Der Kreis ist zu teuer

ALTENA ▪ Aufgaben abgeben – auch das empfehlen Fachleute wie Dr. Godehard Puckler, die der Stadt das Sparen beibringen soll. Auf seine Empfehlung hin hat die Verwaltung untersuchen lassen, ob sie die Abgabe des Jugendamtes an den Märkischen Kreis lohnen würde.

Das Ergebnis war nicht nur für die SPD-Fraktionsvorsitzende Irmgard Ibrom „überraschend und sehr erfreulich“: Gibt Altena diese Aufgabe ab, wäre das mit Mehrausgaben in Millionenhöhe verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt die Gemeindeprüfanstalt, deren Mitarbeiter Heinz Alberti sich die Zahlen genau angeguckt hat und gestern im Rat Bericht erstattete.

Differenzierte Kreisumlage steigt

203 Euro pro Jahr und Bürger kostet das kommunale Jugendamt nach den Planzahlen für 2011. Ginge die Zuständigkeit auf den Kreis über, hätte das zweierlei zur Folge: Zum einen müsste die Stadt eine zweite („differenzierte“) Kreisumlage bezahlen, die wegen einer vom Kreis avisierten, kräftigen Erhöhung im Jahr 2011 bei 233 Euro pro Bürger liegen würde. Sie hängt von der Steuerkraft der Gemeinde ab, Kommunen ohne eigenes Jugendamt zahlen zwischen 202 Euro (Herscheid) und 309 Euro (Schalksmühle).

Zweitens: Im Jugendamt Altena arbeiten drei Beamte – das Beamtenrecht regelt, dass die vom Kreis übernommen würden müssten. Für die 16 Angestellten gibt es keine entsprechende Regelung, sie blieben damit bei der Stadt – macht eine weitere Belastung in Höhe von gut 60 Euro pro Einwohner. Die Abgabe ergäbe also unterm Strich Mehrausgaben von über 90 Euro pro Jahr und Bürger. Übrigens: Der Prüfauftrag sei ungewöhnlich – das hatte Alberti schon in seiner Einleitung gesagt. Normal sei der umgekehrte Weg, weil sich manche von der differenzierten Kreisumlage getroffene Kommune überlege, ob sie es nicht selber billiger kann.

Einen Beschluss zu diesem Themenkomplex gab es gestern noch nicht. Da der Kreishaushalt noch nicht beschlossen ist, arbeitete Alberti noch mit vorläufigen Zahlen. Abgestimmt wird – wenn überhaupt – erst dann, wenn absolute Klarheit besteht.

Besser mit Nachrodt

kooperieren

„Das bedeutet nicht, dass in Altena an Kindern und Jugendlichen gespart wird“, relativierte Bürgermeister Dr. Hollstein die Zahlen. Außerdem erläuterte er, dass es einen zweiten Weg zur Kostensenkung im Bereich der Jugendhilfe geben könnte. Auch über diesen Aufgabenbereich werde mit der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde gesprochen. Sie ist an das Kreisjugendamt angebunden. Womöglich sei eine Zusammenarbeit mit Altena für beide Kommunen die vorteilhaftere Lösung, deutete Hollstein gestern an. ▪ ben.-

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