Von Anfang an Richtung Pflegeheim agiert

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Das Altenaer St. Vinzenz-Krankenhaus hat am Dienstag seinen Betrieb eingestellt.

Altena - Hat der St. Vinzenz-Insolvenzverwalter Thomas Thiele die Weichen von Anfang an in Richtung Pflegeheim gestellt? Das behaupten Insider – allerdings könnte es dafür aber auch gute Gründe geben.

Wichtigste Voraussetzung für die Erhaltung des Krankenhausbetriebes wäre es gewesen, die noch verbliebenen Ärzte im Haus zu halten. Das gelang nicht, Mitte Dezember kündigte nach nur fünfmonatiger Tätigkeit Dr. Bruno Myschor, der Chefarzt der inneren Abteilung. Diesem Schritt seien zahlreiche Gespräche vorangegangen, die es zum Ziel gehabt hätten, seine Gehaltsansprüche und die der anderen Ärzte zu erfüllen, was schon länger nicht mehr passiert sei, heißt es.

Entsprechenden Versprechungen des Insolvenzverwalters seien aber nie Taten gefolgt. Deshalb habe Dr. Myschor sein Arbeitsverhältnis Anfang Dezember mit dem Hinweis gekündigt, dass er zum 31. Dezember ausscheide, wenn ihm und den anderen Ärzten nicht innerhalb von neun Tagen das noch ausstehende Geld gezahlt werde. Als das nicht geschehen sei, habe Myschor am 19. Dezember sein Ausscheiden aus dem Krankenhaus verkündet.

Teure Honorarärzte verpflichtet

Aus dem Altenaer Kreisblatt vorliegenden Unterlagen ergibt sich, dass die ehemalige Geschäftsführung mit Andrea Arnold und Michael Leisner alles andere als konstruktiv zusammenarbeiteten: Verträge mit Ärzten, die vom Chefarzt und den Geschäftsführern ausgehandelt wurden, seien vom Insolvenzverwalter nicht mitgetragen worden – was auch zur Folge gehabt habe, dass für bis zu 1000 Euro pro Tag Honorarärzte verpflichtet werden mussten.

Gestört war das Verhältnis zwischen Arnold und Leistner einer- und Thiele andererseits wohl auch deshalb, weil die alte Geschäftsführung ihr Interesse daran signalisiert hatte, das St. Vinzenz zu übernehmen und als Krankenhaus mit Pflegeheim weiterzubetreiben. Auch darauf sei es zurückzuführen, dass der Insolvenzverwalter Mitte Dezember beim zuständigen Amtsgericht beantragte, die „Arbeitgebereigenschaft“ auf ihn zu übertragen, glaubt man in Krankenhauskreisen. Damit sei auch bewirkt worden, dass die Geschäftsführung bei den Entscheidungen über die Zukunft des Krankenhauses nicht mehr einbezogen werden musste.

Übernahme nur zu „angemessenen wirtschaftlichen Konditionen“

Allerdings: Eine Übernahme des Hauses könne nur zu „angemessenen wirtschaftlichen Konditionen“ erfolgen – darauf legt der Insolvenzverwalter in seiner Pressemitteilung Wert – und hat natürlich Recht damit. Schließlich hat er auch die Interessen der Gläubiger zu wahren, kann also schlecht unter Wert verkaufen.

Die Insolvenzmasse des Hauses beläuft sich gemäß eines Gutachtens auf 1,13 Mio. Euro. Davon müssen allerdings noch die Kosten des Insolvenzverfahrens abgezogen werden. Sie belaufen sich laut einer dem Altenaer Kreisblatt vorliegenden Berechnung des Insolvenzverwalters auf mindestens 99.670 Euro.

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