Landgericht befragt weitere Zeugen im Itani-Verfahren

Der Prozess am Hagener Landgericht wurden gestern weitere Zeugen gehört.

ALTENA - Am dritten Prozesstag gegen Muhamed I. vor dem Hagener Landgericht kamen gestern neun weitere Zeugen zu Wort. Die meisten von ihnen waren ehemalige Mitarbeiter des getöteten Chafik Itani. Unisono beschrieben sie ihren Chef zwar als strengen aber angenehmen, hilfs- und kompromissbereiten Menschen. Der Angeklagte hingegen fiel im väterlichen Betrieb durch eher arrogantes Auftreten, Streitereien und aufbrausendes Verhalten auf. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn beschrieben die Zeugen als weniger herzlich.

Anfang Februar/März sei er von seinem Chef gebeten worden, sich dessen Sohn anzunehmen, erklärte der erste Zeuge gestern dem Schwurgericht. „Er wollte, dass sein Sohn raus kommt, Kontakte bekommt, Freundschaften schließt. Und wir haben das gleiche Alter.“ Anfangs habe er Probleme mit Muhamed I. gehabt, berichtet der Zeuge „weil er anders war als meine sonstigen Freunde“. In wie fern anders, konnte er jedoch nicht eindeutig erklären. Ein Beispiel gab er auf Nachfragen der Richterin dann doch. „Er hat über unangenehme Sachen gesprochen. Bei einem Treffen wollte er mit meiner Freundin über intime Dinge reden.“

Doch die anfänglichen Schwierigkeiten hätten sich gelegt. „Später bin ich gut mit ihm klar gekommen. Ich habe versucht, mich auf ihn einzulassen.“ Sogar einen befreundeten Pädagogen habe er einmal zu einem der Verabredungen mitgenommen. „Doch es war eine ganz normale Begegnung.“ Auf tiefere Gespräche habe sich der Angeklagte allerdings nicht eingelassen. „Nur einmal hat er gesagt, dass er sich hier nicht akzeptiert fühlt, weil er hier nicht geboren ist.“

Im Betrieb, so der Zeuge, habe Muhamed I. seinen eigenen Kopf gehabt. Er habe sich nichts sagen lassen wollen, sei aggressiv und aufbrausend geworden. Weitere Zeugen unterstützten diese Aussage. Der frühere Hausmeister erinnert sich: „Er ging schnell hoch, wenn man ein falsches Wort sagte.“ Ein 23-Jähriger beschrieb Vorfälle, bei denen der Angeklagte überreagiert habe. Und auch der frühere Betriebsleiter erzählte von einem Streit. Muhamed I. wurde aufgrund eines Missverständnisses in der Firma eingeschlossen. „Am nächsten Morgen stürmte er bis auf die Nasenspitze auf mich zu und hat mich angeschrien. Das ist cholerisch.“ Das Verhältnis zwischen Senior und Junior beschrieb der Zeuge so: „Er war sehr bemüht, seinem Vater zu gefallen. Doch das klappte nicht so.“ Ein 31-jähriger Produktionshelfer erlebte den Angeklagten als jemanden „der schon gerne das Sagen gehabt hätte“. Außerdem bekam er ein Telefonat zwischen Vater und Sohn mit, das im Streit endete. „Danach hatte der Chef keinen Kopf mehr, sich zu konzentrieren.“

von Susanne Riedl

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