Tragischer Fall: Land erbt Auto von Totem, der erst nach Wochen gefunden wurde

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Der silberfarbene Mondeo steht seit Monaten an der Nettestraße.

Altena - Monatelang steht ein Auto schon an der Nettestraße. der Kreis hat es schon aus dem Verkehr gezogen. Dahinter steckt ein Fall mit besonderer Tragik.

Der graue Ford Mondeo-Kombi steht seit Monaten am Fahrbandrand der viel befahrenen Nettestraße in unmittelbarer Nähe zur Eggestraße. Auf der linken Beifahrerscheibe klebt ein giftgrüner Zettel. 

Das DIN A 4 große Schriftstück ist nicht zu übersehen. Unter dem Logo des Märkischen Kreises wird im Auftrag des „Landrates des Märkischen Kreises“ dem „sehr geehrten Fahrzeughalter“ mitgeteilt, „...dass die Kennzeichen Ihres Fahrzeuges zwangsweise entstempelt wurden“. Der Kreis droht unverhohlen, „...dass der Betrieb des Fahrzeugs auf öffentlichen Straßen untersagt ist und eine Ordnungswidrigkeit beziehungsweise Straftat darstellt“. 

Mann lag leblos in der Wohnung 

Tragisch in diesem Fall: Bewegt oder umgesetzt werden kann das mehrere Jahre alte Auto von seinem Eigentümer nicht mehr. Irgendwann, nachdem er es im Spätsommer des vergangenen Jahres in der Nette abstellte, verstarb der Mann. Er lebte und wohnte allein in einem Haus an der Eggestraße. 

Erst als sich Nachbarn Sorgen machten, weil sie ihn lange nicht gesehen hatten, traten Feuerwehr und Ordnungsamt auf den Plan. Sie öffneten das Haus und fanden seine sterblichen Überreste – Monate nach seinem Ableben. 

Daraufhin entwickelte sich ein komplizierter Fall für die Behörden. Weil weder Polizei noch Ordnungsamt Angehörige finden konnten, landete der Fall beim Nachlassgericht. Dort begann eine regelrechte Detektivarbeit: Es wurde bei Banken nachgefragt, es wurden Geburts- und weitere Urkunden eingesehen, geprüft, und auch in der Wohnung des Verstorbenen wurde noch mal nachgesehen, ob sich nicht doch noch Hinweise auf Erben finden würden. 

Land erbt, wenn sich kein Erbe findet

Das alles blieb ergebnislos. Deshalb erließ das Gericht im Dezember 2019 einen Fiskalbeschluss. Damit erbte das Land Nordrhein-Westfalen Haus und Auto des Verstorbenen. Solche Erbschaften werden immer von der Bezirksregierung abgewickelt, in deren Zuständigkeitsbereich der Verstorbene zuletzt gelebt hat. 

Der Ford Mondeo steht indessen weiter an der Nettestraße, auch wenn er nicht augenfällig für eine Behinderung des Straßenverkehrs sorgt. Im Rathaus spricht man „von einer unerlaubten Sondernutzung“. Kann die Stadt Altena deshalb vielleicht sogar gegenüber dem Regierungspräsidenten ein Knöllchen schreiben? 

Der Kreis hat den Wagen entstempelt.

Die Behörde in Arnsberg verneint. Richtig sei zwar, dass für geerbte Werte eine Verkehrssicherungspflicht bestehe, aber natürlich habe es eine Ortsbesichtigung und Absprache mit der Stadt gegeben, sagt Anna Carla Springob aus der Pressestelle der Bezirksregierung. 

Das Auto werde kommende Woche vom Eingang der Eggestraße verschwinden. Ob es anschließend verschrottet oder zum Verkauf angeboten wird, dazu konnte die Pressesprecherin nichts Konkretes sagen. 

Wertloses landet im Müllcontainer 

Sicher ist aber, dass das Haus an der Eggestraße schon bald veräußert werden soll. Natürlich ließ es der Regierungspräsident zwischenzeitlich baulich sichern, jetzt ist man dabei Verträge zu kündigen und Forderungen zu begleichen. 

In der Wohnung selbst musste jedes Teil in die Hand genommen werden. Denn Wertgegenstände werden verkauft, alles andere landete im Müllcontainer. Anna-Carla Springob sagt: „Der Verkauf erfolgt durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb in unserem Hause oder durch von uns beauftragte Immobilienmakler.“ 

Sollte es bis zum Verkauf noch Schneefall oder Glatteis geben, muss die Streu- und Schneeräumpflicht sichergestellt sein. Auch das sei mit der Stadt abgesprochen. Land muss Ausgaben zahlen Und selbst wenn das Haus unverkäuflich wäre oder nicht mit Gewinn veräußert werden könnte, „die damit verbundenen Ausgaben sind natürlich auch dann weiter zu leisten. Da steht das Land in der Pflicht“, sagt Springob. 

Ob am Ende in Altena alles aus dem Erbe verkauft werden kann, wird sich zeigen. Es könnte vielleicht die eine oder andere Kuriosität übrig bleiben. So musste man sich in Arnsberg auch schon um mehr als 6000 Schallplatten kümmern, die ein Großhändler hinterlassen hatte.

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