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Künstlerin verarbeitet erlebtes Leid: Ein Anblick, der die Kehle zuschnürt

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Von: Monika Salzmann

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Die Besucher schauten sich bei der Eröffnung die Ausstellung genau an. Sie ließen die dargestellten Szenen auf sich wirken.
Die Besucher schauten sich bei der Eröffnung die Ausstellung genau an. Sie ließen die dargestellten Szenen auf sich wirken. © Salzmann, Jakob

Das Material: Zeitungspapier. Die Themen: Gewalt gegen Frauen, Kriegsgräuel, unendliches Leid, Angst, Tod und Schmerz. Dass Kunst helfen kann, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, beweist die Ausstellung „Rose aus Idleb – 1001 Tage… bis Du gehst“, die am Dienstag in der Burg Holtzbrinck eröffnet wurde.

Altena - Schlicht „Rose“ nennt sich die Künstlerin, eine Grundschullehrerin aus Syrien, die 2015 aus ihrer Heimat nach Deutschland floh. „Gut 100 Figuren brachen in einem plötzlichen Schaffensakt regelrecht aus mir heraus, nachdem ich zu einer Technik gefunden hatte, Menschen und ihre schicksalhaften Umstände in Szenen zu bannen, die vor meinen Erinnerungen und Alpträumen Bestand haben“, sagt sie.

Zur Vernissage, zu der sich ausgesprochen viele Besucher zunächst in der Lutherkirche einfanden, fand Hanna Freissler, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Altena, bewegende Worte. Auf die „kleine, stille Armee“, wie „Rose“ ihre filigranen, zerbrechlich wirkenden Figuren nennt, und die von den Figuren transportierte Botschaft, die nicht still sein dürfe, nahm sie Bezug. Die Figuren würden zeigen, wie zerbrechlich Demokratie, wie zerbrechlich der Frieden ist.

„Rose“ habe die schrecklichen Bilder, die die Figuren vor Augen führen, selbst miterlebt. Den Angriff Russlands auf die Ukraine schloss Hanna Freissler in ihre Ausführungen ein. Mit ihren Figuren habe „Rose“ einen beeindruckenden Weg gefunden, um gegen den Krieg ihre Stimme zu erheben. Vertiefend erzählte der Altenaer Fotograf Klaus Storch, der das Ausstellungsprojekt begleitete, von der ersten Begegnung mit der Künstlerin und der an ihn herangetragenen Bitte, die Figuren zu fotografieren.

Begonnen habe alles mit einer gelben Balletttänzerin aus gefärbtem Altpapier. Auf Kunst aus Papier, die sich hauptsächlich an der japanischen Kunst des Papierfaltens (Origami) festmachen lässt, und die unterschiedlichsten Möglichkeiten, Papier zu bearbeiten, ging er ein.

Schlicht „Rose“ nennt sich die Künstlerin, eine Grundschullehrerin aus Syrien, die 2015 vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat nach Deutschland floh.
Schlicht „Rose“ nennt sich die Künstlerin, eine Grundschullehrerin aus Syrien, die 2015 vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat nach Deutschland floh. © Salzmann, Jakob

Wie sehr ihn selbst manche Figuren aus der bewegten Vergangenheit der Künstlerin aufwühlten und erschütterten, ließ er die Vernissage-Besucher wissen. „Diese kleine, stille Armee umfasst alle Schicksale dieser Welt.“ „Rose“ sei es gelungen, aus Gewalt und Erlebtem etwas Positives zu machen.

Beim Wettbewerb „I am her voice“ des Vereins Bono-Direkthilfe, zu dem er mit Einverständnis der Künstlerin Bilder ihrer Figuren eingereicht habe, hätten die Figuren zu den 50 besten Arbeiten gehört. „Rose“ erhalte eine Doppelseite im Begleitbuch. Nicht unerwähnt blieb die „Touch“-Ausstellung in Mettingen, wo „Roses“ Figur einer Mutter, die ihr Kind an der Hand hält, Pate für eine Inszenierung stand.

Einblicke in die Gefühlswelt der Künstlerin und ihre Arbeitsweise erhielten die Besucher durch einen 2015 entstandenen Film der Londoner Filmemacherin Maren Hahnfeld. Eindrucksvoll in Szene gesetzt, schnürten viele Figuren in der Burg Holtzbrinck und die Geschichten, die beim Betrachten im Kopf entstanden, die Kehle zu. Gewalt in der Ehe, Erniedrigung der Frau, Flucht mit dem Nötigsten, Gräueltaten, Vertrautes, das in Schutt und Asche liegt, Ohnmacht, aber auch Alltägliches ließ sich aus de Figuren lesen, die nachhaltigen Eindruck hinterließen und zutiefst bewegten.

Veranstaltet wird die Ausstellung, die bis 14. April im Obergeschoss der Burg Holtzbrinck zu sehen ist, vom Kulturring, dem Stellwerk und dem Integrationsbüro der Stadt Altena. Zu sehen sind die Figuren am 7. April vom 10 bis 11.30 Uhr und 18.30 bis 20.20 Uhr, am 8. April von 18.30 bis 20 Uhr und am 9. April von 17 bis 18.30 Uhr. Ab 19 Uhr ist an diesem Tag zudem ein Vortrag von Dilbirin Murad zum Thema „Das Land Syrien: Verletzungen, die man nicht sieht“ geplant. Darüber hinaus ist die Ausstellung am 10. April von 11 bis 12.30 Uhr, am 12. und 13. April von 18.30 bis 20 Uhr sowie am 14. April von 10 bis 11.30 Uhr und 18.30 bis 20.20 Uhr geöffnet.

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