Massiver Betrug mit Autounfällen

ALTENA ▪ Der Schaden war immens: 24 Mal sollen zwei Lüdenscheider unter anderem in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde, Autounfälle fingiert und zumeist hohe vierstellige Beträge von den Versicherungen und von der MVG erschwindelt haben.

Rund 150.000 Euro sollen so auf ihre Konten geflossen sein. Brutto war hier allerdings nicht netto: Ein Teil des Geldes ging an Gutachter, Anwälte, die die Forderungen gegenüber den Versicherungen durchsetzten, und weitere Mittäter. Am Dienstag begann vor dem Landgericht Hagen der Prozess gegen die mutmaßlichen Betrüger. Sie hatten sich bereits im Sommer 2012 wegen der Vorwürfe verantworten sollen. Einer von ihnen wurde jedoch nach sechs Verhandlungstagen schwer krank, weshalb das Verfahren nun vollständig neu aufgerollt werden muss. Die stattliche Liste mutmaßlich fingierter Unfälle war seit dem Sommer noch gewachsen.

Den beiden 39 und 41 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, in der Zeit von Juni 2006 bis Juni 2010 in insgesamt mindestens 24 Fällen – bei wechselnder Beteiligung beider Angeklagter – Verkehrsunfälle gestellt zu haben, um unberechtigt Versicherungsleistungen abzurechnen. Die allermeisten dieser Unfälle ereigneten sich auf kleinen engen Straßen. Die Abläufe glichen sich dabei: Zumeist zwang die enge Straße, ein Stück Holz auf der Fahrbahn, ein Schneerest oder eine plötzliche Kurve eines der beteiligten Fahrzeuge angeblich in die Straßenmitte. Das zweite beteiligte Fahrzeug musste deshalb in die Leitplanken ausweichen, oder es wurden Zusammenstöße in Kauf genommen. In zwei Fällen sollen auch Busfahrer der MVG an den Unfällen beteiligt gewesen sein, die beim Anfahren an Haltestellen – möglicherweise absichtlich – ein Auto, das von einem der Angeklagten gesteuert wurde, übersah. Die MVG zahlte daraufhin insgesamt rund 21000 Euro. Um bei den Versicherungen nicht aufzufallen, sollen die Angeklagten „Strohmänner“ eingesetzt haben, die kurzfristig als Halter von alten Gebrauchtwagen eingetragen wurden. ▪ thk

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