Gericht

Landgericht verhandelt über Randale im Kohlberghaus

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Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und zum Schluss sogar ein Sondereinsatzkommando: Der Ausraster eines Bewohners sorgte im Mai 2016 am Kohlberghaus für Aufregung.

Altena - Ein spektakulärer Fall: Einen Großeinsatz von Rettungs- und Ordnungskräften löste am 17. Mai 2016 ein randalierender Bewohner des Kohlberghauses aus. Das Landgericht verhandelt jetzt über den Fall und dessen aufsehenerregende Details.

Eine Notärztin stand bereit, Feuerwehrleute brachten unterhalb seines Zimmerfensters eine Sprungmatte in Stellung und die angerückten Polizeikräfte aus Altena und Werdohl forderten Verstärkung durch ein Sondereinsatzkommando (SEK) an. 

Zunächst war aber ein Mitarbeiter des Altenaer Ordnungsamtes vor Ort: „Er war überhaupt nicht ansprechbar“, erinnerte sich der Zeuge im Landgericht Hagen, wo die 6. große Strafkammer über mögliche Sanktionen gegen den 62-jährigen Patienten entscheiden muss. Noch ist er vorläufig in der forensischen Klinik in Lippstadt-Eickelborn untergebracht. Nun droht ihm die dauerhafte geschlossene Unterbringung. 

Die Straftaten soll er im Zustand absoluter Schuldunfähigkeit begangen haben. Zunächst ist bei ernsten Problemen mit Bewohnern immer das Altenaer Ordnungsamt gefragt. So auch im Fall des 62-Jährigen: „Wir haben ihn schon zweimal weggebracht, weil er gedroht hatte, sich das Auge mit einem Pfeifenreiniger auszustechen“, erinnerte sich der Mitarbeiter des Ordnungsamtes. An jenem Morgen sei der Mann wieder einmal „völlig außer sich“ gewesen. „Ich kenne ihn ja – so habe ich ihn noch nie erlebt.“ 

Heizung und Waschbecken aus der Wand gerissen

Der Zeuge hatte nach seinem Eintreffen am Kohlberg vergeblich versucht, den Randalierenden mit Pfefferspray außer Gefecht zu setzen und bekam durch das Zuschlagen der Zimmertür selber noch eine Ladung des Reizgases ab. Das Sondereinsatzkommando der Polizei machte dem Spuk schließlich entschlossen ein Ende. Statt mit Maschinenpistolen bewaffneten sich die Beamten mit drei Meter langen Holzstangen. 

Mit ihrer Hilfe kann ein potentieller Angreifer auf Distanz gehalten werden. Bevor er sich in seinem Zimmer verbarrikadierte, hatte der 62-Jährige zwei Mitarbeiterinnen des Hauses mit dem Sockel einer Statue geschlagen und mit einem Brotschmiermesser bedroht. In seinem Zimmer riss er die Heizung und wohl auch ein Waschbecken von der Wand, wodurch die gesamte Etage geflutet wurde. Es entstand ein erheblicher Wasserschaden. 

„Ich werde euch die Augen ausstechen!“ 

Einige Bewohner mussten vorübergehend umziehen. Die Fenster waren zertrümmert – Blutspuren hatten sich im Zimmer des 62-Jährigen verteilt. Die von ihm ausgestoßenen Drohungen entsprachen jener, die wiederholt befürchten ließ, er könnte sich selbst – gut 30 Jahre nach dem Ausstechen seines rechten Auges – endgültig zu einem Blinden machen: „Ich werde euch die Augen ausstechen!“ 

Dazu gab es noch eine Ansage über die Letzten Dinge: „Ihr werdet in der Hölle landen!“ Dazu kam es glücklicherweise nicht: Bis auf leichte Schürfwunden und schmerzhafte Prellungen blieben die Mitarbeiterinnen des Kohlberghauses bei den Attacken unverletzt. Das Unterbringungsverfahren wird heute im Landgericht ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

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