist auch bei ihm die Abbrecherquote „nicht hoch, tendiert gegen Null.“ Das liege „an intensiven Gesprächen, Praktika und auch den Elternhäusern.“ Es werde schon im Vorfeld kommuniziert, dass man im Gastronomiegewerbe dann arbeiten müsse, wenn andere frei hätten. Spelsberg: „Da muss man dann auch schon mal Bewerbern abraten“. Und Hartmuth Veith sagt: „Das Familienleben leidet, keine Frage und man muss sich häufig einen neuen Freundes- und Bekanntenkreis suchen und aufbauen. Aber mein Beruf beispielsweise ist vor allen Dingen eins: Unheimlich kreativ. Und das macht Spaß, mir bereits lebenslang.“

Die SIHK hatte in einer Analyse festgestellt, dass gerade das Gastgewerbe aktuell die höchsten Azubi-Abbrecher-Quoten stellt. „Wunsch und Wirklichkeit liegen da oft auseinander“, so Lux.

von Johannes Bonnekoh

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