Kunst und Demenz in der Bücherei

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Bernd Flues und Gäste, die sich die Bilder von Altenaer Schülern, Künstlern und Carolus Horn ansehen.

Altena -  „Schauen Sie genau hin! Das ist eine Kunst! – Diesen Hinweis gab gestern Abend Dorothee Ossenberg-Engels zur Ausstellungseröffung „Kunst und Demenz“ einem gut gefüllten Besucherkreis in der Stadtbücherei. Hier sind von örtlichen Schülern und Künstlern sowie dem an Demenz erkrankten und im Jahr 1992 verstorbenen Werbegrafiker Carolus Horn Bilder und Zeichnungen ausgestellt.

In teils sehr emotionalen Worten ging Ossenberg-Engels zunächst auf einige der Kunstwerke und ihre Machart ein. Sie sah in vielen Bildern, zu denen man vielleicht erst durch ein zweites bewusstes Hinsehen Zugang fände, eine „Reduktion auf Striche und Abstraktes“, wie sie sie persönlich auch aus vielen Bildern von Picasso kenne. „Schauen Sie genau hin, jedem fällt sicherlich etwas dazu ein“, so ihr Rat.

Sie dankte dem Netzwerk Demenz Altena, nannte es „beglückend und begeisternd“, dass sich eine Stadt mit einem solchen Thema befasse und auseinander setze. Altena möge finanziell arm sein als eine der am meisten gebeutelten Kommunen im Land NRW, „aber die Altenaer sind reich an Kreativität und Zuwendung.“

Aus persönlichem Erleben und Schicksal in der eigenen Familie riet sie allen, Dementkranken lächelnd zu begegnen. Niemand solle sagen, das kann die Person nicht mehr, sondern vielmehr den Focus darauf richten, das sie eben noch etwas anderes könne: Etwa Zeichnen und Malen, Musik machen. Die kleine Welt, in der Kranke sind befänden, müsse nicht zwingend traurig sein. Viele könnten „König in ihrem Reich sein“. Beispielhaft zeigte sie auf ein großformatiges Tulpenbild einer Demenzkranken, die „ihr Leben“ als blühendes Tulpenfeld dargestellt hat. Das sei bewundernswert, wenn man so sein Schicksal annehme. „Wir müssen die Menschen da abholen, wo man sie noch abholen kann“, gab sie allen mit auf den weiteren Weg.

Bernd Flues vom Netzwerk Demenz hatte in seiner Begrüßung gesagt, es sei Hauptaufgabe dem begriff Demenz die vielfach angstbesetzte Definition ein Stück weit zu nehmen und Menschen aus der Islolation zu holen. Er erinnerte an die seit Jahren stattfindenden Demenztage am Ort und die Betreuungsgruppe im alten Pfarrhaus, die donnerstags zusammenkommt. In Erinnerung an den verstorbenen Werner Panke regte Flues in Anwesenheit seiner Ehefrau Ulla an, die noch namenlose Betreuungsgruppe De-Art zu benennen.

Als kleines Dankeschön für Schüler der Hauptschule Rahmede und Altenaer Hobbykünstler überreichte Gleichstellungsbeauftragte Annette Wesemann Blumengrüße.

„Kunst und Demenz“

Ausstellung in der Stadbücherei

7. bis 29. März zu den Öffnungszeiten

Von Johannes Bonnekoh

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