Kreisarchiv und Landeskundliche Bücherei bereiten den Umzug vor

Mit einer Träne im Knopfloch

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„So leer habe ich diese Räume noch nie gesehen“. Kreisarchivdirektorin Dr. Christiane Todrowski im Untergeschoss des Kreishauses zwei. Das große Rollregallager (Zugänge rechts zu sehen) ist vollständig leer geräumt.

Altena - Das ist ein Umzug, vor dem es vielen grausen würde: Das gedruckte Wissen über die Kultur und Geschichte der Grafschaft Mark und des Märkischen Kreises, des Sauerlandes sowie der Region Südwestfalen seit 1875 wechselt den Standort. Als ob das nicht genug wäre, müssen mit diesem riesigen Bestand von rund 110 000 Büchern auch noch schlanke drei Regalkilometer an Kreis-Akten bewegt werden.

Das Umzugsgut stammt aus den Beständen des Kreisarchivs und der Landkundlichen Bibliothek. Seit Montag sind sechs Mitarbeiter der Spedition Schenker aus Köln mit dieser Mammutaufgabe beschäftigt. Und sie stehen eher am Anfang als vor der Erledigung des Jobs. Etwa 14 Tage, so schätzen sie, wird das Unterfangen wohl im Kreishaus II und im ehemaligen Schmalenbach-Kolleg noch in Anspruch nehmen.

Und für alle, die große Umzüge scheuen, kommt jetzt die schlechte Nachricht: All die Packerei und Schlepperei ist zwei mal zu erledigen. Fast der gesamte Bestand – Archivdirektorin Dr. Christiane Todrowski spricht von 75 bis 80 Prozent – muss zwei Mal bewegt werden, denn bis zur Fertigstellung des Neubaus am Ende der Bismarckstraße werden noch gut zwei Jahre vergehen. Bis dahin muss die Vergangenheit also „zwischengelagert“ werden. Auf sage und schreibe 300 Europaletten. Wo, das wird aus guten Gründen verschwiegen.

Logistisch sei das Ganze eine Herausforderung. „Wir müssen wissen, auf welcher Palette in welchem Karton was ist.“ Die wertvollsten Bücher aus der Zeit vor 1850 werden aber einen Platz im Medienzentrum des Märkischen Kreises an der Freiheitstraße bekommen, Bücher, die im Dachgeschoss des altehrwürdigen Kreishauses I – einst Wohnsitz von Landrat Fritz Thomée – gelagert sind, dürfen dagegen an Ort und Stelle bleiben. Die „allerwichtigsten Akten zum Altkreis“, so Dr. Todrowski, werden ebenfalls im Kreishaus II an Ort und Stelle bleiben, bis der Umzug in den Neubau erfolgen kann. Die Räume im alten Kreishaus werden benötigt, weil der „Neubau“ nebenan aus allen Nähten platzt.

Für das Team der Landeskundlichen Bibliothek und des Kreisarchivs bedeutet der sich langsam abzeichnende Abschied natürlich einen Einschnitt. „Es gibt sachliche Vorteile und es ist gut für die Einrichtung“, sagt Dr. Christiane Todrowski. „Bitter-süß“ empfindet sie das Ganze. Wenn sie geht, dann geht sie „mit einer „Träne im Knopfloch“.

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