Zurück in ein normales Leben

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Eva Pungel und ihr Schützling, Bernadette aus Bethlehem. Bald kann die junge Dame wieder laufen.

ALTENA -  Bernadette ist 15 Jahre alt. Ihre tiefbraunen Augen strahlen, ihr Händedruck ist fest. Mit dem rosa-T-Shirt, den Ohr- stöpseln in den Ohren und dem Laptop auf der Bettdecke geht sie als „normaler“ Teenager durch.

Doch was ist normal? „Bernadette hat ein angeborenes Hüftleiden. Ihre Hüftpfanne wurde nie richtig ausgebildet, sie hat bisher nur unter Schmerzen laufen können und stark gehinkt.“ Das sagt Eva Pungel. Die Dahlerin lernte das heranwachsende Mädchen eher zufällig in Jerusalem kennen. AK-Leser erinnern sich: Eva Pungel, jahrelang Erzieherin am Ort, engagierte sich als Rentnerin über viele Jahre in einem Café der Hilfe (Auguste Viktoria) am Ölberg in Jerusalem. Später übernahm sie eine Stelle aus Hausmutter in einem Haus der international tätigen Gruppe „Sühnezeichen“. Hier war es bis September des vergangenen Jahres eine ihrer Aufgaben, Kinder, die von dort betreut werden, zum Zahnarzt zu bringen. „Dabei habe ich Bernadette kennen und schätzen gelernt“, sagt Eva Pungel.

Schnell reifte in ihr der Entschluss, „Mensch, du musst dem Kind helfen! Da muss doch was gehen!“ Die Dahlerin machte sich kundig, ließ Kontakte in Israel aber auch in der deutschen Heimat spielen und fand im Hammer Forum und der Unterorganisation „Löwenherz“ Institutionen, die Bernadette unter ihre Fittiche nahmen. Nach umfangreichen Untersuchungen und dem Anfordern aller verfügbaren Arztunterlagen des Kindes stellte sich heraus, dass sie als Kleinkind bereits „unter dem Messer“ lag, diese OP aber schlecht ausgeführt wurde.

Pungel sprach mit den arabischen Eltern, die weitere fünf Kinder haben, überzeugte sie, ihr das Sorgerecht auf Zeit zu übertragen und ihr Bernadette anzuvertrauen. Zurück in Deutschland wurde sie Ärzten vorgestellt und kürzlich im Klinikum Dortmund operiert. „Jetzt scheint alles gerichtet“, blickt Eva Pungel hoffnungsvoll nach vorn. Die 15-Jährige dürfe zwar die Beine nicht belasten, noch etwa bis Mai kaum laufen, aber dann, dann sollte sie über den Berg sein.

„Ich bin vielen Altenaern sehr dankbar, die mich sofort und vorbehaltlos unterstützt haben“, sagt Eva Pungel. Sie nennt Pastor Uwe Krause, sie nennt Freundinnen, Nachbarn und ausdrücklich Kai Hansen von Meditec Hansen aus Einsal. „Er hat mein Bad behindertengerecht auf seine Kosten ausgestattet und umgestaltet. Sonst wäre die Unterbringung gar nicht möglich gewesen.“

Worte des Dankes findet Eva Pungel auch für Lutz Vormann. „Als ich zurückgekommen bin, stürzte so viel auf mich ein. Vormann hat mir geholfen. Sofort. Ohne große Fragen.“ So stellte er unter anderem einen Fernseher mit Sat-Schüssel zur Verfügung. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Bernadette spricht gut englisch, arabisch, hebräisch, spanisch und sogar einige Brocken polnisch. „Sie ist so begabt“, freut sich Pungel. Ihre Freundin, die kürzlich pensionierte Realschullehrerin Annette Goseberg, unterrichtet sie als Hauslehrerin in Englisch und Mathematik. „Damit die Lücken nicht zu groß werden und sie sich ohne Sorgen ganz auf ihre Genesung konzentrieren kann.“

Und wie ist das mit dem Heimweh? Hat Bernadette natürlich. „Aber es gibt ja auch Facebook“, lacht sie.

von Johannes Bonnekoh

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