Pistole und Drogen im Auto - und jeder kann‘s sehen

Eine Schreckschusspistole lag offen im Wagen des Mannes.
+
Eine Schreckschusspistole lag offen im Wagen des Mannes.

Gedankenlos oder unprofessionell: Ein Drogenhändler-Pärchen aus Altena ließ Amphetamine und Pistole offen im Auto liegen.

Altena – Eine große Menge Drogen und eine Schreckschusswaffe in Reichweite: Diese Kombination reicht offenbar für eine Verurteilung des 35-jährigen Angeklagten aus Altena wegen bewaffneten Handels mit Drogen aus.

Der Vorsitzende Richter Christian Potthast deutete aber im Verfahren vor dem Landgericht Hagen an, dass die 6. große Strafkammer auch darüber beraten wird, ob es sich möglicherweise um einen minderschweren Fall handelt. Dann könnte die Strafe unter fünf Jahren liegen.

Pistole zum Schutz vor der Ex

Der Angeklagte war sowohl am 1. als auch am 8. April mit einer Schreckschusspistole im Auto unterwegs gewesen und von der Polizei erwischt worden. Sein Argument, dass er die Waffen zur Abwehr seiner angeblich sehr rabiaten Ex-Frau angeschafft habe, reicht nicht aus, um das Mitführen der Pistolen nicht in Zusammenhang mit den Drogen zu bringen.

Dabei komme es aus rechtlicher Sicht nicht darauf an, ob der Angeklagte tatsächlich die Absicht hatte, mit den Waffen die Betäubungsmittel zu beschützen, erklärte der Vorsitzende.

„Wie Klettverschlüsse“: Paar teilt Geld und Drogen

Es müsse einem Täter lediglich „bewusst sein, dass die Waffe da ist“. Nochmals betonten der Angeklagte sowie seine ebenfalls angeklagte neue Lebensgefährtin (25) aus Altena, dass sie alles gemeinsam gemacht und Geld und Drogen geteilt hätten.

„Wir waren wie Klettverschlüsse“, erklärte der 35-Jährige und stellte sich in einem wichtigen Detail schützend vor seine Freundin: Er habe sie nicht beunruhigen wollen und sich daher ohne ihr Wissen nach der Sicherstellung der ersten Schreckschusspistole durch die Polizei sofort wieder eine Waffe besorgt.

Frau sieht Waffe und Drogenspuren im Auto

Es könnte sein, dass die Richter letztlich davon ausgehen, dass der 25-Jährigen nicht nachzuweisen ist, dass sie von der Pistole wusste. Denn auch sie war im Auto, als das Pärchen am 8. April 2019 mit einem weiteren Zeugen und einem Hund sowie mit Drogen und der Waffe zum Jobcenter nach Lüdenscheid fuhr.

Dort verspürte eine heute 31-jährige Zeugin Gesprächsbedarf, als sie die Ankommenden entdeckte. Der 35-Jährige hatte jedoch keine Zeit zum Plaudern, weil er leicht verspätet auf dem Weg in die Behörde war. Dann warf die Frau einen Blick in das Fahrzeug und entdeckte auf dem Rücksitz ein Tablet, dessen Bildschirm stark verschmiert war mit merkwürdigen Anhaftungen.

Polizei aus Rache alarmiert?

Von ihrem Anruf bei der Polizei, der die Beamten auf den Plan gerufen hatte, wusste die Zeugin im Landgericht angeblich nichts mehr. Sie hatte offenbar noch eine Rechnung mit der damaligen Frau des Angeklagten offen.

Die allerdings war längst aus dem Rennen und an jenem Tag nicht mit im Auto. Doch man kannte sich offenbar, was die Frage aufkommen ließ, ob die Zeugin den Angeklagten mit ihrem Anruf bei der Polizei nur schaden wollte.

Es mutet merkwürdig an, dass die Angeklagten nur eine Woche, nachdem der 35-Jährige zum ersten Mal von der Polizei mit Betäubungsmitteln erwischt wurde, ein Amphetamin-verschmiertes Gerät sichtbar im Auto liegen ließen. Angesichts einer regen Geschäftstätigkeit mit Amphetaminen und anderen Drogen wirkt ein solches Verhalten wenig professionell.

Ein Polizeibeamter erinnerte sich, dass auch die Schreckschusspistole durch das Fenster der Beifahrertür sichtbar gewesen sei. Der Prozess dauert an.

Im Sauerland hat die Polizei eine Drogenküche hochgenommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare