Schlimme Zustände

Drogen, Müll, Exkremente und Rallyes: Schreckliche Zustände in Parkhaus im MK

Behördenparkhaus
+
Nicht nur architektonisch ein Problemfall: Das Behördenparkhaus an der Bismarckstraße.

Quietschende Autoreifen, dröhnende Musik, Müll und menschliche Exkremente: Anwohner beschweren sich seit Jahren massiv über die Zustände im Parkhaus im MK.

Altena – Kein Foto, keine Namen und schon gar keine Adressen: Die Männer und Frauen, die Müller für einen Ortstermin im Behördenparkhaus zusammengetrommelt hat, wollen anonym bleiben. Aus gutem Grund: „Ich bin hier schon tätlich angegriffen worden, als ich mich beschwert habe“, sagt einer von ihnen.

Jedes Wochenende gehe es rund im Parkhaus, schildern dessen Nachbarn – wobei der Begriff durchaus weit gefasst ist: Auch von der Lüdenscheider Straße ist einer gekommen. Nicht nur sein Haus werde aus Richtung Behördenparkhaus regelrecht unter Beschuss genommen, sagt er und zeigt auf die Fassade mehrerer Gebäude, auf denen unschöne Flecken davon künden, dass dort Eier gelandet sind. „Für diese Entfernung braucht man Steinschleudern“, ist sich der Hausbesitzer sicher.

Eier auf Hauswände geschleudert

Die vorsätzliche Sachbeschädigung ist das eine. Das andere ist Müll, jede Menge Müll. „Nach jedem Wochenende sieht es dort verheerend aus“, sagt Robert Groppe, der Chef des Baubetriebshofs. Jeden Montag ist im Behördenparkhaus Großeinsatz für die Kehrmaschine angesagt: „Scherben, Flaschen, jede Menge Verpackungsmüll von McDonalds. Wir finden auf allen Etagen jede Menge Abfall“, schildert Groppe.

Noch schlimmer sei es im Treppenhaus, wo seine Mitarbeiter händisch sauber machen müssen. „Wir finden dort immer wieder Urinlachen und menschliche Exkremente“, schildert der Leiter des Bauhofs und spricht von einer für seine Mitarbeiter eigentlich unzumutbaren Situation.

Auch die Umgebung ist vermüllt

Schlimm sieht es auch auf dem Steilhang zwischen Parkhaus und Lüdenscheider Straße und im Garten des Gemeindehauses der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde aus, weil mancher Müll einfach über die Brüstung des rundum offenen Parkhauses fliegt. Da würden durchaus auch gezielt Flaschen in Richtung ihrer Häuser geworfen, berichten die Anlieger.

Wer dort sein Unwesen treibt, hört man manchmal in weiten Teilen der Innenstadt – dann nämlich, wenn im Parkhaus mal wieder Rennen gefahren werden und Autos mit quietschenden Rädern durch die Etagen heizen. „Es ist ein Wunder, dass dabei noch nichts passiert ist“, meint ein Anwohner.

Störer stammen aus der Autoposer-Szene

Zwar gebe es hin und wieder auch Probleme mit fußballspielenden Jugendlichen, am schlimmsten seien aber Autoposer, die sich jedes Wochenende dort träfen. Nicht nur aus dem Märkischen Kreis kämen die Fahrzeuge, sondern oft auch aus dem Ruhrgebiet. Sie beklagen auch, dass auf der Anfahrt über die Gerichtsstraße rücksichtslos gerast werde.

Im Parkhaus selbst sei dann Party mit Burgblick und voll aufgedrehten Boxen angesagt, schildern die Nachbarn – und das bis in die frühen Morgenstunden, sodass an Schlaf kaum zu denken sei.

Beschwerden würden mit obszönen Gesten, Beschimpfungen und Androhung körperlicher Gewalt beantwortet. Ein Betroffener ist es inzwischen so leid, dass er seine Wohnung im Baugesellschaftshaus direkt neben dem Parkhaus gekündigt hat. „Das ist eine schöne Wohnung, aber ich halte das einfach nicht mehr aus“, sagt er.

