Ästhetische Bedenken

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Solche Lärmschutzwände will die Kommunalpolitik im Innenstadtbereich nicht haben.

Altena – Es ging um Millionen – aber die sind in Altena nicht um jeden Preis willkommen. Das erfuhren Vertreter der Bahn und der Firma Aldi am Montagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung. Beide wollen hohe Investitionen tätigen, beide stießen damit vor allem bei Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein auf große Bedenken und auch auf Widerstand.

 Stichwort Bahn: Andreas Tecklenburg von der DB Netze stellte dem Ausschuss Ideen zur Verbesserung des Lärmschutzes vor, den sich die Bahn in Altena 5,5 Mio. Euro kosten lassen könnte. An vielen Stellen des Stadtgebietes beträgt der Schalldruck durch die Bahn nämlich mehr als jene 59 Dezibel, die es nachts sein dürfen. Etwa 150 Millionen Euro pro Jahr gebe die Bahn bundesweit aus, um den Schallschutz an bestehenden Strecken zu verbessern – freiwillig, eine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt es nicht. Neben passiven Maßnahmen (das sind Zuschüsse an Hauseigentümer insbesondere für den Einbau von Schallschutzfenstern) gibt es auch aktive Maßnahmen, also den Bau von Schallschutzwänden, wie man sie auch von Autobahnen kennt.

 Ein solches Bauwerk könnte in Höhe der Kläranlage errichtet werden, um den Knerling zu schützen. Während das unumstritten war, kündigte Hollstein für den nächsten Abschnitt „Widerstand bis hin zum Bundesverkehrsminister“ an, obwohl die Bahn-Vertreter mehrfach betonten, dass es sich um Vorschläge handele und dass der Bahn an einer Kooperation mit den Kommunen und deren Bürgern gelegen sei. In der Sache ging es um Lärmschutzwände zwischen Hünengraben- und Buchholztunnel: Beidseits der Gleise, zwei bis drei Meter über Gleisniveau und nur an wenigen Stellen (zum Beispiel am Bahnhof) unterbrochen – so sieht der technisch perfekte Lärmschutz für Innenstadt, Mühlendorf und Behördenviertel aus.

Dass das optisch weniger gelungen sei, monierten neben dem Bürgermeister auch die Sprecher der Ratsfraktionen. Sie befürchten auch, dass es an einer solchen Mauer ein massives Graffiti-Problem geben könnte. „Irgendwas um 1870 herum“ sei die Bahn ins Lennetal gekommen, die Bürger hätten sich längst an den Lärm gewöhnt, sagte CDU-Sprecher Uwe Scholz, der selber in der Innenstadt wohnt: „Eher wache ich auf, wenn nachts mal keine Züge fahren“.

An diesem Anblick stören sich die  Politiker massiv.  

Beschlossen wurde am Ende, dass Bahn und Bauamt gemeinsam Vorschläge entwickeln sollen, wo Schallschutzwände gebaut werden können und wo nicht. Um Ästhetik ging es dem Bürgermeister auch, als es um eine geplante Erweiterung des Aldi an der Bahnhofstraße ging. Während der Discounter andernorts Märkte abreißen und dann neu bauen lässt, um sein neues Filialkonzept umzusetzen, ist in Altena ein 430 Quadratmeter großer Anbau an das vorhandene Gebäude geplant, der den großzügig verglasten Eingangsbereich aufnehmen soll. Außerdem soll die Filiale innen völlig umgebaut werden. Der Anbau kann im laufenden Betrieb erfolgen, für den Umbau innen müsste der Laden nach Angaben der Planer zwei bis drei Monate geschlossen bleiben.

 Dass an der Bahnhofstraße nicht 1:1 das neue Filialkonzept umgesetzt werden kann, liege am Zuschnitt des Grundstückes zwischen Bahn und Bundesstraße. Es sei nur 25 Meter breit, das zwinge zu Kompromissen, sagte Isabella Kinzel vom Architekturbüro Eicker in Halver, das schon mehrere Aldi-Filialen geplant hat.

Der Getränkemarkt ist optisch wahrlich nicht besser  als der Aldi 

Außen soll sich am Bestand nur die Farbe der zur Bahnhof weisenden Wand ändern. Die jetzt roten Klinker sollen durch dunkelgraue ersetzt werden und braune Dachbleche teilweise grau gestrichen werden – das soll’s dann gewesen sein. Viel zu wenig, befand der Bürgermeister und ließ deutlich erkennen, dass er einen Groll gegen das Unternehmen Aldi hegt: „In der Vergangenheit wurden Absprachen nicht eingehalten“, monierte er – dabei ging es ihm um die Ausmaße des Grünstreifens am Rande des Parkplatzes und dessen Pflege. Insgesamt seien die Vorschläge des Planungsbüros nicht geeignet, zu einer „Adressbildung“ beizutragen. Nachbesserungen seien dringend erforderlich, insbesondere was die zur Bahnhofstraße zeigende Fassade angehe.

 Der SPD-Ratsherr Matthias Bergfeld schlug vor, Aldi dazu zu bringen, die vorhandenen Oberlichter durch „richtige“ Fenster zu ersetzen. Uwe Kober (CDU) erinnerte daran, dass die Bahnhofstraße „ohnehin nicht die schönste Ecke Altenas“ sei und eine attraktive Gestaltung des Aldi-Marktes womöglich ein Zeichen setzen könnte. Kobers Parteifreund, der Dahler Ortsvorsteher Helmar Roder, brachte dann noch die Aldi-Filiale in Dahle ins Spiel – die dürfe durch die Maßnahme am Bahnhof keinesfalls gefährdet werden.

Gegenüber des Aldi-Marktes sehe es so aaus. Dagegen sei nichts zu machen, erfuhr der CDU-Politiker Björn Uhr, als er sich im Sommer über die Zustände beschwerte

 Um den Umbau realisieren zu können, muss ein sogenannter Vorhaben- und Erschließungsplan geändert werden. Der Ausschuss beschloss, dass Aldi im Zuge dieses Verfahrens eine bessere Grünpflege, die Sicherung des Standortes Dahle und eine bessere Optik garantieren müsse. Hollstein: „Und das will ich schriftlich haben“.

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