Krankenhaus: Transparente sollen verschwinden

Aktionen wie diese haben dem Krankenhaus geschadet, meint Rentemeister. Seine Zuhörer sahen das ganz anders.

Altena ▪ Wenn Altenas Bürger den Erhalt ihres Krankenhauses wollen, dann müssen sie sich im Krankheitsfall auch dort behandeln lassen – das ist die zentrale Botschaft, mit der St. Vinzenz-Geschäftsführer Franz-Jörg Rentemeister am Donnerstagabend vor das Aktionsbündnis „Rettet das St. Vinzenz-Krankenhaus“ getreten ist. Die Auslastung sei schlecht und mit Beginn der Proteste noch weiter zurückgegangen, sagte er und bezeichnete die Demonstrationen auch deshalb als schädlich.

Das sahen seine Zuhörer ganz anders – „dass Sie heute Abend hier sitzen, ist ein Erfolg dieser Proteste“, sagte Miriam Rönnecke. „Hier in Altena setzen viele tausend Menschen Hoffnung in Sie“, attestierte Kober.

Neue Gynäkologin kommt

Dabei versprach Rentemeister nichts – außer: „Ich werde weiter kämpfen“. Die Lage des Hauses sei bedenklich, er müsse sich viel mehr als vorgesehen auch um das operative Geschäft und nicht nur um die Entwicklung von Zukunftsperspektiven kümmern. Erster Erfolg: Einsparungen in Höhe von 200 000 Euro in diesem Halbjahr. „Aber das reicht nicht!“, warnte der Ende Juli verpflichtete Geschäftsführer. Deshalb kämpft er jetzt gegen die schlechte Zahlungsmoral der Krankenkassen an – an die hat das Krankenhaus offene Forderungen in Höhe von 800 000 Euro. Weiter hat Rentemeister es geschafft, eine neue Gynäkologin für das Ärztehaus zu finden. Sie wird noch in diesem Monat ihre Praxis eröffnen. Das Ärztehaus sei einer der Schwachpunke von St. Vinzenz, sagte der Geschäftsführer und sprach dabei von „Riesenproblemen“.

Rentemeister stellte noch zwei weitere, konkrete Maßnahmen vor: Zum einen verhandelt er mit drei Interessenten über Kooperationen, Fusionen oder auch Übernahmen – Details könne er natürlich nicht verraten, beugte er entsprechenden Nachfragen gleich vor. Zum anderen ist ganz konkret die Einrichtung einer geriatrischen Frührehabilitation geplant, um zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Eine Million Euro verschwunden

„Damit werden Sie nicht zufrieden sein“, sagte der St. Vinzenz-Geschäftsführer nach seinem Vortrag, schätzte damit aber die Stimmungslage seiner Zuhörer falsch ein. „Berechtigten Grund zur Hoffnung“ sah Wilfried Ramsbott und Dr. Andreas Hollstein sagte: „Jetzt ist eine Perspektive da“.

Interessantes Detail am Rande: In der so genannten Konvergenzphase, die kleinen Krankenhäusern eine Zeit lang gute Gewinne bescherte, hat das Haus nach Rentemeisters Berechnungen etwa eine Million Euro Überschuss gemacht – „dieses Geld finde ich nicht“. Dann solle er Strafanzeige erstatten, riet der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Einhard Pflüger. Zu seiner Zeit sei dieses Kapital noch da gewesen.

Im September akuter Ärztemangel

Die Transparente sind Rentemeister ein echter Dorn im Auge. Sie erschweren nach seiner Einschätzung auch die Suche nach neuen Assistenzärzten, die das Haus dringend brauche. Im September sei die Personalsituation so angespannt gewesen, dass Ärzte von außerhalb auf Honorarbasis verpflichtet werden mussten, um Bereitschaftsdienste aufrecht zu erhalten und den Notarztwagen besetzen zu können. Dr. Rita Rüth bezweifelte allerdings, dass das an den Plakaten lag – der Ärztemangel erreiche den ländlichen Raum, sagte sie. Außerdem könne auch ohne Protestplakate jeder Arzt, der sich für eine Stelle in Altena interessiere, schnell Informationen finden.

Trotzdem sollen die Banner jetzt verschwinden. Der Bürgermeister regte an, dass Wilfried Ramsbott sie gemeinsam mit Rentemeister öffentlichkeitswirksam entfernen soll – als Zeichen für die Bürger, wie Dr. Andreas Hollstein betonte.

Thomas Bender

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