Kreisarchiv bereitet faszinierende Ausstellung zur Schulgeschichte vor

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Kreisarchivar Ulrich Biroth mit einem der Exponate, einem Strafbuch aus dem Jahr 1901.

Altena - Seine Verfehlungen, nämlich „Störung im Unterricht und hartnäckiges Lügen“ wird ein neunjähriger Dahler Schüler wohl so schnell nicht vergessen haben. Man schrieb das Jahr 1901, als diese Missetaten aktenkundig wurden – im Strafbuch der Dahler Schule.

Es setzte nämlich fünf Stockhiebe dafür, und die wurden vom Lehrer ebenso gründlich im Strafbuch dokumentiert wie auf dem Hosenboden des Burschen platziert. Als sich der Junge anschließend wieder in die enge Schulbank drückte, wird das „Sitzgefühl“ sicherlich ein anderes gewesen sein. 

Einblicke in den Schulalltag vergangener Zeiten wird eine neue, große Ausstellung bieten, die derzeit im Kreisarchiv an der Bismarckstraße vorbereitet wird. Sie steht unter dem schönen Titel „Nicht allein das ABC bringt den Menschen in die Höh“. 

Eine Menge eigenes Material

Mit dieser Anleihe bei Wilhelm Busch und seinem großen Werk „Max und Moritz“ wird elegant auf Inhalte und Thematik der neuen Präsentation von Gegenständen aus alter Zeit übergeleitet. Eröffnet wird die Ausstellung am 11. Mai, sie läuft bis zum 31. Juli. 

Das Kreisarchiv kann für die Präsentation natürlich auf eine Menge eigenes Material zurückgreifen, wird die Ausstellung aber mit zusätzlichen Exponaten bereichern. Schulmöbel, eine Wandtafel, und das Schreibpult eines Lehrers werden aus dem Bestand des Schulmuseums Bochum hinzukommen, um der Präsentation einen besonders interessanten Rahmen zu verleihen. 

Puzzlespiele wie dieses konnten im Englischunterricht eingesetzt werden. Auf der Rückseite gibt es Hinweise zur richtigen Platzierung. Knick Knatterton taucht in vielen Szenen auf.

„Das wird so groß wie die Ausstellung zum Ersten Weltkrieg“, berichtet Kreisarchivar Ulrich Biroth, der die Vorbereitungen und die Auswahl der Exponate unter seine Fittiche genommen hat. Rund 200 Ausstellungsstücke werden zu sehen sein. 

Zweifellos zum Hingucker werden dabei die großformatigen Schulwandkarten aus Kaisers Zeiten, von denen das Kreisarchiv einen einzigartigen Bestand bewahrt. Es sind um die 2000 Stück, die in vielen Fällen vor dem letzten Weg in den Müll gerettet wurden. 

Ein Blick ins Strafbuch der Dahler Schule aus dem Jahr 1901. Es finden sich noch heute bekannte Namen. Ab sechs Stockhieben verzeichnete der Lehrer eine „gründliche Züchtigung“.

Die oftmals grafisch-künstlerisch faszinierenden Darstellungen haben besondere Bedingungen gebraucht, um zu überleben: alte Schulen, am besten um die 100 Jahre alt – mit Dachboden. Aus dem täglichen Unterricht heute verschwunden, waren solche großformatigen grafischen Darstellungen in früheren Jahrzehnten sehr willkommene Hilfsmittel bei der Wissensvermittlung. Oder bei der Vermittlung dessen, was man für Wissen hielt. 

Diese Karten, heute würde man sie vielleicht als Infografiken im XXL-Format beschreiben, machten die Welt so anschaulich, wie man sie damals kannte. Oder wie man sie sich im ausgehenden 19. Jahrhundert eben vorstellte. 

Aus der Zeit um 1880 stammen die ältesten erhaltenen Exemplare an der Bismarckstraße: Sie zeigen Menschen und fremde Länder, Städte und Kontinente, Tiere, Landwirtschaft und Handwerk, Technisches, Religiöses, Märchen und auch das Verkehrswesen.

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