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Krieg erreicht die Schulen: Auch Kindergärten bereiten sich vor

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Von: Thomas Bender

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Für den Frieden auf den Schulhof: Schüler des Burggymnasiums bildeten auf dem Unterstufen-Schulhof ein Peace-Zeichen.
Für den Frieden auf den Schulhof: Schüler des Burggymnasiums bildeten auf dem Unterstufen-Schulhof ein Peace-Zeichen. © BGA

Selbst im Kindergarten machen sich die Erzieherinnen Gedanken, wie sie mit dem Krieg in der Ukraine umgehen sollen. Zum Beispiel die evangelischen Kindergärten am Knerling und am Drescheider Berg, für die Inge Harneid verantwortlich ist. An den Schulen hat es längst Reaktionen gegeben.

Altena – „Wir haben im Team darüber gesprochen und uns darauf verständigt, dass wir warten, ob die Kinder das von sich aus ansprechen“, sagt Inge Harneid, erfahrene Kindergartenleiterin, und stellt fest, dass die Eltern der Vorschulkinder in der Regel versuchen, das Thema von ihren Söhnen und Töchtern fernzuhalten. Und wenn es doch aufs Tapet kommt?

„Das Thema Kinderrechte spielt in unseren Einrichtungen schon länger eine Rolle“, sagt Harneid. Wenn der Krieg Thema werde, werde man deshalb versuchen, dessen Auswirkungen auf Kinder zu thematisieren.

Sprung zum Grundschulstandort Mühlendorf: Auch dort hat sich das Kollegium zusammen gesetzt und sein Vorgehen abgestimmt. Man könne das allgegenwärtige Thema nicht von den Kindern fernhalten, sagt Schulleiter Wolfgang Wilbers. Deshalb wird versucht, es altersgerecht aufzuarbeiten – etwa mit kindgerechten Nachrichten wie die von ZDF Logo.

„Die Kinder beschäftigt das schon sehr“, hat der Diplom-Pädagoge beobachtet. Das gelte vor allem auch deshalb, weil es in der Schule auch russischstämmige Kinder gebe. Dass es zu Anfeindungen gegen die komme, habe er bisher noch nicht erlebt.

In der Sekundarschule verweist man unter anderem auf die Sendung mit der Maus. Deren Redaktion hat Handlungsempfehlungen für Eltern veröffentlicht, die Anne Rohde und ihr Team in einem Elternbrief empfehlen. Darin wird auch dazu appelliert, die große Informationsflut einzugrenzen und die Kinder zu körperlicher Aktivität anzuhalten: „Aktivität hilft, gedanklich nicht in eine Sackgasse zu geraten. Ein möglichst geregelter, strukturierter Alltag ist ebenso hilfreich und vermindert Sorgen und Angst“, schreibt die Schule den Eltern.

An der Sekundarschule existiert ein Krisen- und Beratungsteam, das jederzeit ansprechbar ist und versucht, bei konkreten Problemen zu unterstützen: „Wir versuchen, alle sensibel, aber auch angemessen, sachlich und beruhigend damit umzugehen“, erklärt die Schulleiterin.

Es sei Aufgabe von Schule, den Ukraine-Krieg zu thematisieren. Da es an der Sekundarschule sowohl russisch- als auch ukrainischstämmige Schüler gibt, besteht nach Einschätzung Rohdes ein gewisses Konfliktpotenzial. Bisher seien ihr aber noch keine Zwischenfälle bekannt geworden. „Was wir natürlich nicht hoffen wollen ist, dass der Konflikt zwischen den beiden Ländern auf der Ebene der Schule zum Tragen kommt. Dennoch könnte auch das passieren“, sagt Rohde.

Vor diesem Problem steht im Prinzip auch Hans-Ulrich Holtkemper vom Burggymnasium, weil es solche Schüler auch dort gibt – „ich glaube aber schon, dass unsere Schüler wissen, dass die mit dem Krieg nichts zu tun haben“, sagt dieser Schulleiter dieser Schule.

Auch die Schüler der Grundschule Altena starteten an den Standorten eine solche Aktion.
Auch die Schüler der Grundschule Altena starteten an den Standorten eine solche Aktion. © Feuerwehr Altena

Die Schüler des Burggymnasiums waren unmittelbar nach Kriegsausbruch zu einer Schweigeminute aufgerufen, später stellten sie sich auf dem Schulhof zu einem Peace-Symbol auf und verkauften Kuchen – 300 Euro kamen so für die Flüchtlingshilfe zusammen.

Am kommenden Montag gibt es an der Schule eine Informationsveranstaltung, die Oliver Held organisiert hat und an der auch die Kollegien der Realschule Werdohl und der Sekundarschule teilnehmen. Dort wird ein ehemaliges Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages das Thema beleuchten. Vorher ist eine Veranstaltung mit den Oberstufenschülern des BGA geplant.

Noch etwas treibt die Schulleiter um: Sie stellen sich darauf ein, in Kürze auch aus der Ukraine geflüchtete Kinder aufzunehmen. Im BGA ist es bereits soweit – in der dortigen Sprachförderklasse soll eine 14-Jährige aus der Ukraine, das in der vergangenen Woche in Altena ankam, ihre ersten Deutschkenntnisse erwerben.

An der Sekundarschule hat man bereits eruiert, welche Schüler und Lehrer russisch oder ukrainisch beherrschen und in der Grundschule sucht man gerade nach einem „Bufdi“, der die Lehrer auch bei der Integration von Kindern aus anderen Kulturkreisen unterstützen soll (siehe Infokasten).

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