Ehrenamtliche erzählen

Von der Arbeit mit Geflüchteten: Der Kummer der Kümmerer

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Ludger Leweke brachte viele Erfahrungswerte in die Diskussion ein. Er hat in der Arbeit mit alleinreisenden Männern viele Erfolgsgeschichten erlebt, aber auch bittere Enttäuschungen.

Altena - Wie geht es den Kümmerern? Diese Frage haben sich Mitarbeiter aus Rat und Verwaltung am Dienstag von ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Altenaern selbst beantworten lassen. Essenz des Abends unter Moderation von Hildegard Falterbaum: Den Helfern ist wichtig, zu erfahren, was aus ihren Schützlingen geworden ist, nachdem sie die Stadt verlassen haben oder mussten.

Sind sie eigentlich noch alle da? Diese Frage hat auch die Ehrenamtlichen umgetrieben, seitdem vor drei Jahren 102 von der Stadt Altena freiwillig aufgenommene Menschen hier angekommen sind. Anette Wesemann hat Zahlen dazu: Sieben sind freiwillig zurückgekehrt in den Irak, zwei sind über das Dublin-Verfahren in Drittstaaten überführt worden und fünf sind verzogen. 

Für insgesamt 90 - darunter auch der Stadt zugewiesene Menschen - läuft noch ein Asylverfahren. Viele der mittlerweile anerkannten alleinstehenden Männer und auch Familienväter sind in Lohn und Brot gekommen - auch mithilfe ihrer Altenaer Unterstützer. Zu manchen Geflüchteten ist der Kontakt abgebrochen, nachdem die ersten Hürden überwunden waren.

Hildegard Falterbaum bietet regelmäßige Supervisionen für die Kümmerer in Altena an.

Zu vielen sind gute und freundschaftliche Verhältnisse aufgebaut worden, berichtete der Kümmererkreis. Aber es gibt auch Erlebnisse, die enttäuscht haben, wie Ludger Leweke schilderte: Ein von ihm betreuter cleverer junger Mann, der mit Bravour jeden Deutsch-Aufbau-Kurs bestanden und auch frisch einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatte, hat die Lehre vor wenigen Tagen abgebrochen. Ludger Leweke hat das wehgetan.

Lehre abgebrochen

Viel Energie und Zeit hat er aufgewendet, um seinem Schützling eine gute Zukunftsperspektive bieten zu können. All die Mühen scheinen nun vergebens und die Begründung für den Schritt, die Ausbildung abzubrechen, kommt dem Kümmerer wenig einleuchtend vor: „Er hat gesagt, sein Bruder liege mit gebrochenem Fuß im Krankenhaus und er müsse sich nun um ihn kümmern.“

Eine starke familiäre Steuerung von Geflüchteten habe in der Vergangenheit immer mal wieder für Unverständnis gesorgt. Das haben auch die hauptamtlichen Begleiter im Rathaus erfahren.

Andere Mentalität

 „Es wird natürlich mehr auf die Mutter in Syrien gehört, als auf einen ehrenamtlichen oder einen Sachbearbeiter im Amt. Das ist aber auch dem Kulturkreis geschuldet, aus dem die Menschen kommen. Da hat das Wort der Familie immer mehr Gewicht“, weiß Samira Lorsbach, die sich mit Dany Becker bei der Stadt um Flüchtlingsbelange kümmert. 

Dass solche Erfahrungen Kümmerer traurig stimmen, haben die Mitarbeiter der Stadt durchaus wahr- und ernstgenommen. Deshalb ist Diplom-Therapeutin Hildegard Falterbaum auch regelmäßig für Supervisionen gebucht, in denen sich Kümmerer austauschen und ihre Erfahrungen mitteilen können.

Gut angenommen

 „Der Abend am Dienstag wurde aber weitaus besser angenommen, als diese Nähe- und Distanz-Angebote“, bilanziert Anette Wesemann, die die ehrenamtlichen Aktivitäten vom Stellwerk aus koordiniert. Der Austausch miteinander scheint ein wichtiges Anliegen von Kümmerern zu sein, hat Anette Wesemann festgestellt. 

Weil es auch ihr Verdienst war, dass Dr. Andreas Hollstein die Nansen-Medaille erhalten hat, sind sie eingeladen am 10. Dezember: Dann findet um 17 Uhr eine Nachfeierstunde im Rathaus statt mit den Ehrenamtlichen.

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