Ein Betroffener zieht jetzt weg

Eine der Teilnehmerinnen des von Müller initiierten Gespräches hat den Ausdruck einer E-Mail mitgebracht, die sie 2017 an den damaligen Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein geschickt hat und in der sie neben Lärm und Müll auch Drogenkonsum und mehr oder weniger offen zur Schau gestellten Sex beklagt. Die Antwort des Verwaltungschefs sei unbefriedigend gewesen, schildert sie. Auch vom Ordnungsamt fühle sie sich im Stich gelassen. Das Behördenparkhaus ist seit Jahren ein Problemfall.

Immerhin kommt die Polizei. Nur noch in ganz krassen Fällen wähle man den Notruf, schildern die Anlieger. Sie berichten auch, dass die Ordnungshüter in dem Parkhaus regelmäßig Streife fahren. Das bestätigt Kreispolizeisprecher Christof Hüls und spricht davon, dass die Situation in den vergangenen Monaten eher ruhig gewesen sei – „vielleicht wegen Winter und Corona“.

Der Aufenthalt in dem Parkhaus sei nicht verboten, sondern sogar erwünscht, sagt Hüls mit Hinweis auf den Selfie-Point auf dem oberen Parkdeck. Einschreiten könne die Polizei bei Ruhestörungen oder Sachbeschädigung, das sei in der Vergangenheit auch passiert. „Die Kollegen sprechen dann Platzverweise aus.“ So wie bei einem Großeinsatz als die Situation unter Jugendlichen völlig eskalierte. Bei den Störern handele es sich meist um junge Erwachsene, die Mehrzahl komme nicht aus Altena.

Müller für Videoüberwachung

Der CDU-Kommunalpolitiker Thorsten Müller, in dessen Wahlbezirk das Behördenparkhaus liegt, drängt auf Maßnahmen zur Eindämmung der Probleme. Zunächst einmal müssten der Polizei Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, Leute des Parkhauses zu verweisen. Das könnte eine Satzung sein, die regelt, was in Altenas öffentlichen Parkhäusern erlaubt ist und was nicht. Nicht erlaubt ist, das Parkhaus mit Graffiti zu beschmieren. Auch das passiert immer wieder.

Thorsten Müller will das Thema im Rat und seinen Ausschüssen zur Sprache bringen.

Eigentlich sei er kein Freund von Videoüberwachung, meint der Kommunalpolitiker. In diesem speziellen Fall halte er aber auch das für angebracht. Die Anwohner wünschen sich, dass das Parkhaus nachts geschlossen wird, zum Beispiel durch Rolltore oder Schranken.

Allerdings ist das baulich nicht ganz einfach, weil das Gebäude recht offen gestaltet ist. Die untere Einfahrt lasse sich aber vielleicht doch mit Tor oder Schranke verschließen, meint Müller. Dann könnten Fahrer wenigstens nicht mehr so einfach vor der Polizei flüchten.

Müller wünscht sich auch eine Ordnungspartnerschaft zwischen Ordnungsamt und Polizei. Er wisse, dass die Zusammenarbeit gut sei. Es könne aber hilfreich sein, ihr durch eine offizielle Partnerschaft mehr Struktur zu geben, in dem gemeinsames Vorgehen klarer als bisher definiert werde.

Anweiler: Verwaltung prüft Maßnahmen

Die Ordnungsamts-Chefin Ulrike Anweiler spricht im Zusammenhang mit dem Behördenparkhaus von einer „unendlichen Geschichte“, die kürzlich erst Thema im Verwaltungsvorstand gewesen sei. Dort sei über verschiedene Maßnahmen gesprochen worden, deren Umsetzbarkeit geprüft werde.

Um was es konkret geht, will sie zunächst nicht verraten, „um keine falschen Hoffnungen zu wecken“. Geplant sei auf jeden Fall, mit den nächtlichen Nutzern des Parkhauses ins Gespräch zu kommen, um an deren Einsicht zu appellieren. Müller will das Thema jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung und im Rat zur Sprache bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare