Objektkunst aus Bienenwachs

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Barbara Wagner (rechts) stellt ausin ihre Werke führte Dr. Carolin Krüger-Bahr im Haus Köster-Emden ein. -

Altena -  Als Malmaterial wusste bereits die griechisch-römische Antike Bienenwachs zu gebrauchen. Erhaltene Exponate wie die berühmten Mumienporträts aus Fayum/Ägypten oder die Wandmalereien von Pompeji legen beredt Zeugnis davon ab.

Auch Barbara Wagner, die bis 14. Juni 2014 in der Stadtgalerie Bienenwachsarbeiten und Zeichnungen zum Thema „Hortus“ (lat. Garten) präsentiert, schätzt das von den Honigbienen zum Bau ihrer Waben abgesonderte Wachs – natürlich gelb oder weiß gebleicht – als Ausgangsmaterial ihrer Kunst. Mit der (Enkaustik)Technik der Antike haben ihre Arbeiten ansonsten allerdings wenig gemein.

„Bienenwachs ist ein unheimlich lebendiges Material. Es gibt auch für mich immer wieder neue Erkenntnisse“, so die Künstlerin, die gleichsam – ihr Vater war Imker – mit Bienen aufgewachsen ist und von klein auf mit dem Material vertraut ist.

Um tiefgreifende Transformationsprozesse, das Konservieren und Archivieren, Verhüllen und Verfremden geht es in ihrer facettenreichen Kunst mit heterogenen Verfahren. Nicht nur die Optik, sondern auch Haptik und Geruch sprechen die Malerei, die Objektkunst, Zeichnungen und fotografische Arbeiten an. Mal „samtig“, mal filigran wecken sie den Wunsch, sie zu berühren.

„Ihr künstlerisches Werk fällt in ganz besonderem Maße ‚aus dem Rahmen’“, lobte Dr. Carolin Krüger-Bahr, die am Donnerstagabend bei der gut besuchten Vernissage die Einführung in das Werk der gebürtigen Züricherin, die seit 1981 in Deutschland lebt und heute in Wetter an der Ruhr zu Hause ist, vornahm.

Bis in die Antike reichte ihr Rückblick auf die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Wachs in seinen unterschiedlichen Aggregatzuständen. Als Klebe- und Konservierungsmittel, Speichermedium, Schreibfläche, Licht- und Energiespender habe Wachs gedient. Medizin und Kosmetik nicht zu vergessen. Wachs sei ein „vielfältiges und komplexes Material“.

Auf Totenmasken („Bewahren einer Persönlichkeit“), und Wachsfigurenkabinette kam sie zu sprechen. Auch bei Barbara Wagner, die eine fundierte künstlerische Ausbildung an der Schule für Gestaltung in Zürich genoss, sei der konservierende Aspekt ein ganz wesentlicher. Ebenso der des Verfremdens.

Visuell ging Dr. Carolin Krüger-Bahr, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Städtischen Galerie Lüdenscheid, mit den Vernissagebesuchern die einzelnen Räume der Ausstellung durch. Sie sprach über die durch Gips verfremdeten und konservierten Brennnesselstäbe („Sie stehen aufrecht und sind dennoch von filigraner Konsistenz“) im Eingangsbereich, über gerahmte und ungerahmte Zeichnungen in Mischtechnik mit amorphen Formen und teilweise leuchtenden Farben, über in Wachstafeln eingearbeitete Fotos mit frappierender Wirkung, und von wächsernen Pflanzen unter Glas sowie ausdrucksstarken Bildträgern aus eingefärbtem Wachs. von Monika Salzmann

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