Lärmschutz: Bahn baut Wand in Burgmauer-Optik

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Lärmschutzwände will die Bahn ab 2021/22 in Altena bauen.

Altena – Ein bis drei Meter hohe Lärmschutzwände plant die Bahn in Altena - und zwar teilweise in Optik der Burgmauer. Von den Wänden sind nicht alle Anwohner begeistert.

Der geplante Lärmschutz entlang der Zugstrecke in Altena bewegt die Anwohner. Das wurde bei der Informationsveranstaltung der Deutsche Bahn (DB) Netz AG deutlich, die in der Burg Holtzbrinck stattfand. Dort informierten die Projektleiter Sabrina Reinecke und Andreas Tecklenburg darüber, welche Lärmschutzmaßnahmen geplant sind und wie sie an welchen Streckenabschnitten umgesetzt werden sollen. 

Ziel der Sanierung ist es, Anwohner künftig besser vor dem Lärm der Züge, und dabei insbesondere der Güterzüge, zu schützen. Die Planungen der DB Netz AG sehen im Wesentlichen drei Maßnahmen vor, die zum Lärmschutz ergriffen werden sollen. 

„Pantoffeln“ für die Züge 

Neben den baulichen Veränderungen, die in Altena geplant sind, läuft bei der Bahn bereits die Umrüstung der Bremssysteme an den einzelnen Güterwagons. Diese sollen künftig rund vier Dezibel (dB) leiser werden. Finanziert wird die Umrüstung aus Bundesmitteln. Bis 2025 sollen alle Güterwagons der DB leiser auf den Schienen laufen. 

Andreas Tecklenburg betonte aber: „Der Umbau der Züge alleine reicht nicht.“ Wenn in Zukunft die Schienen in Altena auch für Containerzüge geöffnet werden sollten, um die Rheinschiene zu entlasten, steige die Lärmbelastung sogar. Der Güterverkehr durch die Burgstadt könnte sich in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppeln, wie interne Prognosen der Bahn ergeben haben. 

Schallschutzwände in Bruchstein-Optik

Nicht zuletzt deshalb sei es unerlässlich, die Anwohner zu schützen, betonte Andreas Tecklenburg. Aktiver Schallschutz: Lärmschutzwand Als zweite Maßnahme sieht die DB Netz AG den Bau mehrerer Schallschutzwände entlang der Schienen vor. Diese Wände sollen den Schallpegel von 60 auf 50 dB reduzieren. 

„Man darf sich aber von den Zahlen nicht irreführen lassen“, betonte Andreas Tecklenburg. Zehn Dezibel weniger entsprächen in der menschlichen Wahrnehmung etwa einer Halbierung des Lärms. Zwischen einem und drei Metern hoch sollen die Wände werden. 

Im Innenstadtbereich, von der Mittleren Brücke bis zur Fritz-BergBrücke, ist eine Höhe von einem Meter ab der Gleisoberkante vorgesehen. „Diese Höhe wurde geplant, um das Stadtbild nicht zu sehr zu zerschneiden“, erklärte Sabrina Reinecke. 

Schallschutz passend zur Burg: Durch diese Bruchstein-Optik soll sich die Wand optimal ins Stadtbild fügen.

Die Wände bestehen im Wesentlichen aus Pfosten, die im Abstand von fünf Metern im Boden verankert werden, einem Betonsockel sowie Aluminium-Elementen, die den Schall absorbieren. Das bedeutet, dass der Schall in den Bauteilen „gefangen“ und nicht, wie es die Befürchtung einiger Altenaer war, in andere Richtungen verteilt wird. Die Aluminium-Elemente können in verschiedenen Farben bestellt werden. Dadurch sollen sie sich möglichst gut in das Stadtbild einfügen. 

Zugstrecke zwei Monate gesperrt

Die DB Netz AG hat außerdem ein Sondermodell entworfen. Es handelt sich dabei um ein Schallschutz-Element in Bruchstein-Optik. Das könnte sich zum Beispiel am Erscheinungsbild der Burg orientieren. Die geplante Gesamtlänge der Wände liegt bei 3132 Metern. Kosten soll der Bau rund 5,6 Millionen Euro und würde ein Jahr dauern.

Zwei Monate müsste die Bahnstrecke vollständig gesperrt werden. Losgehen kann es frühestens Ende 2021, wenn bis dahin eine Genehmigung vorliegt. Der Antrag dafür soll bis Anfang 2020 gestellt werden

Passiver Schallschutz: Fenster und Lüfter

Die DB Netz AG hat im Vorfeld der Veranstaltung in der Burg Holtzbrinck ein Schallschutz-Gutachten erstellen lassen. Darin ist aufgeführt, welche Anwohner derzeit besonders stark von dem Schienenlärm betroffen sind und Anspruch auf die Fördergelder des Bundes haben, um eine Lärmschutzsanierung an ihrem Haus durchzuführen. Gefördert werden 75 Prozent der Umbaukosten. 25 Prozent muss der Anwohner selbst tragen. 

Die Umbauten sehen unter anderem das Einsetzen besonders dicker, schalldichter Fenster vor, sowie den Einbau einer Lüftungsanlage. Die soll dafür sorgen, dass Fenster nicht mehr geöffnet werden müssen, um frische Luft hereinzulassen. Förderanspruch haben alle, die so wohnen, dass der Lärm-Grenzwert auch nach dem Bau der Schallschutzwand noch überschritten wird. 

Solche Häuser befinden sich vor allem im Bereich zwischen der Mittleren Brücke und der Fritz-Berg-Brücke, wo Schutzwände mit nur einem Meter Höhe geplant sind. Die Anwohner müssen vorerst nicht selbst aktiv werden: Die DB wird alle Förderberechtigten postalisch informieren. 

"Städtebauliche Katastrophe"

Klar wurde während der anschließenden Diskussion vor allem: Eine einheitliche Meinung zu der Wand gibt es nicht. Einige Anwohner waren klar gegen den Bau, sprachen gar von einer „ganz schlimmen Verschandelung der gesamten Stadtansicht“ und einer „städtebaulichen Katastrophe“. Sie hielten das Projekt für „verkehrt“. 

Eine große Befürchtung: Die Wand könnte von Sprayern beschmiert werden. Vielfach wurde auch die Notwendigkeit der Maßnahme infrage gestellt, weil der Lärm einige Anwohner laut eigener Aussage nicht störe.

Andere hingegen betrachteten die Sache positiv: „In vielen Bereichen wird so eine Wand gar nicht auffallen, weil sie in Wald- oder Böschungsnähe gebaut wird. Außerdem kann man sie ja auch noch durch Bepflanzung gestalten“, sagte ein Anwesender. 

Eine andere Frau: „Ich habe erst befürchtet, dass die Wand so wirken könnte wie die Mauer damals in der DDR. Aber jetzt, da ich die Farben und Materialien gesehen habe, glaube ich nicht, dass die Wand das Stadtbild nachhaltig stören wird.“ 

Angemerkt wurde außerdem, dass durch den Lärm – vor allem, wenn er in Zukunft steigen sollte – der Wohnwert der Stadt weiter sinken könnte. Die meisten Diskussionsteilnehmer teilten am Ende mit, dass sie sich eine bessere Visualisierung gewünscht hätten: „Man kann sich die Wand so gar nicht richtig vorstellen.

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