Kunstklüngel: Zündende Idee der Werkstatt Altena

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HNO-Mediziner und Werkstatt-Vorsitzender Matthias Rüth schmückt seine Praxis mit einer Leih-Kunstgabe.

ALTENA - Mehr als drei Dutzend Bilder, Zeichnungen, Holzschnitte und noch einmal zehn, 15 Skulpturen befinden sich im Magazin der Werkstatt Altena. Allesamt Arbeit von Stipendiaten, die der Verein „zur Förderung junger bildender Künstler“ seit seiner Gründung 1976 erhielt. Denn alle Frauen und Männer, die als junge aufstrebende Kunstschaffende teils ein Jahr am Ort lebten und arbeiten, hinterließen ihr ganz persönliches Erinnerungsstück.

„Wir haben uns gesagt, all diese Schätze, und das sind die Arbeiten durch die Bank, sind doch für ein Verstauben im Magazin viel zu schade“, sagt Vereinsvorsitzender Matthias Rüth. Der Arzt kennt die Praxis verschiedener Galeristen, Werke auf Zeit an Privatleute oder Unternehmen gegen Gebühr zu verleihen. Er wisse nicht, ob dies passiere, um mit Leih-Kunst vielleicht Eindruck bei Verwandten, Gästen oder Geschäftsfreunden machen zu wollen. „Wir haben diesen Gedanken aufgenommen, nennen das ganze Kunstklüngel und bieten unseren Mitgliedern an, Exponate kostenfrei für ein Jahr mit nach Hause zu nehmen.“

Er selbst hat sich für ein Ölbild „Häuserensemble in Altena“, entschieden. Ralf Scherfose hat es vor 21 Jahren gemalt. „Wissen Sie, Patienten, die zu mir kommen, müssen häufiger warten. Warum sollen sie dann nicht in der Praxis dieses Bild betrachten und sich ihre Gedanken machen?“

Intimer, persönlicher geht es bei Roland Balkenhol zu. Der Stadtplaner hat sich für ein farbenfrohes Gemälde von Manfred Schmidt entschieden. „Der hat damals einen Atelierstuhl gemalt. Ich finde es noch immer faszinierend, wie er das umgesetzt hat. Und meiner Familie gefällt das Motiv auch.“ Noch heute verbindet der Kassenwart der Werkstatt „ein Gesicht mit Schmidt“, der 1995 in Altena war. Das Bild hängt „bei uns zu Hause über dem Sofa, neben einer Miniatur der 2000-Stipendiatin Heike Schwegmann.“

„Kunst heißt für mich, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ich erfreue mich daran, egal, welche Technik zum Beispiel ein Maler dabei verwandt hat.“ Das sagt Marie-Luise Scholl. Sie entschied sich für ein „kleines Werk“, ebenfalls von Heike Schwegmann und kaufte für ihr Wohnumfeld noch eine Arbeit von Jochen Slawitzki an. Der war 1977 der erste Stipendiat der Werkstatt Altena. „Bilder, Skulpturen, Installationen – ich habe einfach Freude an den schönen Dingen des Lebens“. Deshalb findet Scholl die Idee des Werkstatt-Vorstandes „auch umwerfend gut.“

Friseurmeister Josef Auwermann begrüßt seine Kunden im Geschäft mit einer fast mannshohen Buchenholz-Skulptur von Helmut Büchter (entstanden 1978) und hat sich zudem ein Holzrelief von Heiko Börner (Stipendiat 2005) gekauft. „Ich werde immer wieder auf beide Objekte angesprochen. Kunst gehört in die Öffentlichkeit.“

Lutz Bernsau – Freischaffender Künstler und Designer am Ort – war 1979 Stipendiat. Er hinterließ ein 100 mal 130 Zentimeter großes Werk in Mischtechnik auf Leinwand, das jetzt eine fast vier Meter hohe Wand im Zuhause von Klaus Storch ziert. „Wir haben uns sofort in diese Arbeit verliebt“, sagt das Mitglied der Märkischen Fotografen. Bernsau habe sein „feines künstlerisches Händchen“ hier einmal mehr unter Beweis gestellt. „Wenn wir es wieder abgeben müssen, reißt es ein großes Loch...“

von Johannes Bonnekoh

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