Prozess am Landgericht

Räuberische Erpressung: Brüderpaar droht Vermieter mit übler Verleumdung

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Ein Brüderpaar aus Altena steht wegen etlicher Einbrüche und räuberischer Erpressung vor Gericht.

Altena –"Ich hatte Angst um meine Familie": Das Opfer der räuberischen Erpressung schilderte vor Gericht Details der fiesen Masche.

Der schwerste Vorwurf gegen die drei Angeklagten aus Altena und Halver ist die räuberische Erpressung: Im Landgericht berichtete das Opfer, ein 61-jähriger aus Altena, nun von den Drohungen des 22-jährigen Hauptangeklagten, die ihn im Oktober 2019 zur Zahlung von 4900 Euro veranlasst hatten. 

Zunächst war der Zeuge zum Opfer eines Einbruchs in seiner Firma geworden. Die Einbrecher waren durch ein Fenster eingestiegen und hatten einen Schlüssel gefunden, der ihnen unter anderem Zugang zum Büro ermöglichte. Sie erbeuteten etwa 50 Euro aus einer Geldkassette und eine Goldkette. 

An einem Tresor fanden die Ermittler Beschädigungen und Lackspuren. Möglicherweise hatten die Täter erfolglos versucht, ihn aufzubrechen. 

Bruder nach Einbruch erwischt

Noch vor Ort stieß der 61-Jährige auf einen jungen Mann, der aus dem Gebäude kam. Er stellte sich als der Bruder des 22-Jährigen vor, der bei dem Einbruchsopfer zur Miete wohnte. „Es wurde nicht viel geklaut“, fasste der Zeuge das Geschehen zusammen. 

Schwerer als der Einbruch wog die Erpressung, die sich anschließend entwickelte. Aufgrund seines Einbruchverdachtes gegen die beiden Brüder sprach der 61-Jährige eines Abends die Freundin des Hauptangeklagten an und fragte sie, „ob die Männer der richtige Umgang für sie seien“. Sie erzählte ihrem Freund vom Gespräch. 

Der 22-Jährige, der bereitsein Geständnis abgelegt hat, habe ihm daraufhin am Telefon vorgeworfen, dass er „angeblich seine Freundin bedrängt habe“. Bei einem Besuch in der Firma habe er den Ton verschärft: „Seine Freundin müsse schon fast in psychische Behandlung“, gab der 61-Jährige vor Gericht wieder. 

Erpresser droht mit "Bekannten aus Dortmunder Norden"

Aber man könne die Angelegenheit gegen Zahlung einer gewissen Geldsumme in Ordnung bringen. „Er würde mich sonst so darstellen, als wenn ich ein Triebtäter wäre“, erinnerte sich der Zeuge. Garniert wurde diese Drohung durch potenzielle Zeugen, die diese Aussage stützen würden. 

„Er habe Bekannte aus dem Dortmunder Norden, auf die er zurückgreifen würde“, erinnerte sich der 61-Jährige. „Ich hatte große Angst um meine Familie und meine Frau und war sehr eingeschüchtert.“ Deshalb sei er zur Bank gefahren, habe Geld abgehoben und dem 22-Jährigen 4900 Euro übergeben. „Er zählte nach, und dann war er weg. Ich war total geschockt und wollte das geheim halten.“ 

Warum war der 61-Jährige, der „nichts Unanständiges“ getan hatte, nach den ersten Drohungen nicht sofort zur Polizei gegangen? Warum hatte er fast 5000 Euro an den 22-Jährigen gezahlt? 

Mann bei Nachbarn kompromittiert

Das wollte die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt wissen. „Ich hatte wirklich Angst, dass meiner Familie etwas passiert“, wiederholte der Zeuge. 

Etliche kompromittierende Anrufe bei Nachbarinnen verstärkten den psychischen Druck: „Man hat regelrecht Rufmord begangen.“ Sein Wunsch, das Ganze geheim zu halten, erwies sich nicht nur deshalb als illusorisch. 

Denn die Polizei war nach einer Zeugenaussage zum Kennzeichen eines Autos, das der Angeklagte aus Halver nutzte, auf der Spur der Einbrecher und überwachte ihre Telefone. Die Ermittler hörten mit, als die Angeklagten an einer möglichen Falschaussage über die angebliche sexuelle Belästigung bastelten. Und dass man die Geldzahlung „unter Umständen auch mit Gewalt durchsetzen“ wolle. 

Polizei hört mit

Und so erschien nicht nur der 22-Jährige bei dem Opfer, sondern auch die Polizei. Offenbar flüchteten der 22-Jährige und seine Freundin nach der Geldübergabe, weil sie ein Zivilfahrzeug der Polizei vor dem Haus vermuteten. 

Die Polizei hörte auch mit, als der Hauptangeklagte weitere 2000 Euro verlangte, weil er bei dieser Flucht angeblich einen Teil des Geldes verloren hatte. Der Prozess soll am 11. Mai im Landgericht fortgesetzt werden.

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