Krankenhaus ist Station bei islamischen Bestattungen

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Geschäftsführer Dirk Wiese (l.), Pflegedienstleiterin Elisabeth Degener (2.v.l.) und Pfarrer Ulrich Schmalenbach (r.) nahmen die Blumen von Sammas Gümüs, dem Vorsitzenden der muslimischen Gemeinde, gern entgegen.

Altena - Die rituelle Waschung eines Verstorbenen durch Familienangehörige ist wichtige Tradition der muslimischen Bestattungskultur. Schnelle und unbürokratische Hilfe erfährt die Altenaer Gemeinde im St. Vinzenz Krankenhaus.

Deren Vorsitzender Sammas Gümmüs kann dort zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, um den Waschraum im Untergeschoss zu buchen. „Dafür möchten wir uns alle herzlich bei Ihnen bedanken!“, richtete er gestern das Wort an die Krankenhausbetreiber.

„Das Entgegenkommen des Altenaer Krankenhauses ist wahrhaftig nicht selbstverständlich!“, lobte Sammas Gümmüs. Das haben ihm auch bereits diverse Fahrer muslimischer Bestattungsunternehmen bescheinigt: „Nirgendwo wird man so schnell und zuvorkommend behandelt wie in Altena.“

Das Waschen und Überführen eines verstorbenen Moslems gehört zur islamischen Sterbekultur. „Die Türken der ersten Einwanderergeneration möchten im Boden der alten Heimat begraben liegen“, erklärt Sammas Gümmüs. Deshalb wird zumeist ein Bestatter einbestellt, der im Auftrag des muslimischen Dachverbands Ditib arbeitet. Er reist in der Regel von Köln aus an und kümmert sich um die Formalien: Totenschein, Sterbeurkunde und der Besuch des Türkischen Konsulats in Essen – dahin reist auch der Leichnam mit.

Daheim kümmert sich zumeist auch die Familie des Verstorbenen um einen Flug in die Türkei, um ihm am Grab die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Abflug trifft sich in der Regel die Gemeinde in Altena, um sich von dem Verstorbenen zu verabschieden.

Er wird seine letzte Ruhe in einem Leinentuch finden. „Särge finden selten Verwendung. Zum Beispiel, wenn eine Person bei einem Unfall schwer verletzt wurde“, so Sammas Gümmüs.

Für ältere Muslime in Altena steht fest, dass ihre letzte Ruhestätte in der Türkei sein wird. Deren Kinder und Kindeskinder haben mittlerweile einen zumeist anderen Heimatbegriff. „Es gibt auch die Möglichkeit, in Deutschland nach islamischem Ritus zu bestatten. Das wird allmählich wahrgenommen“, so Sammas Gümmüs. Dass Altenaer mal hier ihre letzte Ruhe finden, hält er deshalb nicht für ausgeschlossen.

Von Ina Hornemann

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