Das Landtagswahl-Verhalten der Altenaer über die Jahrzehnte

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Im Landtagswahlkampf 1975 (links) warb die CDU mit diesem Prospekt für den Kandidaten Hans Schmerbeck aus Neuenrade. 1990 (rechts) hieß der SPD-Spitzenkandidat Johannes Rau.

Altena - Das Wahlverhalten der Altenaer hat sich in den vergangenen 40 Jahren spürbar verändert. Diesen Schluss lassen Zahlen zu, die die Statistiker von Information und Technik NRW (IT NRW) in der Landesdatenbank gesammelt haben.

Das zeigt sich an der Wahlbeteiligung, aber auch an den Auf- und Abbewegungen der Stimmenanteile der Parteien. Vorab: Von Wahlbeteiligungen in Höhe von 90 Prozent – genau 90,1 Prozent bei der Bundestagswahl 1983 – lässt sich seit einigen Jahren nur noch träumen. 

Bei der Landtagswahl 1980 gingen aber immerhin noch 82,1 Prozent der wahlberechtigten Altenaer zur Urne. Einen Tiefststand erreichte diese Quote im Jahr 2000, als nur 54,8 Prozent der Burgstädter ihr Kreuzchen machen wollten. Bei den vorigen beiden Landtagswahlen – 2010 und 2012 – hatte sich dieser Anteil mit 57,1 und 57,3 Prozent immerhin wieder etwas höher eingependelt. 

1985 Spitzenjahr für die Sozialdemokraten

Zum Vergleich: Bei den Kommunalwahlen wurde die höchste Wahlbeteiligung im Jahr 1994 erreicht – da gingen stolze 80,6 Prozent der Altenaer wählen. Im Jahr 2014 waren es kommunal nur noch 49 Prozent. 

Aber zurück zu den Landtagswahlen: Lange Zeit zeigte sich die SPD in der Burgstadt mit Stimmenanteilen von über 50 Prozent als stärkste Kraft. Diese Werte wurden zwischen 1975 und 1995 erreicht, wobei 1985 zum Spitzenjahr für die Sozialdemokraten wurde: Sie erzielten damals ein Ergebnis von 58,1 Prozent. 

Bei der SPD-Kampagne „Beerenstark“ wurde wie hier an die jüngere Generation appelliert: „Bevor Euch schwarz vor Augen wird“. Rechts oben ein umgekipptes Tintenfläschchen.

2010 fielen die SPD-Anteile dann auf einen Tiefststand von noch 39 Prozent. Während sich die CDU über einen langen Zeitraum von 1980 bis ins Jahr 2000 im Bereich der 30-Prozent-Marke bewegte – 37,8 bis 33,3 Prozent – erklommen die Christdemokraten im Jahr 2005 einen Spitzenwert von 42,7 Prozent. 

2012 brachen sie allerdings auf 25,9 Prozent ein. Die FDP dagegen blieb seit 1975 einstellig im Bereich zwischen 5 und 6 Prozent, konnte allerdings im Jahr 2000 einen Höchstwert von 9,3 Prozent verbuchen. 1995 markierte bei einem Stimmenanteil von 3,6 Prozent den Tiefststand der Liberalen. 

Grünen treten 1980 in Erscheinung

Bei der Landtagswahl 1980 traten die Grünen erstmals in Erscheinung, mussten sich aber zunächst mit 2,6 Prozent der Altenaer Stimmen begnügen. 2010 legten sie dann ein Rekordergebnis von 9,1 Prozent hin. Die Linke taucht erstmals im Jahr 1995 auf (1,1 Prozent) und schnitt 2010 mit 6,5 Prozent am besten ab. 

Für eine längerfristige Betrachtung sind die Piraten noch zu kurze Zeit im Rennen: Sie tauchen 2010 mit 1,1 Prozent auf und schnitten 2012 bei 8,4 Prozent ab. Den 17. Landtag wählen die Menschen in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai. In Altena sind dabei 14.270 Menschen wahlberechtigt. 

„Komm aus Deiner linken Ecke“, heißt es auf diesem Plakat der CDU. Es wurde 1975 eingesetzt.

Rückblende: Am 20. April 1947 hatte die erste nordrhein-westfälische Landtagswahl stattgefunden. Deutschland bestand aus vier Besatzungszonen, die oberste Gewalt hatten die Militärregierungen der vier alliierten Siegermächte. Tausende Menschen waren immer noch in Kriegsgefangenschaft, tausende befanden sich auf einer Flucht- und Wanderbewegung von Osten nach Westen. 

Seit August 1946 gab es innerhalb der britischen Zone das Land Nordrhein-Westfalen, entstanden durch eine Verordnung der Militärregierung, die die ehemals preußischen Provinzen Westfalen und Rheinland aufgelöst hatte. 

Zigarettenwährung auf dem Schwarzmarkt

Als der erste „richtige“ Landtag gewählt wurde, gab es noch keine Bundesrepublik Deutschland. Gewirtschaftet wurde offiziell noch immer mit der alten Reichsmark – inoffiziell, auf dem Schwarzmarkt, galt eine Art Zigarettenwährung. Die D-Mark war noch nicht eingeführt. 

Also war NRW auch noch kein Bundesland, sondern ein Gebiet, von dem niemand wusste, was einmal daraus werden würde. NRW hatte auch noch keine Verfassung, und der 1946 eingesetzte Landtag bestand aus je 100 nordrheinischen und westfälischen Abgeordneten, die die Briten ernannt hatten. 

Die Nordrhein-Westfalen durften ihre Landesvertretung erst im Frühjahr 1947 selbst wählen. Landesweit entfielen damals 37,5 Prozent der Stimmen auf die CDU, 32 Prozent auf die SPD, 14 Prozent auf die KPD, 9,8 Prozent auf das Zentrum und 5,9 Prozent auf die FDP.

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