Die Kunst der großen Liebe

ALTENA ▪ Ein Autor kommt nach Hause. Am Freitagabend las Peter Prange im ausverkauften Saal der Burg Holtzbrinck Auszüge aus seinem neuen Buch „Himmelsdiebe“. Veranstaltet wurde die Autorenlesung von Buchhandlung Katerlöh und der Stadtbücherei Altena.

Mit einer Geschichte um das Wagnis der Liebe, außergewöhnlichen Charaktere und dem Leben in einer schwierigen Zeit bot der gebürtige Altenaer Unterhaltung auf hohem Niveau. „Peter Prange hat“, wie Frank Leienbach stellvertretend für den Förderverein der Stadtbücherei Altena sagte, „eine trockene Geschichte, wie wir sie aus dem Geschichtsunterricht kennen, mit Leben gefüllt“.

„Himmelsdiebe“ ist die Geschichte eines ungleichen Paares, das in der Zeit des Nationalsozialismus bestehen muss. Es ist ein Buch über die Kunst der großen Liebe. Es geht um gesellschaftliche Grenzgänge, und das Gefangensein der Protagonisten zwischen Normalität, Realität und Wahnsinn. Dabei scheinen die Grenzen nahtlos ineinander zu verschwimmen.

Die Geschichte des ungleichen Paars geht auf einen Zeitungsartikel zurück, der Peter Prange zufällig in die Hände fiel. Sie, Laura Paddington, ist eine Kunststudentin Anfang zwanzig. Er, Harry Winter, ein surrealistischer Maler Ende vierzig. Zusammen haben sie mit vielen Problemen und dem Druck der Gesellschaft zu kämpfen. Denn Harry Winter ist Deutscher und ist im nationalsozialistischen Deutschland bereits als entarteter Künstler verboten. Nicht ohne Grund erinnert die Geschichte an das Leben von Max Ernst und Leonora Carrington und basiert damit auf einer wahren Begebenheit. „Ich wollte kein Höchstmaß an Ähnlichkeit erzielen“, so Peter Prange, „schließlich ist mein Buch keine Biographie“. Vielmehr soll seine Geschichte das Drama einer Jahrhundertliebe erzählen.

Mit „Himmelsdiebe“ entführte Peter Prange das Publikum in eine Traumwelt und portraitierte zwei Widerstandskämpfer der anderen Art. Denn Laura und Harry lassen sich von der Gesellschaft nicht unterkriegen. Sie schaffen sie sich ihre eigene Welt aus Liebe und Kunst und leben ein regelrechtes Traumtänzertum. Doch von einem auf den anderen Tag bricht die Wirklichkeit über die beiden herein, als Harry von der Gendamerie verhaftet wird. Ob unter solchen Umständen Liebe stärker sein kann als die Realität, ließ Peter Prange in seiner Lesung offen. Stattdessen gab er mit kurzen Auszüge Eindrücke in die surrealistische Welt des Paares. „Das Recht auf Verrücktsein ist eines der großen Rechte des Menschen“, erklärte der Autor seinen Zuhörern.

Mit humoristischen Anekdoten und wertvollen Hintergrundinformationen ließ Peter Prange das Publikum an der Entstehungsgeschichte seines Romans teilhaben. So habe er interessanterweise die im Buch beschriebenen Orte, erst nach Fertigstellung der Geschichte besichtigt. Denn zu viel Wirklichkeit erdrücke die Imagination, stellte Peter Prange fest.

Im Anschluss nahm sich der Bestsellerautor viel Zeit Fragen zu beantworten und signierte die vielen Bücher, die die Zuhörer mitgebracht hatten.

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