Online-Umfrage im Bistum Essen / Ursachenforschung / Pfarrentwicklungsprozess

Weniger Kirchenaustritte im Kreisdekanat

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Im Kreisdekanat gab es im vergangenen Jahr 231 Kirchenaustritte.

Altena - Ein Kirchenaustritt hat viele verschiedene Gründe. Zu allererst geht nicht nur ums Geld: Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie des Bistums Essen. Die arbeitet als Hauptbeweggründe vor allem „Entfremdung“ und „fehlende Bindung“ heraus.

Gingen in der vergangenen Woche die bundesweiten Kirchenaustrittszahlen durch die Medien, ist in Altena, genauer im gesamten Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid, in Sachen Kirchenaustritte etwas Entspannung eingetreten. 

So verzeichnete das Bistum Essen im vergangenen Jahr für diesen Raum 231 Kirchenaustritte. Im Vorjahr waren es noch 351, 2010 mit 345 Personen ähnlich hohe Zahlen gewesen. Angesichts von bistumsweit jährlich rund 4 000 Kirchenaustritten bei knapp 800 000 Mitgliedern möchte das Ruhrbistum in seinem Zukunftsbild-Prozess verstehen, warum Menschen der Kirche den Rücken kehren – und was die Kirche dagegen tun kann. 

Mehr als 3000 Befragte

Stützen kann sich die Kirche jetzt auf eine Internet-Umfrage, an der mehr als 3 000 Personen teilnahmen. Die Zahlen auf Altena heruntergebrochen: 2016 wurden im Kreisdekanat 49 821 Katholiken gezählt, 2015 waren es noch 50 379, 2010 sogar noch 53 684 Personen. 

Rund 15 Prozent der Teilnehmer hatten bei der Befragung beispielsweise die Kirche bereits verlassen. Bei der Vielzahl der Antworten hätten sich zwei Hauptmotive für den Kirchenaustritt heraus kristallisiert, sagt der Siegener Religionspädagoge Ulrich Riegel, der sich maßgeblich damit beschäftigt. 

Kirche werde von Ausgetretenen als Institution erlebt, „die aus Machtinteressen und Ränkespielen besteht.“. Ein weiterer Austritts-Grund sei eine „nicht mehr zeitgemäße Haltung“. Vertieft wurde das in der Umfrage deutlich gewordene „Stimmungsbild“ durch mehr als 40 ausführliche Interviews mit Ausgetretenen aus dem Bistum Essen. 

Kirchenaustritt ist ein langfristiger Prozess

Insgesamt habe sich bestätigt, was auch frühere Studien bereits gezeigt hätten, sagt Riegel: Ein Kirchenaustritt sei meist ein langfristiger Prozess. Doch Kirche könne auch punkten. 

Das belegen wiederum Zahlen zu Hochzeit, Kommunion oder Taufe. So gab es im Kreisdekanat 2016 genau 321 Taufen, 2015 waren es 323, 2010 noch 326 gewesen. Die Zahl der Trauungen lag mit 70 im Jahr 2016 auch relativ hoch, 2015 gab es nämlich nur 55, 2010 84 kirchliche Eheschließungen. 

Dass Altena ein demografisches Problem hat, ist bekannt. Allein ging die Zahl der Bestattungen auf nunmehr 486 in 2016 gegenüber 517 in 2015 und 542 in 2010 deutlich zurück. Eine eher zu vernachlässigende Größe ist die Zahl der Ein- beziehungsweise Übertritte. 

Ein "Kosten-Nutzen-Kalkül"

Dabei ermittelte Essen für 2016 im Kreisdekanat die Zahl von neun gegenüber 2015 und 2010 jeweils zehn Personen. Riegel spricht bei seiner Bewertung von einem „Kosten-Nutzen-Kalkül“ von Kirchenmitgliedern, wenn etwa positive Erfahrungen bei Hochzeit oder Taufe durch schwerwiegende Enttäuschungen derart getrübt würden, dass der Austritt die Konsequenz ist. 

Er betont indes: „Feiern wie Hochzeit, Kommunion oder Taufen sind die Momente, wo Kirche noch am meisten Leute erreicht, eine gewisse Monopolstellung hat und punkten kann“. 

Für die Zukunftsbild-Projektgruppe, die das Thema im Bistum Essen betreut, sind die Ergebnisse des Teams um Riegel ein erster Baustein der Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchenaustritt. 

Menschen wieder stärker an die Kirche binden

Bis zum Herbst analysiert zudem das Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) in Bochum bisher erschienene Forschungen zur Kirchenmitgliedschaft. In Altena läuft bekanntlich seit Jahresfrist das Projekt pep - der Pfarrentwicklungsprozess. Auch sein Ziel ist, die Menschen wieder stärker an die Kirche zu binden.

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