Klaus-Peter Uhlmann informiert Vereinsvertreter über Missbrauchsprävention

Kultur des Hinsehens schaffen

+
Klaus-Peter Uhlmann veranschaulichte sehr deutlich, wie unterschiedlich der Vereinsalltag wahrgenommen werden kann. Was Spaß ist und grenzverletztendes Verhalten lässt sich nicht eindeutig trenne

Altena - Klaus-Peter Uhlmann erzeugt ein Bild im Kopf seiner Zuhörer: In einer Kindergruppe im Sportverein zieht ein Siebenjähriger einem Altersgenossen die Hose herunter. Uhlmann fragt: „Ist diese Situation bereits als Grenzverletzung anzusehen?“ Die Mehrheit der Altenaer Vereinsvertreter im Bürgerzentrum Nettenscheid sagt ja. Einer von ihnen sieht aber beide Jungs in dieser Szene lachen.

Klaus-Peter Uhlmann betont gegenüber seinen Zuhörern, dass jedes Bild und jede Einschätzung korrekt sind. Aber das Gedankenexperiment schärft die unterschiedliche Wahrnehmung für grenzverletztendes Verhalten enorm. Der Referent des Landessportbunds nimmt ein weiteres Bild auf: Ein Sporttrainer nimmt nach der wöchentlichen Übungsstunde immer dasselbe Kind in seinem Auto mit. Ist das fürsorglich oder bedenklich? „Es ist unsere Aufgabe im Ehrenamt, solche Situationen aus verschiedenen Perspektiven zu hinterfragen“, erklärt Uhlmann. Seit 2012 ist auch die Politik verschärft daran interessiert, sexuellem Missbrauch in Vereinen und Institutionen vorzubeugen.

Im Bürgerzentrum Nettenscheid hatten sich am Dienstag Altenaer Vereinsvertreter eingefunden, um sich zu informieren.

In dem Jahr - zwei Jahre nach Bekanntwerden des systematischen Missbrauchs an der Odenwaldschule - wurde das Bundeskinderschutzgesetz verschärft. Seither wird darauf gedrängt, dass sämtliche Vereinsvertreter mit Kontakt zu Kindern ein lupenreines erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können. Klaus-Peter Uhlmann weiß aber, dass jenes Schriftstück im Alltag kaum eine Rolle spielt: „Täter sind sehr geschickt darin, ihre Opfer unter Druck zum Schweigen zu bringen. Deshalb braucht Vereinsleben eine Kultur des Hinsehens.“ Insbesondere in (Sport-)Vereinen hätten Täter leichtes Spiel: „Der Kontakt zu Kindern ist bereits da und muss nicht erst mühselig aufgebaut werden.

Vertrauen

Auch das Vertrauensverhältnis ist bereits da. Manche Kinder erzählen ihren Trainern ja oft mehr, als ihren eigenen Eltern.“ Vereine könnten Missbrauch vorbeugen, indem sie ihre Kultur des Hinsehens klar kommunizieren: „Stellen Sie klar, dass in Ihrem Verein gar keine Eins-zu-Eins-Situationen geschaffen werden und eine Person nie mit einer anderen alleine ist. Teilen Sie mit, dass Sie wahrnehmen, bei wem ein Kind nach der Gruppenstunde ins Auto steigt“, rät Klaus-Peter Uhlmann. Er informierte im Rahmen des Seminars von Jugendamt und Stadtjugendring auch über rechtliche Aspekte des Bundeskinderschutzgesetzes: Vereine gehen eine Garantenstellung ein, wenn Eltern ihnen Kinder in ihre Obhut geben.

Schädliche Einflüsse

Die Mitglieder sind per Gesetz verpflichtet, Kinder vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Das geht so weit, dass Gruppenleiter sogar einen Raum überprüfen müssen, bevor sie ihn mit Kindern betreten. „Wir wissen schließlich nicht, ob dort nicht jemand ein Pornoheft hat rumliegen lassen.“ Uhlmann rät Vereinsvertretern, die vielen Feinheiten des Gesetzes zu kennen und zu verinnerlichen. Aber auch die persönlichen Empfindungen über grenzverletzendes Verhalten zu prüfen: „Eine für Sie ganz harmlose Situation kann von anderen ja auch mal als übergriffig gewertet werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.